Der Deutsche Wetterdienst warnt vor extremer Hitze am Wochenende in Hamburg. Für arme und obdachlose Menschen fehle ausreichender Schutz, beklagen die Sozialverbände und bitten die Bürger:innen um Hilfe.
Die Hamburger Krankenhäuser rechnen bereits mit mehr Notfallpatient:innen aufgrund der erwarteten Temperaturen von bis zu 32 Grad. Und der Senat warnt angesichts der Hitzewelle: „Vermeiden Sie die direkte Sonne“ und „Halten Sie Ihre Wohnräume kühl“. Obdachlose haben diese Möglichkeit nicht, beklagt jetzt die Diakonie: „Die Hitze verschlimmert chronische Leiden und beeinträchtigt die Wundheilung“, sagt Krankenschwester Petra Carstensen, die sich ehrenamtlich im Diakonie-Zentrum für Wohnungslose engagiert. „Da viele Betroffene keinen Versicherungsschutz haben, sind niedrigschwellige medizinische Angebote für sie überlebenswichtig.“ Gerade erst wurde öffentlich, dass die Mittel für medizinische Behandlungen von Geflüchteten und Obdachlosen ohne Versicherungsschutz aufgebraucht sind.
Dass der Hitzeschutz in der Stadt nicht sozial gerecht verteilt ist, beklagt zudem der Sozialverband SoVD. Öffentliche Trinkbrunnen gäbe es vor allem im Stadtzentrum und den touristischen Hotspots: „Das sind aber nicht die Quartiere, in denen viele Menschen leben“, kritisiert der Hamburger Vorstand Klaus Wicher. „In Osdorf, Billstedt, Mümmelmannsberg oder auch Steilshoop gibt es wenig bis gar keine Möglichkeiten, an frisches Trinkwasser zu kommen.“ Tatsächlich listet “Hamburg Wasser” für Osdorf und Steilshoop keinen einzigen öffentlichen Trinkwasserbrunnnen auf, in Mümmelmannsberg gibt es nur einen einzigen.
Wie dramatisch die sozialen Folgen seien können, zeigte sich 2003 in Frankreich, als während einer dramatischen Hitzewelle laut Studien des französischen Gesundheitsministeriums mehr als 10.000 Menschen starben – meist ältere Menschen, die vor allem in armen Stadtteilen gelebt hatten.
„Innenstädte können so bis zu 15 Grad wärmer als das Umland werden“, hatte Professorin Antje Stokman von der Hafencity Universität bereits 2021 gegenüber Hinz&Kunzt vorgerechnet. Der Rückzug ins Grüne an solchen Tagen erfordere auch finanzielle Mittel, beklagt der SOVD. Die Stadt wiederum verweist auf ihre Karte „kühler Orte“ in Hamburg. Demnach ziehen sich rund um die Hochhaussiedlungen der 1970er Jahre, die heute oftmals zu den armen Stadtteilen zählen, weiträumige Grünzüge.
Solange es aber für arme Menschen und Obdachlose keine speziellen Schutzräume gäbe, bittet die Diakonie die Bevölkerung um Hilfe. Eine Flasche Wasser weitergeben, könne bereits helfen. Bei Symptomen eines Hitzeschlags (rotes Gesicht, Zittern, kalter Schweiß) solle man dringlichst den Rettungsdienst rufen. „Fächern Sie der Person Luft zu, bis der Rettungswagen eintrifft“, erläutert die Diakonie. Für alle Bürger:innen gelte, dass man dem Flüssigkeitsverlust vorbeugen solle. Die Weisung der Hamburger Krankenhäuser lautet: „Trinken Sie mehr als sonst, ‚immer über den Durst‘“ – selbstverständlich keinen Alkohol.
