St. Pauli : Weiterer Obdachloser starb auf Hamburgs Straßen

Bereits im Oktober 2018 starb ein Obdachloser auf der Straße. Er hatte vor der U-Bahnstation Feldstraße mit Bekannten die Nächte und Tage verbracht.

Wie erst jetzt bekannt wurde, ist vor einem Vierteljahr ein weiterer Obdachloser auf der Straße gestorben. Die Zahl der bekannten Todesfälle für den Zeitraum von Oktober bis heute steigt damit auf sieben an.

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Zusammen mit Bekannten hatte der 1979 geborene Obdachlose bei der U-Bahnstation Feldstraße auf St. Pauli Platte gemacht. Nach Polizeiangaben hätten andere Obdachlose am 6. Oktober Passanten um Hilfe gebeten. Diese forderten einen Rettungswagen an. Doch die Sanitäter konnten nur noch den Tod des Obdachlosen feststellen.

Woran der Obdachlose starb, steht noch nicht fest. Sein Leichnam wurde zur Obduktion in die Rechtsmedizin überführt. Ebenfalls nicht bekannt ist, wie viele Obdachlose Jahr für Jahr in Hamburg sterben. Polizei und Behörden führen keine Statistik. Lediglich wer im Krankenhaus stirbt, wird erfasst: Im Schnitt mehr als 12 Obdachlose pro Jahr. Das zumindest geht aus einer Auswertung der vergangenen fünf Jahre hervor. Die Statistik zeigt zudem, dass die Mehrzahl der Obdachlosen in den Wintermonaten sterben. Nachweislich unterkühlt eingeliefert wurden in dem Zeitraum aber nur vier Obdachlose ins Krankenhaus.

Ob es seit vergangenem Herbst eine Zunahme der Todesfälle gibt oder lediglich Berichte über Todesfälle zunehmen, bleibt unklar. Auffällig ist: Hinz&Kunzt sind inzwischen sieben Todesfälle bekannt. Deutlich mehr tote Obdachlose als in den vergangenen Jahren.

Als der Obdachlose an der U-Bahnstation Feldstraße Anfang Oktober starb, war es noch warm in Hamburg. Den ersten Kälteeinbruch gab es Ende Oktober. Damals starb Hinz&Künztlerin Joanna. Unterkühlung war die Todesursache. In den anderen Fällen sind die Todesursachen nicht bekannt. Vier Obduktionen sind noch nicht abgeschlossen. Fest steht allerdings: Vergiftungen – meist ausgelöst durch Alkoholkonsum, sind die Todesursache Nummer eins – jeder vierte Sezierte starb in der Vergangenheit an ihren Folgen. Diese Zahl hat Nina Asseln mit Hilfe des Instituts für Rechtsmedizin für ihre Doktorarbeit errechnet.

Zudem macht das Leben auf der Straße dem Körper zu schaffen. So spielen auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Infektionen eine große Rolle – Krankheiten, die in der Regel nicht zum Tod führen, wenn sie rechtzeitig und richtig behandelt werden. Das erschreckende Ergebnis der Doktorarbeit: Ein Wohnungsloser in Hamburg wird im Durchschnitt nur 49 Jahre alt. Der Obdachlose wiederum, der im Oktober an der U-Bahnstation Feldstraße starb, wurde nicht einmal 40 Jahre alt.

Über den Autor
Jonas Füllner
Studium der Germanistik und Sozialwissenschaft an der Universität Hamburg. Seit 2013 bei Hinz&Kunzt - erst als Volontär und inzwischen als angestellter Redakteur.

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