Ihr seid nicht vergessen! : Gedenken an verstorbene Obdachlose

Ein neu gestaltetes Gräberfeld auf dem Öjendorfer Friedhof erinnert an Verstorbene ohne Angehörige – mit Namensnennung statt unpersönlicher Nummerierung. Gedenkgottesdienste für Obdachlose und einsam Verstorbene.

Ihr seid nicht vergessen
Gedenkbaum für Hinz&Künztler: Ihr seid nicht vergessen!

Namen statt Nummern: Am Donnerstag wird auf dem Öjendorfer Friedhof ein neu gestaltetes Gräberfeld für Verstorbene ohne Angehörige eingeweiht. Wo zuvor nur Kreuze mit Nummern anonym an die Toten erinnerten, sind nun die Namen sowie das Geburts- und Todesdatum der Verstorbenen zu sehen. Der ehemalige Obdachlose und heutige Blogger Max Bryan: „Das ist eine gute Neuerung: Im Tod nicht länger nur eine Nummer, im Tod auch ein Name.“ Bryan wird bei der Feier in einer Rede an seinen verstorbene Freund Andre Heinz Martinßen erinnern, der ebenfalls auf der Straße lebte.

„Erinnerung sichtbar machen“ lautet das Motto der Gedenkfeier. Die jetzige Neugestaltung ist das Ergebnis eines Gesprächskreises, dem unter anderem die Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit (SPD) und die heutige zweite Bürgermeisterin, Katharina Fegebank (Grüne) angehörten.

Am Totensonntag gedenkt Hinz&Kunzt traditionell seiner verstorbenen Verkäufer. Im vergangenen Jahr musste wir uns von 19 Verkäufern für immer verabschieden. Ort des Erinnerns: der Gedenkbaum auf dem Öjendorfer Friedhof. An dieser alten Birke hängen Plaketten aus Messing, auf denen die Namen aller verstorbenen Hinz&Künztler eingraviert sind. „Jeder Mensch hinterlässt Spuren und soll in Erinnerung bleiben“, sagt Hinz&Kunzt-Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer, der die Idee für den Gedenkbaum hatte.

In der Hauptkirche St. Petri findet am Totensonntag ein ökumenischer Gottesdienst für jene an, die einsam gestorben sind: mit Predigt und Lesung.

Die Mitarbeiter der Diakonie-Wohnungslosenhilfe erinnern ebenfalls am Totensonntag an einsam Verstorbene: in der St. Bonifatius-Kirche in Eimsbüttel werden bei Kerzenlicht die Namen (oder Spitznamen) der Verstorbenen verlesen.

Am 1. Advent schließlich lädt die Jerusalem-Kirche zu einem Advents-Gottesdienst für Hinz&Kunzt ein. Thema der Predigt: „Die Engel der Stadt“. Aus der Bibel liest Hinz&Künztler Michael Rykabow. Eingeladen sind Verkäufer, Mitarbeiter, Freunde und Unterstützer. Anschließend gibt es bei Kaffe und Kuchen einen Einblick in die Arbeit des Projekts.

Text: SIM
Foto: Mauricio Bustamante

19.11., Eröffnungsfeier „Erinnerung sichtbar machen“, 10 Uhr, Friedhof Öjendorf, Manshardtstraße 200, Grabfeld 318 (der Weg von der Haupteinfahrt zum Grabfeld ist ausgeschildert).
22.11., Gedenkgottesdienst für verstorbene Hinz&Künztler, 14 Uhr, Öjendorfer Friedhof, Treffpunkt: Feierraum Nord.
22.11., Ökumenischer Gottesdienst für einsam Verstorbene, 15 Uhr, St. Petri, Bei der Petrikirche 2.
22.11., Gedenkgottesdienst für verstorbene Wohnungslose, 18 Uhr, St. Bonifatiuskirche, Am Weiher 29.
29.11., Advents-Gottesdienst für Hinz&Kunzt, 10 Uhr, Jerusalem-Kirche, Schäferkampsallee 36.

 

 

 

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