Fragen und Antworten zu Hinz&Kunzt

Auf dieser Seite beantworten wir ausführlich Fragen, die uns häufig gestellt werden. Haben Sie weitere Fragen? Dann wenden Sie sich gern an info@hinzundkunzt.de.

Das Projekt

Was ist eigentlich Hinz&Kunzt?

Hinz&Kunzt ist derzeit Deutschlands auflagenstärkstes Straßenmagazin mit den Schwerpunkten Sozialpolitik, Hamburg-Themen und Kultur. Das Heft wird von Profis gemacht und von mehr als 500 Obdachlosen, Wohnungslosen, Ex-Obdachlosen und von Menschen in prekären Lebenslagen auf der Straße verkauft.

Wir bieten eine unbürokratische Beschäftigung für Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt kaum Chancen haben und fördern das soziale Klima in unserer Stadt: Der Verkauf des Magazins trägt dazu bei, dass Berührungsängste und Vorurteile zwischen Arm und Reich abgebaut werden.

Mehr als ein Magazin?

Hinz&Kunzt ist ein integratives Projekt: Unter einem Dach befinden sich die Redaktion, der kaufmännische Bereich, der Vertrieb und die Sozialarbeit. Der Vertrieb ist das Herz von Hinz&Kunzt. Hier werden die Magazine an die Verkäufer*innen verkauft und Verkaufsplätze vereinbart. Am Kaffeetresen können sich unsere Verkäufe*innen bei einem Kaffee aufwärmen, mit Kolleg*innen austauschen oder einfach nur Energie tanken. Die Türen der Sozialarbeiter*innen stehen immer offen. Sie beraten die Hinz&Künztler bei Suchtproblemen, Geldsorgen, helfen bei der Suche nach einer Unterkunft oder Wohnung, bei Stress mit den Ämtern oder Ärger mit der Familie. In Arbeitskreisen, bei Journalist*innen und Politiker*innen sind wir als Experten für Armut gefragt und leisten Lobbyarbeit.

Wofür macht sich Hinz&Kunzt politisch stark?

Hinz&Kunzt versteht sich als „Anwalt für Arme“. Denn arme Menschen haben keine Lobby: Sie haben meistens nicht die Kraft, sich allein für ihre Belange einzusetzen. Und ihre Stimme wird oft nicht gehört.

Wer ist Träger von Hinz&Kunzt?

Hinz&Kunzt ist eine gemeinnützige GmbH. Gesellschafter sind zu 66,6 Prozent das Diakonische Werk Hamburg – Landesverband der Inneren Mission e. V. und zu 33,3 Prozent die Hamburgische Gesellschaft zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe von 1765 e. V. (kurz: „Patriotische Gesellschaft von 1765“).

Wie finanziert sich Hinz&Kunzt?

Unsere Einnahmen stammen zu rund einem Drittel aus dem Magazinverkauf plus Anzeigenerlösen und zwei Dritteln aus Spenden. Wir bekommen keine öffentlichen Zuschüsse. Das Geld wird für den laufenden Geschäftsbetrieb und Sonderprojekte zugunsten unserer Verkäufer ausgegeben. Die genaue Aufteilung steht in unserem Jahresbericht.

Was macht der Hinz&Kunzt-Beirat?

Hinz&Kunzt hat einen externen zehnköpfigen Beirat eingerichtet, unter Vorsitz von Diakonie-Chef und Hinz&Kunzt-Herausgeber Dirk Ahrens. Das Gremium befasst sich insbesondere mit grundsätzlichen Fragen, Kooperationen oder der Planung neuer Projekte. Die Zusammensetzung des Beirates ist interdisziplinär ausgerichtet. Derzeit unterstützen uns Vertreter*innen aus folgenden Branchen: Verlagswesen, sozialer Wohnungsbau, Medien, Medienrecht, Wissenschaft, Unternehmensberatung, Vertrieb.

Wie hilft Hinz&Kunzt den Verkäufern?

