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Hilft viel, braucht wenig Platz: Eine Box zum Überwintern

29. April 2010 | Von | Kategorie: 2010: Hinz&Kunzt-Ausgaben 203 – 214, Archiv, Hinz&Kunzt 207/Mai 2010

Das Diakonische Werk sucht Kirchengemeinden, die in der kalten Jahreszeit Wohncontainer für Obdachlose bereitstellen.
(aus Hinz&Kunzt 207/Mai 2010)

Heiß begehrt: Die 87 Schlafplätze in Wohncontainern, die es im vergangenen Winter im Hamburger Notprogramm für Obdachlose gab, waren ruck, zuck besetzt. Kein Wunder: Sie bieten nicht nur eine trockene und warme Bleibe in den kältesten sechs Monaten des Jahres, sondern auch eine Chance, sich ein wenig zu erholen und neue Kraft zu sammeln.

Allein oder zu zweit haben die Bewohner dort alles, was sie brauchen. Standardmäßig sind die Container mit Bett, Tisch und Schrank eingerichtet.
Der 44-jährige Frank Ratajczak hat in seinem Container auf dem Gelände des Kirchhofs von St. Peter in Groß Borstel sogar noch ein bisschen mehr. Die Gemeinde hat ihm zusätzlich einen Kühlschrank und einen Fernseher hineingestellt – Luxus im Vergleich zum Leben auf der Straße. Dass es Ratajczak jetzt, nach dem Winter, richtig gut geht, liegt aber vor allem auch an Jens-Uwe Jürgensen, Pastor von St. Peter, und den Gemeindemitgliedern, allen voran die zwölf Ehrenamtlichen, die Ratajczak und einen zweiten Obdachlosen den Winter über begleitet haben.

Obwohl er die Wintergäste ins Herz geschlossen hat, können sie nicht bleiben. Das sagt Pastor Jürgensen ganz deutlich. Wiederkommen auch nicht. In St. Peter gehen die beiden Containerplätze jedes Jahr an zwei andere Personen – das hat die Gemeinde für sich so entschieden. Jürgensen ist es wichtig, dass die Unterbringung für die obdachlosen Gäste nicht zu einer festen Einrichtung wird, mit der sie rechnen: „Das Ziel ist, eine Wohnung zu finden“, sagt der Pastor.

Damit sie dafür Kraft sammeln können und den Winter gesund überstehen, bedeuten Container-Unterkünfte eine enorme Hilfe für Obdachlose. Deswegen sucht das Diakonische Werk dringend Gemeinden und Gruppen, die bereit sind, im kommenden Winter weitere Wohncontainer auf ihrem Gelände aufzustellen. Was Sie dazu brauchen und wer Sie dabei unterstützt…

WNP1 WNP2Das Winternotprogramm dauert in der Regel vom 1. November bis zum 15. April, ­anschließend werden die Container ­ wieder abgebaut. Je nach Art reichen schon rund 40 Quadratmeter Fläche zum Beispiel für einen Doppel-Wohncontainer und einen mit Dusche und WC aus. Die Container inklusive Grundausstattung (Bett, Tisch und Schrank) werden von einem Unternehmen gebracht und ­aufgebaut. Matratze und Bettzeug werden benötigt und können über das Diakonische Werk zur Verfügung gestellt werden, falls nicht vorhanden. Leitungen für Strom und Wasser verlegt eine Firma mithilfe auf dem Gelände vorhandener Anschlüsse.

Alle Zahlungen für Aufbau und Abholung, Miete und Energie werden von der Hamburger Sozialbehörde übernommen. Den Gemeinden entstehen dafür keine Kosten!
Die Betreuung übernehmen meistens Gruppen von Ehrenamtlichen. Sie halten Kontakt zu den Bewohnern und besuchen sie im Container. Vielleicht mögen Sie auch bei Anträgen, der Wohnungssuche oder Gängen zum Amt unterstützen. Für die Betreuung zahlt die Sozialbehörde eine kleine Aufwandsentschädigung. In der Regel halten die Bewohner die ­Container selbst sauber.
Auf Ihrem Gelände gelten selbstverständlich Ihre Hausregeln.
Über die Bereitstellung der Containerplätze während des Winternotprogramms hinaus gehen Sie keine weiteren Verpflichtungen ein.
Die Bewohner werden Ihnen von der Tagesaufenthaltsstätte der Diakonie ­zugeteilt.

Ansprechpartner für interessierte Gemeinden sind:
Peter Ogon, Diakonisches Werk Hamburg, Tel. 30 62 03 09, ogon@diakonie-hamburg.de
Karen Schueler-Albrecht, Diakonisches Werk Hamburg-West, Tel. 58 95 01 50, karen.schueler-albrecht@diakonie-hhsh.de

Text: Beatrice Blank
Fotos: Benne Ochs

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