Veranstaltungen im Mai

Grübeln, Knobeln, Tanzen

Kraftausdruck in vollendeter Form: Die französische Choreografin Anne-Marie Van auf der Bühne. Foto: Pierre Gondard

Ein Quiz für Hinz&Kunzt, ein Tanz als Rebellion und gute Nachrichten zur Weltlage. Tipps für den Monat Mai: Subjektiv und einladend.

Ausstellung

40 Jahre für die Freiheit der Künste

Wovon eine Künstlerin lebt, weiß sie mitunter selbst nicht zu beantworten. Wovon die Kunst lebt, weiß das „Westwerk“ auf der Fleetinsel. Seit nunmehr 40 Jahren behauptet sich hier einer der renommiertesten und rätselhaftesten Kunsträume Hamburgs und zieht Blicke auf sich: Blicke durch das hölzerne Schiebetor hinein in seine markante Halle. Blicke auf Kunstwerke, die hier gern etwas vage „Positionen“ heißen – im Mai etwa die von Laura Mahnke, Paula Hoffmann und Komplizinnen. Der Kunst Raum geben, bedingungslos, ohne Programmatik – das macht das Westwerk zum Biotop einer wahrhaft freien Szene.

Westwerk, Admiralitätstraße 74, Jubiläumsausstellung „Kunst aus freien Stücken“ bis 10. Mai, Eintritt frei, weitere Ausstellungen und Veranstaltungen: www.westwerk.org

Ausstellung

Solidarisch zusammenstehen

In Hamburg sei kein Platz für Antisemitismus: Das ist schnell gesagt. Trotzdem vermissen viele Jüdinnen und Juden Zeichen der Solidarität. Die Fotografin Valérie Wagner setzt diese Zeichen: Bis zu 350 Hamburger:innen verschiedener kultureller und religiöser Prägung versammelten sich an bedeutenden Orten der Stadt unter einer Drohne und bildeten Seite an Seite einen Davidstern. Wagner fotografiert sie anonym – bewusst, denn der Stern polarisiert. Gewählt hat ihn die Künstlerin in Abstimmung mit jüdischen Gemeinden als kleinsten gemeinsamen Nenner, auch für Menschen, die wie sie die Palästina-Politik Israels ablehnen. Die Luftaufnahmen zeigt sie ab Ende Mai im öffentlichen Raum.

U-Bahnhof Steinstraße, ab 29.5., jederzeit frei zugänglich, mehr Infos: valeriewagner.de

Vortrag

Oasen im Beton

Die Welt ist noch zu retten! Das ist die gute Nachricht, mit der der Hamburger Agrarökologe Georg Horn Samen der Hoffnung pflanzen möchte. Bei einem Vortrag in Barmbek zeigt er, wie jede:r Einzelne wirkungsvoll gegen die Klimakatastrophe aktiv werden kann. Horn ist Experte für urbane Klimaoasen, also neue, artenreiche Lebensräume mitten in der bebauten Stadt. Eins der Projekte gedeiht bereits in St. Georg: der Marmorgarten, in dem auf einer einst versiegelten Fläche neuer Nährboden für sprießendes Leben nach Permakultur-Prinzip entstanden ist. Der Vortrag „Eine gute Nachricht“ macht Lust, selbst aktiv zu werden.

Kulturklinker Barmbek, Lorichsstraße 28 A, Do, 7.4., 19.30 Uhr, Eintritt frei, Spende willkommen, www.kulturklinker-barmbek.de

Pubquiz

Grübeln und Knobeln für Hinz&Kunzt

Das „Quiz im Exil“ ist wieder in wohltätiger Mission unterwegs! Gestartet ist das beliebte Format als Online-Quiz im Corona-Lockdown, inzwischen füllen die beiden ehrenamtlichen Organisatoren Tim Drewes und Dominik Rasche ganze Clubs. Jetzt kommt das Quiz live ins „Knust“. Wie die Spenden des Publikums obdachlosen Menschen helfen, erklärt Hinz&Künztler Chris.

Knust, Neuer Kamp 30, Sa, 9.5., 19 Uhr, Eintritt frei, Spenden willkommen, www.knusthamburg.de

Debatte

Ideen gegen Armut umsetzen

Engagierte Hamburger:innen haben vorgedacht, jetzt ist die Politik am Zug: Beim Diakonischen Forum für soziale Veränderung kommen Ideen zur Armutsbekämpfung auf den Tisch, Abgeordnete der demokratischen Parteien setzen sich dazu und erörtern mit den Teilnehmenden, wie die Vorschläge politisch verankert werden könnten. Es geht um Stress mit Ämtern, Mieten, Grundsicherung und Olympia. Willkommen sind alle, die mitdenken wollen.

Rathauspassage, Am Rathausmarkt 3, Mi, 12.5., ab 18.45 Uhr, Teilnahme frei, Anmeldung: www.diakoniehh.de/armutsdialog

Kino

Jackpot oder Bürde?