  • Wir bieten umfassende Sozialarbeit
  • Wir bieten Postadressen und bei Bedarf Geldverwaltung
  • Freizeitangebote: derzeit Bowling, Skat und Laufen
  • Sommerfest und Weihnachtsfeier
  • kostenlos Kaffee, Tee und Wasser in unserem Aufenthaltsraum sowie Produkte der Hamburger Tafel
  • Kleidung und Schlafsäcke für Notfälle
  • Unterstützung im Umgang mit Behörden
  • Dusch- und Waschgelegenheit
  • Weiterbildungsangebote in Einzelfällen
  • Fahrtkostenzuschüsse in Einzelfällen
  • Einzugs- und Umzugshilfen
  • kostenlose Erstberatung in Rechtsfällen
  • Krankenhaus- und Gefängnisbesuche
  • Organisation von Bestattungen

Außerdem treten wir bei Vermieter*innen als Bürge oder Hauptmieter auf: Derzeit verwalten wir 11 Wohnungen für Hinz&Künztler*innen. Und wir initiieren Arbeitsprojekte mit Kooperationspartnern wie „Spende Dein Pfand“ am Flughafen Hamburg und „BrotRetter“ mit der Bäckerei Junge.

Was bedeutet der Name „Hinz&Kunzt“?

Wir wollen ein Magazin für alle Hamburger*innensein, also für Hinz und Kunz. Und wir finden Kultur und Kunst als Ausdruck für Lebensfreude besonders wichtig. Deshalb haben wir ein „t“ an Hinz&Kunz angehängt.

Warum betreibt Hinz&Kunzt ein eigenes Winternotprogramm?

Es gibt immer wieder Hinz&Künztler*innen, die nicht ins Winternotprogramm der Stadt Hamburg gehen ­– aus Angst vor zu vielen Menschen, aus Angst sich das Zimmer mit Fremden teilen zu müssen, aus Angst vor Diebstahl und aus Angst mit zu viel Elend konfrontiert  zu werden. Für Menschen, die ganz dringend ein Zimmer brauchen, in dem sie zur Ruhe kommen und auch tagsüber bleiben können, mieten wir im Winter Räume an. Wir wollen so Hinz&Künztler*innen helfen und zeigen, dass ein kleineres Winternotprogramm mit mehr Eigenverantwortung der Bewohner*innen machbar ist.

Stimmt es, dass Menschen freiwillig auf der Straße leben?

Nein, allerdings gibt es Obdachlose, die aufgrund der Zeit, die sie im Freien gelebt haben, große Schwierigkeiten haben, wieder in geschlossenen Räumen zu schlafen. Viele haben Angst, einsam in der Wohnung zu sein oder erneut zu scheitern. Der damit zusammenhängende Umgewöhnungsprozess erfordert viel Kraft. Von Freiwilligkeit kann in diesem Zusammenhang deshalb nur gesprochen werden, wenn die Wahl zwischen einer Wohnung und der Straße über einen langen Zeitraum hinweg bedingungslos besteht. Kurzfristig stellt häufig die Straße den leichteren Weg dar und wird deshalb bevorzugt. Manche haben schon häufiger Wohnungen verloren und sind durch das Scheitern mutlos geworden.

Die Verkäufer

Woran erkenne ich eine/n Hinz&Kunzt-Verkäufer*in?

Alle Hinz&Künztler*innen sollen gut sichtbar ihren Verkäufer*innenausweis mit Foto und Verkäufer*innennummer tragen. Sollte das nicht der Fall sein, sprechen Sie die Verkäufer*innen gerne an und fragen nach dem Ausweis.

Wer darf Hinz&Kunzt verkaufen?

Obdachlose und Wohnungslose, die ihre Bedürftigkeit zum Beispiel durch eine Bescheinigung oder einen Eintrag im Personalausweis nachweisen können, und Menschen in prekären Lebenslagen. Wenn ein/e Verkäufer*in eine Wohnung gefunden hat, darf sie/er trotzdem weiter verkaufen, bis sie/er eine Arbeit gefunden hat, die sie/ihn ernährt. Außerdem müssen Verkäufer*innen 18 Jahre alt sein und etwas Deutsch sprechen.

