Viele Kinder in der Republik Moldau wachsen ohne Vater und Mutter auf. Weil das Land arm ist, müssen die im Ausland arbeiten – und kommen nur sehr selten nach Hause. Wirtschaftlich ist der Aufbruch eine Chance, für die Familien aber häufig eine Katastrophe. Das zeigt ein Besuch in der moldauischen Kleinstadt Nisporeni.
Das letzte Mal hat Vladislav (Name geändert) seine Mutter gesehen, als er in die erste Klasse ging. Nun hält er das Zeugnis mit seiner Versetzung in Klasse 4 in den Händen. „Ich telefoniere jeden Tag mit ihr“, sagt der 10-Jährige. „Sie sagt immer, sie kann nicht kommen, dabei vermisse ich sie so sehr.“ Vladislav sitzt auf einem Hocker mit abgestoßenem Polster vor dem alten Kachelofen in seinem Zimmer. Selten geht sein Blick nach oben. Meist schaut er auf seine Hände, während er erzählt. Oder auf den Fußboden mit dem fusseligen Belag. Manchmal bläht er die Wangen auf, zieht die Stirn kraus und wiegt leicht den Kopf hin und her. „Ich weiß, sie muss das so machen“, sagt er.
Seine Mutter arbeitet in Italien als Altenpflegerin. Vladislav würde gern...
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