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Unterwegs mit Plattenbau-Kids

29. April 2010 | Von | Kategorie: 2008: Hinz&Kunzt-Ausgaben 179 – 190, Archiv, Hinz&Kunzt 179/Januar 2008

Filmemacherin Astrid Schult drehte eine Dokumentation über Kinder in Berlin-Hellersdorf.

(aus Hinz&Kunzt 179/Januar 2008)

Der achtjährige Dominik lebt in einer Berliner Plattenbausiedlung. Seine Mutter zieht ihn und seine beiden jüngeren Geschwister alleine groß. Dominik ist gezwungen, das Leben eines Erwachsenen zu leben. Filmemacherin Astrid Schult begleitete Dominik für ihren Film „Zirkus is nich“.

Hinz&Kunzt: Wie haben Sie Dominik kennengelernt?

Astrid Schult: In der „Arche“, einem Projekt in Berlin-Hellersdorf, in dem arme Kinder zu essen bekommen. Ich hatte einen Radio-Bericht über die Arche gehört, so kam ich auf die Idee, einen Film über Kinder in dem Stadtteil zu machen. Ich bin zwar in Berlin aufgewachsen, aber für die Dokumentation bin ich das erste Mal nach Hellersdorf gefahren. Am meisten berührt hat mich zu sehen, wie wichtig die Sozialarbeiterin dort für die Kinder ist. Die Kinder hängen sich regelrecht an sie ran – nur um etwas Aufmerksamkeit zu bekommen. Das macht sehr betroffen.

Hinz&Kunzt: War Dominiks Mutter gleich einverstanden, dass der Film von ihrem Sohn handelt?

Schult: Dominiks Mutter hat erst mal abgelehnt. In der Arche hatten sie schlechte Erfahrungen mit Fernsehteams gemacht. Am Ende hat sie zugestimmt, weil Dominik unbedingt mitmachen wollte.

Hinz&Kunzt: Dominiks Mutter ist völlig überfordert, sich um ihre Kinder zu kümmern. Hätte da nicht sofort das Jugendamt eingreifen müssen?

Schult: Leider muss ich sagen: In der Arche gibt es noch viel schlimmere Fälle, bei denen das Wohl des Kindes viel stärker gefährdet ist. Und schon in diesen Fällen kommen die Sachbearbeiter des Jugendamtes nicht hinterher. Mittlerweile lebt Dominik allerdings nicht mehr bei seiner Mutter. Das hängt aber nicht mit dem Film zusammen, sondern liegt an anderen Vorfällen in der Familie.

Hinz&Kunzt: Wie haben Dominik und seine Mutter reagiert, als sie den Film gesehen haben?

Schult: Dominik ist sehr stolz. Seinen Freunden hat er den Film auch gezeigt. Und bei der Berlinale kam er mit nach vorne, bekam Applaus. Nur eine Szene ist ihm peinlich: In der schreit und weint er hemmungslos, weil ein Zirkusbesuch ausfällt. Eine der wenigen Szenen im Film, in denen er wie ein Kind reagiert. Als er die gesehen hat, versteckte er sich hinter einem Vorhang. Dominiks Mutter hat geweint, als sie den Film zum ersten Mal gesehen hat.

Marc-André Rüssau

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