Müssen Verkäufer*innen ihren Ausweis abgeben, wenn sie einer anderen regelmäßigen Beschäftigung nachgehen?

Der Verkauf des Magazins ist stabilisierend und sinnstiftend, deshalb dürfen unsere Verkäufer*innen solange weiter verkaufen, bis sie eine Arbeit haben, die sie unabhängig von Transferleistungen macht.

Dürfen Hinz&Künztler*innen mit dem Magazin betteln oder es aufdringlich anbieten?

Unsere Verkaufsregeln verbieten das ganz klar. Aber halten aus Not die Regeln nicht ein und nutzen das Heft zum Betteln oder drängen es den Menschen in hartnäckiger Form auf. Wir weisen immer wieder darauf hin. Oft sind es auch Verkäufer*innen ohne Verkaufsausweis. Trotzdem gehen wir davon aus, dass auch sie in Not sind. Dieses Verhalten darf jedoch nicht Hinz&Kunzt in Schwierigkeiten bringen. Wer sich nicht an unsere Regeln hält, bekommt von uns keine Magazine.

Sind alle Verkäufer*innen obdachlos?

Nein. Die meisten Hinz&Künztler*innen waren zu Beginn ihrer Verkäufer*innentätigkeit obdach- oder wohnungslos. Aber das bleibt zum Glück nicht so. Unser Ziel ist es, dass alle Hinz&Künztler*innen eine Wohnung bekommen. Nach unserer letzten Umfrage im Herbst 2014 sind noch 29 Prozent der aktiven Hinz&Künztler*innen obdachlos. 30 Prozent sind wohnungslos: Sie leben in einer Notunterkunft, in einem Wohnheim oder in anderen prekären Wohnverhältnissen. 41 Prozent der Verkäufer*innen haben eine eigene Wohnung, vermittelt von Beratungsstellen, von uns oder von Kunden.

Dürfen Hinz&Künztler mit eigener Wohnung weiter verkaufen?

Ja. Mit einer eigenen Wohnung sind noch lange nicht alle Probleme gelöst. Deshalb ist es uns wichtig, die Verkäufer weiter zu begleiten, bis sie nicht nur eine eigene Wohnung, sondern auch eine feste Arbeit gefunden haben.

Warum müssen Verkäufer die Magazine kaufen?

Alle Hinz&Künztler*innen bekommen zum Einstieg zehn Magazine als Startkapital. Alle weiteren müssen sie für 1,10 Euro kaufen und verkaufen sie für 2,20 Euro weiter. Wir folgen damit einem Prinzip unseres englischen Vorbilds „The Big Issue“ in London. Dort hatte sich das Kommissionsprinzip nicht bewährt. Die Verkäufer*innen nahmen wesentlich mehr Magazine mit, als sie verkaufen konnten, und gaben diese dann in schlechtem Zustand zurück. Das können sich weder Big Issue noch wir uns leisten. Deshalb müssen die Verkäufer*innen die Magazine kaufen. So lernen sie außerdem, wieder mit ihrem Geld zu haushalten und die Hefte pfleglich zu behandeln.

Dürfen die Verkäufer*innen die Einnahmen behalten?

Ja. Die Hinz&Künztler*innen bekommen anfangs zehn Magazine als Startkapital geschenkt. Danach erwerben sie die Magazine für 1,10 Euro und verkaufen sie für 2,20 Euro. Hinz&Künztler*innen, die Hartz IV bekommen, müssen wie andere Hilfeempfänger*innen auch ihren Zuverdienst beim Jobcenter angeben.

Warum sind die Verkäufer*innen nicht fest angestellt?

