Obdachlosen-Platte

Feuer unter der Kennedy-Brücke

Die Obdachlosenplatte unter der Kennedy-Brücke ist am frühen Samstagmorgen einem Feuer zum Opfer gefallen. Verletzt wurde zum Glück niemand. Die Obdachlosen dort hatten sich zuletzt über zunehmende Bedrohungen beklagt und ihr Lager geräumt.

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Die Reste eines Zuhauses: Das war mal ein Zelt. Bild: Benjamin Laufer.

Es ist ein Bild der Zerstörung: Von den fünf Zelten, die hier standen, ist nicht mehr viel zu erkennen. Auf dem Boden liegen verbrannte Bücher, Getränkekisten und Stühle. Zwei weitere Zelte sind an der Seite angekokelt. Wand und Decke der Kennedy-Brücke sind schwarz vor Ruß, eine Deckenlampe ist zerschmolzen.

Um 5.33 Uhr hatte ein Zeuge die Flammen unter der Brücke gesehen und die Feuerwehr gerufen. Die rückte zum Löschen aus und sperrte die Straße auf der Brücke. Ein Sachverständiger des Bezirks prüfte, ob die Statik des Bauwerks gefährdet ist, stellte aber keine gravierenden Schäden fest. Die Polizei kann bislang keine Angaben zur Brandursache machen, schließt zunächst aber auch Brandstiftung nicht aus. Erste Befürchtungen der Retter, es könnten in den Zelten Menschen geschlafen haben, bestätigten sich glücklicher Weise nicht.

Dass niemand in den Zelten geschlafen hat, ist kein Zufall: Die Obdachlosen, die dort lebten, hatten die Platte geräumt, weil sie sich bedroht fühlten. Das ganze fing vor etwa einem Jahr an: Mehrfach sei eine Gruppe Jugendlicher unter die Brücke gekommen und hätte sie bedroht und sogar angegriffen. „Man musste ständig auf der Hut sein“, sagt Hinz&Künztler Marvin*. Ihn selbst hätten sie schon einmal die Lippe blutig geschlagen. „Die haben gesagt, dass sei ihr Revier“, sagt Marvin. Zuletzt wurden die Männer am vergangenen Sonnabend bedroht: Zwei Jugendliche hatten gegen 5 Uhr das Zelt aufgemacht. „Sie drohten uns, die Zelte abzufackeln“, sagt Marvin. Auch von Schutzgeld sei die Rede gewesen. „Danach war für uns klar, dass wir die Brücke räumen würden“, sagt Hein*. „Wir hatten nicht vor, mit unserem Leben zu spielen. Und man sieht ja, was passiert ist. Nicht auszudenken, wenn wir noch im Zelt gewesen wären.“

Der Polizei liegt eine Anzeige der Obdachlosen wegen Bedrohung und Nötigung vom 4. Mai gegen eine Gruppe Jugendlicher vor. „Wir wissen aber noch nicht, wer das war“, sagt Polizeisprecher Mirko Streiber. Unklar ist derzeit auch, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Feuer und den unbekannten Jugendlichen gibt. Die Ermittlungen dauern an.

Marvin hat jetzt eine neue Platte in der Innenstadt. Vier Müllsäcke Hab und Gut musste er wegschmeißen, sein ganzer Besitz passt jetzt in einen Rucksack. Trotzdem ist er froh, die Platte unter der Kennedy-Brücke geräumt zu haben: „Wenn es dich im Schlaf erwischt, dann war’s das“, sagt Marvin.

* Name von der Redaktion geändert.

Text: Benjamin Laufer

3 Kommentare zu “Feuer unter der Kennedy-Brücke

  1. Als ich die Meldung gesehen und gehört habe, habe ich als erstes an meine Kolegen gedacht !! Auch wenn sie nicht da waren (GOTT SEI DANK) , geht so etwas gar nicht !! Wenn es Brandstiftung war, und sich hier um jugendliche Täter handeln sollte, wird sich das bei den Betroffnen in die Seele brennen !! Ob man sie nun rechtlich bekommt, oder nicht, hier geht es um etwas ganz anderes !! Was ich mir wünsche von unsere Gesellschaft, ist, das man versucht die Betroffnen zu Ruhe kommen zu lassen !! Wir würden uns freuen, wenn es hier Unterstützer-Innen geben wird
    E.Heeder – HINZ&KUNZT – Verkäufer

  2. Brandstiftung ist eine gemeingefährliche Straftat und darf nicht unterschätzt werden. Ich hoffe, dass alle Betroffenen Unterstützung finden und ihre Gedanken über die Nacht zum Samstag mit Freunden teilen können. Ich würde gern auf H&K von Neuigkeiten über die Täterverfolgung lesen.

  3. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Aber: Wer bezahlt den Schaden an der Brücke? Als unter der Kersten-Miles-Brücke das dortige Lager wegen fahrlässiger Brandstiftung abbrannte, entstand sechsstelliger Sachschaden. Es gibt kein Recht darauf, unter öffentlichen Brücken feuergefährliche und brennbare Gegenstände zu lagern. Die Steuerzahler sind sonst die Dummen.

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