Neue Arztpraxis, renovierte Unterkunft „Pik As“

Hamburg will Obdachlosen besser helfen

Ein Behandlungszimmer mit zwei Stühlen, einem Tisch und einer Krankenliege.
Ein Behandlungszimmer mit zwei Stühlen, einem Tisch und einer Krankenliege.
Ein Behandlungszimmer der neuen psychiatrischen Schwerpunktambulanz in der Repsoldstraße 27. Foto: Jonas Fabricius-Füllner

Zwei neue Hilfsangebote für Obdachlose hat die Hamburger Sozialbehörde in den vergangenen Tagen im Stadtzentrum präsentiert: eine psychiatrische Praxis und lebenslange Wohnplätze für ältere Menschen.

Kurz bevor die Stadt rund 700 Obdachlose mit dem Ende des Winternotprogramms zurück auf die Straße schickt, hat die Sozialbehörde jetzt zwei neue Hilfsangebote für die Betroffenen präsentiert, die es in diesem Umfang noch nicht gab.

In der über zwei Jahre sanierten und um einen Anbau erweiterten Notübernachtungsstätte Pik As konnte eine Art Wohnprojekt für ältere, teilweise chronisch kranke obdachlose Männer integriert werden. 33 Menschen werden dort öffentlich-rechtlich untergebracht. Das Besondere: Sie erhalten einen sogenannten Lebensplatz, der für sie Sicherheit vor der Straße bis zum Tod bedeutet. Solche Plätze gab es bislang nur in Bergedorf.

Im sanierten Teil des 1913 errichteten Pik As finden ab sofort wieder bis zu 290 Obdachlose in überwiegend Zwei- bis Dreibettzimmern Platz. In der Unterkunft in der Hamburger Neustadt wurde auch eine Arztpraxis für Obdach- und Wohnungslose integriert. Außerdem gibt es einige Einzelzimmer für  Menschen, deren psychische Verfassung eine Unterbringung im Mehrbettzimmer ausschließt.

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Für psychisch kranke Obdachlose betreibt die Asklepios Klinik Nord/Ochsenzoll ab 1. April zudem eine Ambulanz in einem ehemaligen Bürogebäude in der Repsoldstraße. Es sei das Ziel, schwer psychisch erkrankte Obdachlose zu stabilisieren und Schritt für Schritt zurück in Behandlung und Unterstützung zu führen, sagt Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer: „So durchbrechen wir wiederkehrende Krisen und schaffen verlässliche Perspektiven für die Betroffenen. Das entlastet zugleich die Stadtteile rund um den Hauptbahnhof.“ Bis zu 80 Patient:innen, die keinen Krankenversicherungsschutz vorweisen müssen, könne die Praxis betreuen. Die Kosten von rund 800.000 Euro für den laufenden Betrieb trägt die Sozialbehörde.

Bereits im September 2025 sind durch den Träger Jugendhilfe e.V. in einem weiteren Stockwerk des Gebäudes 30 Übergangswohnplätze für Suchtkranke in Betrieb genommen worden.

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Autor:in
Jonas Fabricius-Füllner
Jonas Fabricius-Füllner

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