Verhaltenskodex für Verkäufer

Je prekärer die Lebensverhältnisse sind, desto wichtiger werden verbindliche Richtlinien, die unseren Hinz&Künztlern Sicherheit geben. Sie sollen unsere Verkäufer und auch unser Projekt schützen. Die Richtlinien regeln den Wettbewerb zwischen den Verkäufern sowie die Beziehung zu Kunden und Kooperationspartnern (z.B. Supermärkte).

Unsere Hinz&Künztler sind die wichtigsten Repräsentanten unseres Projektes. Ihr Verhalten entscheidet über die Unterstützung der Menschen in der Metropolregion Hamburg: Deshalb ist uns die Einhaltung dieser Verhaltensrichtlinien so wichtig. Die wichtigsten Absprachen im Überblick:

Wer kann Hinz&Künztler werden?

Hinz&Künztler kann man werden, wenn man sich in einer akuten Notlage befindet. Dies meint vorrangig Obdach- und Wohnungslose oder Menschen, die von Obdach- und Wohnungslosigkeit bedroht sind. Dazu zählen auch Menschen, die am Rande des Existenzminimums leben. Außerdem sollten Bewerber über 18 Jahre alt sein und zumindest über einfache Deutschkenntnisse verfügen.
Der Verkäuferausweis: Ein gutes Zeichen!

Nicht jeder, der eine Hinz&Kunzt anbietet, ist auch ein offizieller Hinz&Kunzt-Verkäufer. Unsere Verkäufer sollen ihren Ausweis während des Verkaufs gut sichtbar tragen. Er zeichnet sie als offizielle Hinz&Künztler aus. Wenn Sie wirklich sicher sein wollen, ob ein „richtiger“ Verkäufer vor Ihnen steht, dann achten Sie bitte auf den Verkäuferausweis. Sollten Sie sich wider Erwarten am Verhalten eines Verkäufers stören, dann merken Sie sich bitte die Verkäufernummer und setzen sich mit uns in Verbindung.
Offizielle Verkaufsplätze: Garant für fairen Wettbewerb

Wir möchten, dass der Wettbewerb zwischen Verkäufern fair und transparent erfolgt. Deshalb dürfen unsere Verkäufer nur an Verkaufsplätzen stehen, an denen sie sich registriert haben. Dies geschieht in unserem Vertrieb. So ist sichergestellt, dass jeder Hinz&Künztler seinen geschützten Platz hat, an dem kein anderer Verkäufer stehen darf. Zudem achten wir darauf, dass der Abstand zwischen den Verkaufsplätzen ausreichend groß ist, damit die Verkäufer nicht unter Konkurrenzdruck geraten.
Das Festplatz-Prinzip: „Der Dieter gehört zu unserem Inventar“

Je länger ein Verkäufer an einem Platz steht, desto größer sind Akzeptanz und Zuspruch durch Kunden und Supermärkte. Kontinuität schafft Vertrauen und Bindung, davon profitieren alle Beteiligten. Deshalb wirken wir darauf hin, dass jeder Verkäufer sich einen Festplatz aufbaut.
Hinz&Künztler: Gäste und Partner des Einzelhandels

Unsere Verkäufer sind im Grunde Gäste auf dem Gelände des Einzelhandels. Wir freuen uns sehr, wenn unsere Verkäufer sich auch als Partner des Einzelhandels verstehen, in dem sie den Ablauf vor Ort nicht stören, sondern unterstützen. Zum Beispiel halten sie den Eingangsbereich sauber, wechseln Kunden Geld für den Einkaufswagen, geben auf Hunde oder Fahrräder acht oder helfen den Kunden bei Bedarf beim Einladen.
Nicht alle Verkaufsplätze sollen genutzt werden

Wir haben in Spitzenmonaten bis zu 570 aktive Verkäufer. Viele von ihnen entwickeln eigene Ideen, wo sie gerne verkaufen möchten. Wenn dieser Platz noch nicht auf unserer Liste steht, dann prüfen wir zunächst, ob durch die Einrichtung dieses Verkaufsplatzes möglicherweise eine ungünstige Konkurrenzsituation entsteht. Ist dies nicht der Fall, dann fragen wir offiziell bei den Supermärkten eine Standgenehmigung an. Verkäufer werden gebeten, dies nicht selbst zu tun, damit der Marktleiter nicht 50 Mal, sondern nur einmal gefragt wird.
Kein Verkauf in Bus, U-/S-Bahn!

Der Verkauf in öffentlichen Verkehrsmitteln ist uns untersagt. Wir dürfen aber an einigen Bahnhöfen und S-/U-Bahn-Stationen im Eingangsbereich verkaufen. Dies ist auch in unserem Sinne, weil wir an das Festplatz-Prinzip glauben. (siehe oben).
Verkaufsverhalten: Weniger ist mehr

Wir möchten, dass unsere Leser sich aus freien Stücken für den Kauf unseres Magazins entscheiden, ohne (moralischen) Druck, ohne sich gestört oder genötigt zu fühlen. Deshalb bitten wir unsere Verkäufer, die Kunden auf sich zukommen zu lassen und nicht aktiv auf sie zu zugehen. Unsere Erfahrung zeigt: Wenn man den Hamburgern Zeit gibt, zum Verkäufer vertrauen zu fassen, dann finden Hinz&Künztler und Kunden früher oder später zusammen.
Geld gegen Ware: Schöner als Almosen

Hinz&Kunzt wurde ursprünglich gegründet, um Menschen in Not eine Alternative zum Betteln zu bieten. Deshalb ist es unseren Verkäufer untersagt, mit einem Magazin in der Hand oder mit Hinz&Kunzt-Ausweis zu betteln. Zudem sind wir nicht glücklich, wenn Verkäufern immer wieder Geld (ohne Gegenwert) zugesteckt wird. Auch wenn es gut gemeint ist, aber so macht man Verkäufer wieder zu Almosenempfängern. Bedenken Sie bitte, dass Sie mit jeder Ausgabe, nicht nur einen Verkäufer, sondern ein umfassendes Hilfsangebot für ca. 570 Verkäufer unterstützt wird.
Kein Drogen-/Alkoholkonsum während des Verkaufs!

Viele unserer Hinz&Künztler sind suchtkrank. Das können wir nicht von heute auf morgen ändern. Aber wir erwarten, dass jeder Verkäufer am Verkaufsplatz akzeptabel auftritt. Diese Verhaltensrichtlinie soll das Ansehen der Hinz&Künztler stärken. Und es soll auch eine Stütze sein, um der Sucht Grenzen zu setzen.