Trotz Schnee und Eis

Winternotprogramm für Obdachlose bleibt tagsüber geschlossen

Die Großunterkünfte des Winternotprogramms, wie hier in der Friesenstraße, bleiben tagsüber geschlossen. Foto: JOF

Trotz Schnee, Eis und Minusgraden bleibt das Hamburger Winternotprogramm für obdachlose Menschen tagsüber geschlossen. Die Diakonie fordert ein Umdenken.

Für Hamburgs Obdachlose bedeutet der erneute Wintereinbruch eine weitere Herausforderung. Das städtische Winternotprogramm bleibt bislang dennoch tagsüber geschlossen. Die Temperaturen seien tagsüber auch immer wieder im Bereich über Null Grad, sagte eine Sprecherin des Betreibers Fördern & Wohnen auf Nachfrage von Hinz&Kunzt. „Einfach nur Winterwetter“ reicht ihr zufolge nicht für eine ganztägige Öffnung aus. Die Situation werde aber täglich neu bewertet.

Im Zuge der heftigen Schneefälle Anfang dieses Monats hatte der städtische Betreiber noch anders entschieden und Obdachlosen für mehrere Tage rund um die Uhr einen Rückzugsort im Winternotprogramm geboten. Immerhin: Seit einigen Tagen öffnen die Großunterkünfte schon um 15.00 Uhr und schließen erst um 11.30 Uhr. Normalerweise müssen die meisten Obdachlosen den Kälteschutz bereits um 9.30 Uhr verlassen und dürfen erst um 17.00 Uhr wiederkommen.

Diakonie fordert Ganztagsöffnung

Zuletzt hat sich angesichts der Witterungsverhältnisse die Hamburger Diakonie für eine erneute Ganztagsöffnung der Notunterkünfte stark gemacht. Zudem appelliert die Hilfsorganisation an alle Hamburger:innen wachsam zu sein, obdachlose Menschen anzusprechen, heiße Getränke anzubieten und bei Anzeichen akuter Gefährdung den Rettungsdienst unter 112 zu rufen. In den ersten Wochen des neuen Jahres sind schon 11 Obdachlose in Hamburg gestorben – sechs von ihnen auf der Straße. Ein obdachloser Mann wurde tot in seinem eingeschneiten Zelt gefunden.

Laut Fördern & Wohnen schliefen von Sonntag auf Montag knapp 700 Menschen in den beiden Großunterkünften – es seien allerdings noch Betten frei. Weitere 38 Menschen verbrachten die Nacht in der sogenannten Wärmestube: eine Erdgeschosswohnung ohne Betten, in die etwa Obdachlose geschickt werden, die eine Meldeadresse in ihrem Herkunftsland haben – und deshalb von der Stadt nicht als hilfebedürftig betrachtet werden. 

Artikel aus der Ausgabe:
Ausgabe 395

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Autor:in
Lukas Gilbert
Lukas Gilbert
Seit 2021 Redakteur und stellv. CvD. Vorher Volontariat bei Hinz&Kunzt und Studium der Politikwissenschaft in Hamburg und Leipzig.

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