Der Sommer pausiert in Hamburg. Trotzdem fordert die Diakonie jetzt mehr Schutz für Obdachlose in der warmen Jahreszeit. Anlass ist der bundesweite Hitzeaktionstag.
Aus dem Westen gelangt derzeit laut Deutschem Wetterdienst vergleichsweise kühle Meeresluft nach Norddeutschland. Bei Temperaturen von höchstens 17 Grad muss sich in Hamburg kurz vor dem kalendarischen Sommerbeginn niemand Sorgen um seinen Kreislauf machen.
Wenn aber kommende Woche die Temperaturen wie angekündigt wieder anziehen, ist eine Bevölkerungsgruppe besonders gefährdet, warnt die Diakonie Hamburg am heutigen bundesweiten Hitzeaktionstag: „Obdachlose Menschen sind Witterungsbedingungen schutzlos ausgeliefert und tragen aufgrund von Vorerkrankungen ein hohes Risiko, zum medizinischen Notfall zu werden“, sagt Stefanie Koch, Wohnungslosenexpertin der Diakonie. „Im Sommer brauchen sie einen guten Zugang zu Trinkwasser und Hitzeschutzräumen.“ Chronische Krankheiten und Herz-Kreislauf-Erkrankungen könnten sich bei hohen Temperaturen verschlechtern. Auch die Wundheilung werde negativ beeinflusst.
Zwar biete die Stadt Obdachlosen mit dem Winternotprogramm Schutz vor Kälte. Ein Pendant für die Sommermonate gebe es bislang aber nicht, kritisiert die Diakonie. Um den Menschen auf der Straße in Hitzewellen zu helfen, sollten städtische Einrichtungen wie Bezirksämter, Bibliotheken und Museen ihre Türen für Obdachlose öffnen. Zudem fordert die Diakonie mehr öffentliche Trinkwasserspender.
Die zuständige Sozialbehörde hat für Hamburg einen Hitzeaktionsplan entwickelt. Spezielle Schutzmaßnahmen für Obdachlose enthält der Plan allerdings kaum, bemängelt im aktuellen Hinz&Kunzt-Magazin die Hamburger Soziologin Anita Engels. Ihr Fazit: „Für die Menschen in der Stadt heißt das: sich informieren, mit extremer Hitze umgehen lernen, aufeinander achten und sich im Zweifelsfall gegenseitig unterstützen. Eine Flasche Wasser zu spenden kann an heißen Sommertagen eine lebenswichtige Maßnahme sein.“
