Bilanz Winternotprogramm : Diakonie: „Kein Grund zur Freude“

Mehr als 200 Obdachlose standen bereits am 1. November 2016 Schlange vor dem Eingang zum Winternotprogramm in der Münzstraße. Foto: Dmitrij Leltschuk

Dass das Winternotprogramm für Obdachlose im vergangenen Jahr nicht ausgelastet war, ist für die Diakonie „kein Grund zur Freude, sondern ein Alarmzeichen“. Die Sozialbehörde hatte sich damit gerühmt.

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Die zur Verfügung gestellten Plätze reichten aus“: Das Fazit der Sozialbehörde nach dem Winternotprogramm für Obdachlose klingt eigentlich positiv. Dennoch übt die Diakonie nun scharfe Kritik daran. „Die vergleichsweise geringere Auslastung des Winternotprogramms ist leider kein Grund zur Freude, sondern ein Alarmzeichen“, sagt Dirk Hauer, Leiter des Fachbereichs Migration und Existenzsicherung beim Diakonischen Werk Hamburg.

Der Hintergrund: Erstmals hatte die Sozialbehörde im vergangenen Winter vorwiegend rumänischen Obdachlosen den Zutritt zum Winternotprogramm verwehrt und zur Rückreise ins Heimatland gedrängt, wenn sie dort „Selbsthilfemöglichkeiten“ oder ein Wohnung hatten.

Das kommende Winternotprogramm sollte wieder allen Obdachlosen offenstehen– Dirk Hauer
521 EU-Bürger nutzten das Ticket auf Staatskosten – viele kamen jedoch wegen der bitteren Armut im Herkunftsland wieder zurück und übernachteten in Hamburg auf der Straße. Das merkte auch die Bürgerschaftsabgeordnete Franziska Grunwaldt (CDU) in einer Stellungnahme zu den Behördenangaben an.

„Das Winternotprogramm ist ein anonymer und niedrigschwelliger Erfrierungsschutz für alle obdachlosen Menschen, egal woher sie kommen“, betont Dirk Hauer. Deswegen müsse das kommende Programm wieder allen Menschen offenstehen. „Damit niemand auf Hamburgs Straßen erfriert, weil er obdachlos ist.“

Auswertung Winternotprogramm
195 Obdachlose bekamen Unterkünfte
So viele Obdachlose wie noch nie haben aus dem Winternotprogramm heraus eine Bleibe gefunden. Hinz&Kunzt kritisiert, dass nicht allen geholfen wurde.

Auch Hinz&Kunzt und CDU kritisieren Sozialbehörde

Die Sozialbehörde hatte am Montag bekannt gegeben, dass so viele Obdachlose wie nie zuvor aus dem Winternotprogramm heraus in dauerhafte Unterkünfte vermittelt worden waren. Hinz&Kunzt hatte das begrüßt, jedoch ebenfalls kritisiert, dass viele Obdachlose vom verbesserten Hilfsangebot der Stadt ausgeschlossen worden waren. Die CDU forderte die Behörde auf, auch während des Sommers verstärkte Anstrengungen zu unternehmen, um Obdachlose in Unterkünfte zu vermitteln.

Über den Autor
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

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