Weil ihnen die „Autobahn GmbH“ mit Räumungskosten in Höhe von 5000 Euro drohte, mussten Obdachlose in Hamburg-Moorfleet am Donnerstag ihren Schlafplatz verlassen.
Viel unauffälliger als Vasile und die kleine Gruppe von Obdachlosen, mit denen er sich einen Schlafplatz teilt, kann man kaum Platte machen: Am Rande des ländlichen Hamburger Stadtteils Moorfleet haben sie ihre Zelte aufgeschlagen – auf einer nur über einen kaum einsehbaren Trampelpfad erreichbaren Grünfläche. Die Zelte stehen kaum sichtbar in einem Gebüsch, das an eine graue Lärmschutzwand grenzt, hinter der LKW auf die Autobahn rauschen.
Anwohnende, die sich an den Obdachlosen stören könnten, gibt es hier in einem Umkreis von hunderten Metern keine. Dennoch klebte vor einigen Tagen eine Aufforderung zur Räumung des Schlafplatzes an einem der Zelte: Sollten die Obdachlosen nicht bis Donnerstagfrüh um 7 Uhr verschwunden sein, würde der Schlafplatz geräumt und ihnen das mit voraussichtlich 5000 Euro in Rechnung gestellt.
Autobahnbetreiber bleibt hart
Unterschrieben und abgestempelt hat die Räumungsaufforderung die „Autobahn GmbH des Bundes“, eine Gesellschaft, die für die Verwaltung der deutschen Autobahnen und Fernstraßen zuständig ist – laut einer Sprecherin gehört auch die fragliche Grünfläche dazu. „Ein unbefugtes Betreten sowie eine unbefugte zweckentfremdete Nutzung stellt eine Ablenkung für die Verkehrsteilnehmenden sowie ein Aufhalten im Gefahrenbereich für Dritte dar“, schreibt sie auf Hinz&Kunzt-Nachfrage: „Daher ist die widerrechtliche Nutzung zu untersagen.“

Wen die Obdachlosen ablenken oder gefährden könnten, bleibt beim Ortsbesuch rätselhaft. Für LKW- und Autofahrer:innen sind die Zelte hinter der meterhohen Lärmschutzwand jedenfalls nicht zu sehen. Nach dem Willen der Autobahn-Gesellschaft sollen Vasile und Co. trotzdem verschwinden: „Für die Obdachlosen im Raum der Hansestadt Hamburg gibt es öffentliche Anlaufstellen, die sichere Übernachtungsmöglichkeiten aufzeigen können“, schreibt die Sprecherin: „Es ist nicht die Aufgabe der Autobahn GmbH für Ausweichquartiere zu sorgen.“
Ob jemand den Obdachlosen tatsächlich eine sichere Übernachtungsmöglichkeit anbieten kann, darf bezweifelt werden: Die größte Notunterkunft der Stadt, das Pik As, war zuletzt überfüllt. Dort hätten sie es gar nicht erst versucht, erzählt Vasile am Donnerstagnachmittag. Stattdessen hätten sie sich in einiger Entfernung einen neuen Ort gesucht, an dem sie ihre Zelte aufstellen konnten – und an dem sie nun hoffen, in Ruhe schlafen zu können.