Bei Projekten mit fest angestellten Verkäufer*innen ist das Gehalt an die Zahl der verkauften Magazine und somit an Leistung geknüpft. Aber was ist zum Beispiel, wenn der Verkäufer*innen die angepeilte Zahl nicht erreicht? Das baut Druck auf. Wir haben für dieses Dilemma keine Lösung gefunden. Deswegen haben wir uns dagegen entschieden, Verkäufer*innen fest anzustellen. Wir wollen, dass der Hinz&Kunzt-Verkauf für alle, die sich an die Regeln halten, ein Zubrot und vor allem eine Erfolgsgeschichte ist – und kein Programm fürs Scheitern. Wir versuchen allerdings, Arbeitsplätze für Verkäufer*innen zu schaffen: im Vertrieb und in Kooperationsprojekten.

Wie viele Hinz&Künztler*innen beziehen Hartz IV?

Laut unserer Verkäufer*innen-Umfrage vom Herbst 2014 bezieht insgesamt die Hälfte der Hinz&Künztler*innen Hartz IV, bei den deutschen Verkäufer*innen sind es 82 Prozent. Unser Bestreben ist es, alle ins staatliche Hilfesystem zu integrieren bzw. allen Verkäufer*innen entsprechende Angebote aufzuzeigen.

Wie viel kann man mit dem Zeitungsverkauf verdienen?

Wir machen keine Vorgaben, und der Verkauf variiert zwischen 10 und 300 Zeitungen im Monat. Allerdings sind nur wenige dazu physisch und psychisch in der Lage, lange zu stehen. Wer Hartz IV bekommt, darf 100 Euro anrechnungsfrei dazuverdienen. Wer mehr verdient, muss es beim Amt angeben. Das wissen die Verkäufer*innen, und sie bekommen bei uns auch das entsprechende Formular.

Man sieht immer wieder junge, gesunde, gut gekleidete Hinz&Künztler*innen. Warum gehen diese nicht einer regulären Arbeit nach?

Unsere Erfahrung ist: Obdachlosigkeit und Not erkennt man nicht unbedingt an Äußerlichkeiten. Viele sind gesundheitlich oder psychisch eingeschränkt oder haben Sprachschwierigkeiten.

Es gibt Hinz&Kunzt-Verkäufer*in mit Auto. Wie können sie sich das leisten?

Einige wenige Verkäufer*innen haben ein Auto. Manche leben darin, manche teilen es sich mit anderen Familien, manche haben es sich erarbeitet. Denn viele versuchen, hier Fuß zu fassen und einen Job (meist im Niedriglohnbereich) zu finden.

Wie setzt sich die Verkäuferschaft zusammen?

Als Hinz&Kunzt an den Start ging, kamen insbesondere Obdachlose zu uns, die schon lange in Hamburg auf der Straße lebten. Das hat sich über die Jahre stark verändert. Hinzu kamen Drogenkranke und junge Erwachsene, später mit der EU-Osterweiterung Wanderarbeiter aus Polen, Rumänien und Bulgarien. Viele landen hier auf der Straße – häufig mit ihrer ganzen Familie. Teilweise wohnen sie zu mehreren in einem Zimmer und zahlen Wuchermieten pro Matratze. Außerdem kommen immer mehr Menschen zu uns, die zwar nicht obdachlos, aber extrem arm sind: Hartz-IV-Empfänger*innen, Flaschensammler*innen, Rentner*innen.

Warum werden nicht alle Rumän*innen und Bulgar*innen aufgenommen?

120 unserer rund 500 Verkäufer*innen stammen aus Rumänenien und Bulgarien. Sie haben ganz andere Probleme als unsere „klassischen“ Verkäufer*innen: Sie sind Wanderarbeiter*innen und häufig mit ihrer ganzen Familie da. Viele sprechen fast kein Deutsch, sodass wir uns nur schwer mit ihnen über ihre Probleme und unsere Arbeitsweise verständigen können. Sie alle sofort aufzunehmen, würde unser Projekt überfordern. Aber wir arbeiten daran, die Beratungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten für sie schrittweise zu verbessern.

Warum nimmt Hinz&Kunzt nicht alle Flaschensammler*innen und Bettler*innen auf und gibt ihnen einen Verkaufsausweis?

