„Es gibt Verhaltensweisen, die ich nicht akzeptiere“
Am Hauptbahnhof soll aufgeräumt werden, fordert Bezirksamtsleiter Falko Droßmann (SPD). Was bedeutet das für Trinker und Obdachlose? Und wieso lässt er Zelte in Parks rigoros räumen?
Am Hauptbahnhof soll aufgeräumt werden, fordert Bezirksamtsleiter Falko Droßmann (SPD). Was bedeutet das für Trinker und Obdachlose? Und wieso lässt er Zelte in Parks rigoros räumen?
Seit 30 Jahren macht Dieter Platte. Aber jetzt kann er nicht mehr: Wegen einer Herzerkrankung braucht er dringend einen Platz im Winternotprogramm. Dieter ist einer der Obdachlosen, die wir durch den Winter begleiten.
Der Bezirksamtsleiter von Mitte hat zahlreiche Umbauten angekündigt, um den Hauptbahnhof attraktiver zu machen. Jedoch nicht für alle: Trinker, Bettler und Obdachlose sollen sich dort nicht wohl fühlen.
Ein Blick aus der S-Bahn kurz vor der Einfahrt in den Hauptbahnhof genügt, um zu erkennen, dass Obdachlose neben der Kennedybrücke leben. Sechs Zelte und ein Grill stehen dort. Auf der Wiese daneben kein Leergut, kein Abfall, kein alter Hausrat. Die „Kennedys“ gelten als die Spießer unter den Obdachlosen. Ihre „Platte“ ist praktisch immer sauber. So läuft das seit Jahren. Probleme mit der Obdachlosen-Gruppe gab es so gut wie nie.
Das Bezirksamt Mitte droht erneut Obdachlosen mit Vertreibung. Spätestens am Donnerstag sollen sie ihre „Platte“ an der Kennedybrücke räumen. Ansonsten würde man „Zwangsmaßnahmen“ gegen die Obdachlosen anwenden.
Der Bezirk Altona macht ernst: Zusammen mit einem Großaufgebot der Polizei hat das Ordnungsamt am Donnerstagmorgen die Obdachlosen aus dem Park am Nobistor vertrieben. Wo sie hin sollen, wissen sie nicht.
Seit November kümmerten sich Freiwillige um die Menschen im Winternotprogramm. Sie schmierten Brote, kochten Suppe und waren für die Obdachlosen da. Heute ist auch für sie der letzte Abend.
Sozialsenatorin Leonhard beharrt trotz Regen und Sturm weiterhin darauf, das Winternotprogramm tagsüber geschlossen zu halten. Die Obachlosen müssen jeden Morgen um 9 Uhr wieder auf die Straße. Wir haben zwei von ihnen gefragt, wie sich das anfühlt.
Strassenblues.de feierte mit 350 Obdachlosen am Sonntag in der Rathauspassage. Weitere Hilfsaktionen: Helfer der Kleiderkammer Messehalle brachten Spenden ins Winternotprogramm im Münzviertel und vor die Alimaus in Altona.
Ein neu gestaltetes Gräberfeld auf dem Öjendorfer Friedhof erinnert an Verstorbene ohne Angehörige – mit Namensnennung statt unpersönlicher Nummerierung. Gedenkgottesdienste für Obdachlose und einsam Verstorbene.