Der Schweizer Filmemacher Simon Baumann und sein Bruder werden erben: den florierenden Bio-Hof seiner Eltern in Frankreich, ein Sehnsuchtsort voller Kindheitserinnerungen. Aber die Eltern haben auch ihren Gerechtigkeitssinn weitergegeben. Jetzt hat Simon ein Problem: Was tun mit dem Erbe, das ihn gegen seinen Willen privilegiert? „Wir erben“ ist ein feinsinniger, ruhiger Film über eine brennende Frage, die fast jede:n eines Tages umtreibt.

Lichtmess Kino, Gaußstraße 25, Do, 14.5., 20 Uhr, Eintritt 4–5 Euro (nur bar), www.lichtmess-kino.de

Festival

Bilder aus bewegten Welten

Zwischen alter Heimat und neuem Zuhause liegt ein Meer von Gefühlen – wo findet das Platz, wenn ein junger Mensch noch Deutsch üben muss, bald schon den Schulabschluss schaffen soll, draußen neue Freunde warten und das Smartphone überquillt mit Nachrichten von drüben? Das Projekt „Comixx mit Klasse“ gibt jungen Migrant:innen die Chance, in Bildern von sich zu erzählen. Bei den Graphic Novel Tagen des Literaturhauses zeigen sie ihre fertigen Werke und reihen sich damit ein in ein Programm voller Dialoge zwischen deutschen und ausländischen Graphic-Novel-Künstler:innen.

Literaturhaus, Schwanenwik 38, Mo, 4.5., 17 Uhr, Eintritt frei, Programm Graphic Novel Tage: www.literaturhaus-hamburg.de

Jugendliche

Tanzen als Revolte

Jede Muskelfaser unter Hochspannung, der Körper geladen wie ein Kraftwerk und jedes Zucken sendet pure Energie: Beim Tanzstil „Krump“ wird das Aufbegehren gegen sozialen Druck zur Kunstform. Entstanden ist er in den 1990er-Jahren in afroamerikanischen Communities von Los Angeles, inzwischen gibt es Weltmeisterschaften – und eine Show, halb Tanz, halb Vortrag, für Jugendliche ab zwölf Jahren auf Kampnagel. Die französische Choreografin Anne-Marie Van alias „Nach“ lässt in „Nirgendwo ist ein Ort“ ihr junges Publikum teilhaben an einer emanzipatorischen Subkultur, die Wut in Schönheit übersetzt.

Kampnagel, Jarrestraße 20, Sa, 30.6., 19 Uhr, und Mo, 1.6., 11 Uhr, Eintritt 15/9 Euro, www.k3-hamburg.de

Debatte

Neue Manns-Bilder

Toxische Männlichkeit, Bro-Culture, Mackertum und Manosphere – Männer kommen nicht gut weg im aktuellen Diskurs über Geschlech-terrollen. Das ist schwierig für alle, die zwar gern Männer sein wollen, aber eben nicht solche. Geht es nicht auch anders? Der Diskussionsabend „Jenseits von Macker und Mythos“ dreht sich darum, Männlichkeit neu zu erfinden: Wie kommen reflektierte Männer an gegen althergebrachte Rollenzuschreibungen, die niemandem guttun? Wie verschafft man sich Respekt im Sport, in der Familie, im Job oder auf der Straße als sensibler, sozial denkender Mann? Die Runde ist offen für Menschen aller Geschlechter.

Kölibri, Hein-Köllisch-Platz 12, Mo, 18.5., 17–20 Uhr, Eintritt frei, Infos und Anmeldung: www.boell-hamburg.de

Film

Wahre Heldengeschichte

John Davidson stößt Leute vor den Kopf: verbal, physisch, knallhart und ohne böse Absicht. Sein Tourette-Syndrom und die ständigen Konflikte, die die weitgehend unbekannte Krankheit auslöst, machen ihm das Leben zur Hölle. Als er fast den Mut verliert, trifft er Menschen, die ihn akzeptieren und mehr in ihm sehen. John wird zum Aufklärer und Mutmacher für alle, die sein Schicksal teilen. Der Film „Verflucht normal“ erzählt seine Geschichte.

Zeise Kino, Friedensallee 7–9, Mo, 25.5., 11 Uhr, Eintritt 12,50/11 Euro, www.zeise.de

Artikel aus der Ausgabe:
Ausgabe 399

Bereit für Olympia?

Bereit für Olympia? Wir haben HSV-Rekordsprinter Owen Ansah und den französischen Olympia-Gegner Paul Alauzy getroffen und waren zu Gast in Lurup bei einem Schwimmverein. Außerdem: miese Arbeitsbedingungen auf Kreuzfahrtschiffen und Ansichten einer Obdachlosen-Vertreibung.

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Autor:in
Annabel Trautwein
Annabel Trautwein
Annabel Trautwein schreibt als freie Redakteurin für Politik, Gesellschaft und Kultur bei Hinz&Kunzt - am liebsten über Menschen, die für sich und andere neue Chancen schaffen.