120 unserer rund 500 Verkäufer*innen stammen aus Rumänenien und Bulgarien. Sie haben ganz andere Probleme als unsere „klassischen“ Verkäufer*innen: Sie sind Wanderarbeiter*innen und häufig mit ihrer ganzen Familie da. Viele sprechen fast kein Deutsch, sodass wir uns nur schwer mit ihnen über ihre Probleme und unsere Arbeitsweise verständigen können. Sie alle sofort aufzunehmen, würde unser Projekt überfordern. Aber wir arbeiten daran, die Beratungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten für sie schrittweise zu verbessern.

Stimmt es, dass rumänische Verkäufer*innen in der Heimat Häuser bauen

In Rumänien ist das Hauptproblem nicht die Obdachlosigkeit, sondern dass die Menschen keine Arbeit haben und nicht wissen, wie sie überleben sollen.  Auf der Suche nach Arbeit kommen sie nach Deutschland. Hier wohnen sie meist in prekären Unterkünften, die illegal an sie vermietet werden. Bei einer Recherchereise nach Rumänien haben wir gesehen, dass viele der kleinen Steinhäuser eher bescheiden sind und selten dem deutschen Standard entsprechen. Oft sind sie ohne Strom und fließendes Wasser. Die rumänischen Wanderarbeiter*innen unterstützen mit dem Geld, das sie hier verdienen, ihre Familien in der Heimat, einige bauen oder erhalten dort ihre Häuser.

Manchmal liest man in den Medien über Bettelbanden. Stimmt das eigentlich?

Unseres Wissens sind es nicht um Banden, sondern meist um arme Osteuropäer*nnen, die so versuchen, für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Es sind zwar Gruppen oder Familien, aber auch die Polizei Hamburg hat bisher nicht bestätigt, dass es sich um Banden handeln könnte. Das Auftreten ist ohne Frage unangenehm für Passant*innen, aber in der Regel nicht kriminell. Es sei denn, die Hinz&Kunzt-Magazine oder das Wechselgeld werden nicht ausgehändigt.

Warum geht Hinz&Kunzt gegen die aggressiven Bettler nicht vor?

Betteln ist nicht verboten, und wir sind auch nicht die Polizei. Diese darf auch nur dann einschreiten, wenn es sich wirklich um aggressives Betteln handelt. Aber wir gehen Hinweisen von Kund*innen oder Verkäufer*innen schon nach und suchen den Kontakt mit Menschen, die das Magazin ohne Ausweis und aggressiv anbieten. Aber wenn jemand aus unserem Vertriebsteam auftaucht, sind sie meistens schon weg. Für eine wirkliche Kontrolle ist unser Team zu klein und das Verbreitungsgebiet auch viel zu groß. Vor allem: Die Menschen zu verfolgen, ist keine Lösung: Wir wünschen uns eine Armutsbekämpfung auf europäischer Ebene und sind gegen jedwede Form der Stigmatisierung von Osteuropäer*innen.

Woher bekommen Hinz&Künztler*innen ohne Ausweis eigentlich die Magazine?

Wir nehmen an, dass die Zeitungen bei einem/er Verkäufer*in mit Ausweis gekauft wurden. Vielleicht gibt auch Verwandte mit Ausweis Hefte weiter? Der Familienzusammenhalt bei den südosteuropäischen Wanderarbeiter*innen ist stark, zumal jede/r weiß, in welcher Notfalle alle stecken.

Worauf müssen die Hinz&Künztler*innen beim Verkauf achten?

Jede/r Verkäufer*in hat einen Ausweis, den sie/er sichtbar tragen muss, und verkauft nur an Plätzen, die mit dem Vertriebsteam vereinbart wurden. Beim Verkaufen dürfen die Hinz&Künztler*innen keinen Alkohol oder andere Drogen konsumieren. Grundsätzlich sollen sich unsere Verkäufe*innenr so verhalten, dass Kund*innen sich nicht gestört fühlen.

