Ein Bakterium verursacht schwere Erkrankungen unter Wohnungslosen und Drogennutzenden in Hamburg. Für Gesunde ist das Ansteckungsrisiko gering.
Mit einer Impf-Aktion will die Hamburger Sozialbehörde Wohnungslose vor einer Infektion mit Hib-Bakterien schützen. Seit Herbst 2024 sind 37 Menschen in Hamburg daran erkrankt, fast alle hatten Drogen wie Crack oder Kokain konsumiert und waren wohnungslos. Die Behörden vermuten, dass sie sich über das Teilen von Zigaretten, Crack-Pfeifen oder Drogenbesteck angesteckt haben, aber auch durch Husten oder Niesen können die Bakterien übertragen werden.
Angst um die eigene Gesundheit müssen die meisten Menschen in Hamburg nicht haben, sagt der Leiter der Gesundheitsaufsicht des Bezirks Hamburg-Mitte, David Koch: „Man muss sich keine Sorgen machen. Die Krankheit ist vor allem für Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen wie einer fehlenden Milz gefährlich.“
Diese Menschen würden in der Regel von ihren Ärzt:innen geimpft, sagt Koch. Gesunde Erwachsene erleben eine Hib-Infektion meist entweder symptomfrei oder als harmlosen Atemwegsinfekt. Entsprechend wird selbst Mitarbeiter:innen von sozialen Einrichtungen in der Regel keine Impfung empfohlen.

Drogennutzung und Wohnungslosigkeit gelten hingegen als Risikofaktoren für einen schweren Verlauf. Bereits seit August 2025 werden daher kostenlose Impfungen in Hamburger Drogenkonsumräumen und anderen Einrichtungen angeboten, allerdings nur zögerlich angenommen. Mit einer Impf-Aktion am Steintorplatz hinter dem Museum für Kunst und Gewerbe nahe dem Hauptbahnhof will die Sozialbehörde dies nun ändern: Noch bis Donnerstag können sich Angehörige der Risikogruppe von 13 bis 16 Uhr kostenlos impfen lassen.
Bereits fünf Todesfälle
Das Robert Koch Institut beobachtet den Hamburger Ausbruch und vermeldete bis Juni 31 Krankenhausbehandlungen, davon 19 mit Lungenentzündung oder Blutvergiftung auf der Intensivstation. Die meisten von ihnen litten an chronischen Vorerkrankungen wie Hepatitis C, HIV oder Krebs. Vier wohnungslose Drogennutzer:innen starben in Hamburg an der Infektion, ein:e weitere Patient:in mit schweren Vorerkrankungen in Nordrhein-Westfalen.
Seit 1990 empfiehlt die Ständige Impfkommission am RKI die Impfung gegen Hib. Demnach sollen Säuglinge erstmals im Alter von 2 Monaten geimpft werden. Vor der Empfehlung war die Krankheit vor allem bei Kleinkindern ausgebrochen. Die Impfung bietet einen Schutz von 95 Prozent oder mehr vor einer Erkrankung.
