Brandanschlag in Berlin : Obdachlose schweben in Lebensgefahr

Nach dem Brandanschlag auf zwei Obdachlose in Berlin übernahm die Mordkommission noch in der Nacht die Ermittlungen am Tatort. Foto: Spreepicture

In der Nacht auf Montag hat in Berlin ein bislang unbekannter Täter zwei Obdachlose mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und angezündet. Mit lebensbedrohlichen Verbrennungen wurde die Opfer ins Krankenhaus eingeliefert.

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Nach einem entsetzlichen Angriff auf zwei Obdachlose sucht die Berliner Polizei jetzt den Täter. Dieser hatte am Sonntag, den 22. Juli, gegen 23 Uhr das Lager zweier schlafender Obdachlose auf dem Cajamarcaplatz vor dem S-Bahnhof Schöneweide mit brennbarer Flüssigkeit überschüttet und angezündet.

Ihr Hab und Gut wurden durch die Flammen vernichtet. Die 47 und 62 Jahre alten Opfer erlitten lebensbedrohliche Verletzungen, teilt die Polizei mit. Der Täter entkam offenbar zu Fuß.

Gegenüber der Agentur Spreepicture erzählt ein Zeuge, dass er eine hohe Stichflamme beobachtete. „Die Obdachlosen haben versucht sich selbst zu löschen, indem sie sich auf dem Boden gewälzt haben.“ Nach Angaben von Spreepicture kamen Passanten den Obdachlosen mit einem Feuerlöscher aus einem benachbarten Imbiss zu Hilfe und löschten.

Hintergrund
Warum immer mehr Obdachlose Opfer von Gewalt werden
Brandanschläge, Körperverletzungen, Vergewaltigungen: Gewalt gegen Obdachlose ist an der Tagesordnung. Und Jahr für Jahr werden es mehr Übergriffe, zeigt eine Statistik des BKA. Ein Experte fordert gezielte Präventionsmaßnahmen.

Konkrete Angaben zum Hergang sowie zum aktuellen Gesundheitszustand der Opfer veröffentlicht die Polizei noch nicht. Die Ermittlungen übernahm die Mordkommission. Die Hintergründe sind „noch vollkommen unklar“, teilt die Polizei mit.

Gewalt gegen Obdachlose hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Das zeigt eine Statistik des BKA. Gezielte Prävention könnten helfen Vorurteile abzubauen, sagt Andreas Zick gegenüber Hinz&Kunzt. Der Konfliktforscher plädiert er für Programme, die Obdachlose und Menschen mit Wohnung zusammenbringen: „Entweder macht unsere Gesellschaft da ein bisschen mehr, oder wir müssen uns nicht wundern, wenn wir Gewalt sehen.“

Über den Autor
Jonas Füllner
Studium der Germanistik und Sozialwissenschaft an der Universität Hamburg. Seit 2013 bei Hinz&Kunzt - erst als Volontär und inzwischen als angestellter Redakteur.

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