Verkaufsplätze

Dürfen Hinz&Künztler*innen überall verkaufen?

Nein. Da wir gemeinnützig sind, haben wir von der Stadt Hamburg eine Ausnahmegenehmigung bekommen und dürfen in der ganzen Stadt verkaufen. Nur in U- und S-Bahnen nicht. Wir legen großen Wert darauf, die Verkaufsplätze einvernehmlich mit den Geschäftsleuten abzustimmen. Am häufigsten werden Sie die Hinz&Künztler*innen – mit Genehmigung der Filialleiter – vor Supermärkten antreffen. In Kneipen und Restaurants entscheidet die Hausherrin/der Hausherr, wer verkaufen darf.

Wie werden die Verkaufsplätze vereinbart?

Es gibt drei Arten von Verkaufsplätzen. Wer neu zu uns kommt oder nur unregelmäßig verkauft, kann sich für einen der Plätze in der Innenstadt eintragen. Regelmäßige Verkäufer*innen tragen sich wochenweise für einen sogenannten Wochenplatz ein und verkaufen dort jeden Tag. Klappt es auf dem Wochenplatz gut, hat der Verkäufer die Chance, aus seinem Wochenplatz einen Festplatz zu machen – bis auf Weiteres darf er dort dann exklusiv das Magazin verkaufen.

Warum sind Festplätze für die Verkäufer*innen so wichtig?

Möglichst jeder Hinz&Künztler*innen soll einen sogenannten Festplatz haben. Dort können ihn/sie seine/ihre Kund*innen kennenlernen. Durch regelmäßige Gespräche werden Vorurteile überwunden und die Verkäufer*innen können so wieder ein Teil der Gesellschaft werden. Viele Verkäufer*innen haben auf diese Weise wieder Bekannte und Freunde gefunden, manche sogar einen Job, eine Wohnung oder gar die Frau/den Mann fürs Leben.

Die Mitarbeiter*innen

Wie viele Menschen arbeiten bei Hinz&Kunzt und wie werden sie bezahlt?

Es gibt 38 Angestellte (Stand: Januar 2018) bei Hinz&Kunzt, davon sind 18 ehemalige Verkäufer*innen. Die meisten Festangestellten arbeiten in Teilzeit. Alle werden nach dem Diakonie-Tarif AVR eingestuft und bezahlt. Darüber hinausgehende Gewinnbeteiligungen, Provisionen, Tantiemen oder Boni gibt es nicht. Die meisten Journalist*innen arbeiten freiberuflich.

Kann man bei Hinz&Kunzt ehrenamtlich arbeiten?

Wir haben ein Team aus freiwilligen Mitarbeiter*innen, das uns bei Veranstaltungen unterstützt.

Wie entsteht das Magazin?

Geschrieben und gestaltet werden das Monats- und Onlinemagazin sowie die Sonderhefte von professionellen Journalist*innen, Fotograf*innen und Grafiker*innen. Wir wollen seriösen Journalismus machen, unsere Kritik wie unsere konstruktiven Ansätze sind gut recherchiert. Immer wieder kommen in Geschichten und Momentaufnahmen die Hinz&Künztler*innen zu Wort.

Unterstützung für das Projekt

Was bewirkt meine Spende?

Durch Ihre Spende können wir mehr sein als ein Magazin: Sie finanzieren die Sozialarbeit, die Arbeitsplätze im Vertrieb, die Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit. Viele Angebote und Projekte für unsere Verkäufer*innen wären ohne Ihre Spende nicht finanzierbar.

Kann ich auch für bestimmte Verkäufer*innen spenden?

Generell möchten wir alle Verkäufe*innenr gleich behandeln, da sich das Projekt auf das Solidaritätsprinzip stützt. In einzelnen Fällen nehmen wir auch personengebundene Spenden an.

Kann ich einfach nur Trinkgeld geben, ohne das Magazin zu nehmen?

Die Verkäufer*innen freut sich natürlich über ein Trinkgeld. Aber dann bleibt sie  Menschen, die Almosen empfangen – und nicht Hinz&Künztler*innen, die ein Produkt verkaufen. Wir wollen ja gerade eine Alternative bieten zum Betteln. Langfristig gefährdet wäre natürlich auch das Projekt, wenn die Auflage sinkt.

Finanzierung und Kontrolle

Wofür braucht Hinz&Kunzt Rücklagen?

Das hat mehrere Gründe:

  1. Die Einnahmen aus dem Magazinverkauf und vor allem die Spenden, die wir bekommen, schwanken erheblich. Mit den Rücklagen gleichen wir dieses nicht vorher kalkulierbare Auf und Ab aus. Das ist eine wichtige Risikovorsorge für den laufenden Betrieb, schließlich sind über 500 Verkäufer vom Magazinverkauf abhängig.
  2. Wir brauchen Rücklagen, damit wir als Bürgen und Hauptmieter für Wohnungen für unsere Verkäufer*innen auftreten können.
  3. Ohne Rücklagen könnten wir unsere Kooperationsprojekte wie „Spende Dein Pfand“ und „BrotRetter“ nicht realisieren: So können wir zum Beispiel den aktuell neun Mitarbeitern eine Anstellung für mindestens ein Jahr garantieren.
  4. Unser größtes Projekt ist ein Haus, das ein Sozialinvestor baut und wir 2021 beziehen sollen: ein Zuhause für Hinz&Kunzt mit Wohnraum für Verkäufer*innen. Für dieses Ziel werden Mittel gesondert zurückgelegt.

Natürlich werden unsere Rücklagen regelmäßig von Wirtschaftsprüfer*innen und der Steuerbehörde geprüft. Beanstandungen gab es noch nie.

Was bedeutet es, eine gemeinnützige GmbH zu sein?

Der Zweck von Hinz&Kunzt ist laut Gesellschaftervertrag die Herstellung und der Vertrieb des Magazins, die Schaffung und Beschaffung von Arbeitsplätzen und von Wohnraum. Hinz&Kunzt verfolgt mit diesem Zweck ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige und mildtätige Zwecke im Sinne des Steuerrechts und ist daher von der Körperschafts- und Gewerbesteuer befreit. (Auf Anzeigen- und Shop-Erlöse müssen wir natürlich Steuern bezahlen.) Als gemeinnützige GmbH dürfen wir auch Zuwendungsbestätigungen (Spendenquittungen) ausstellen.

Wer kontrolliert Hinz&Kunzt?

Die Geschäftsführung muss drei Mal jährlich den ebenfalls gemeinnützigen Gesellschafter*innen, das sind das Diakonische Werk Hamburg – Landesverband der Inneren Mission e. V. und die Hamburgische Gesellschaft zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe von 1765 e. V. (kurz: „Patriotische Gesellschaft von 1765“), Rechenschaft ablegen.

Ein Mal jährlich lassen wir unseren Jahresabschluss und die Ordnungsmäßigkeit der Buchführung von einer unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft prüfen. Von Beginn an erhalten wir dafür einen „uneingeschränkten Bestätigungsvermerk“. Das heißt, dass der Jahresabschluss und die Buchführung den gesetzlichen Vorschriften entsprechen. Der Jahresabschluss wird den gesetzlichen Vorgaben entsprechend jährlich im Bundesanzeiger veröffentlicht.

Die Gesellschafter haben der Geschäftsführung jedes Jahr Entlastung erteilt.

Auch als gemeinnützige GmbH muss Hinz&Kunzt Steuererklärungen erstellen. Die Steuerbehörde kontrolliert diese auch hinsichtlich der Ordnungsmäßigkeit der Geschäftsführung auf die ausschließliche und unmittelbare Erfüllung der steuerbegünstigten Zwecke von Hinz&Kunzt und erstellt daraufhin einen Steuerbescheid.

Weitere Fragen

Haben Sie weitere Fragen? Wenden Sie sich gern an info@hinzundkunzt.de.