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Rollende Visitenkarte

5. Januar 2011 | Von | Kategorie: 2010: Hinz&Kunzt-Ausgaben 203 – 214, Archiv, Hinz&Kunzt 214/Dezember 2010

Luruper Schüler haben einen Linienbus bemalt, der ihren Stadtteil in ganz Hamburg repräsentiert.

(aus Hinz&Kunzt 214/Dezember 2010)

214-Bus

Alle an Bord? Die jungen Künstler schicken ihren Bus auf große Fahrt.

„Wild und verlockend“ ist ihr Stadtteil, finden 14 Luruper Schüler. Und das soll jetzt auch ganz Hamburg sehen. Die Verkehrsgesellschaft VHH PVG stellte den Jugendlichen einen Linienbus zur Verfügung, auf dem sie mit Pinseln, Farben und mit der Unterstützung des Künstlers Kai Teschner ihren Stadtteil verewigen durften.
Das Vehikel soll im Stadtverkehr auffallen, das war dem 17-jährigen Sergej wichtig. Deswegen hat er für seinen Entwurf die Grundfarbe Schwarz ausgesucht – „Bunte Busse gibt’s ja viele“ – und mit auffälligen Motiven geschmückt: einem Drachen, einem Totenschädel, dem Maul einer Raubkatze. Ganz schön düster sieht das aus. Trotzdem – oder gerade deswegen – wählte die Gruppe Sergejs Idee aus, zumindest für die linke Außenseite des Busses. Die andere Hälfte strahlt sonnengelb. „Das wollten die Mädchen so“, sagt der Zehntklässler.
Künstler Kai Teschner kommt das gelegen: „Die dunkle und die helle Seite des Busses stehen auch für die helle und die dunkle Seite des Stadtteils“, sagt der 47-Jährige. Ausbalanciert würden die beiden Seiten im Yin-und-Yang-Prinzip mittels der Zahl 47 (das sind die letzten beiden Ziffern der Postleitzahl Lurups), die groß und deutlich in heller Farbe auf der schwarzen Seite, in dunkler auf der gelben Seite prangt.
Diese beiden Seiten seines Stadtteils, die kennt Sergej auch. „Hier gibt es ziemlich viel Kriminalität“, sagt er. „Das ist das Dunkle.“ Und das Helle? Da muss er etwas länger überlegen: „Wir wachsen hier schon ziemlich behütet auf. Ich wohne gerne in Lurup.“ Viele Hamburger aus anderen Stadtteilen würden bei Lurup nur an diese dunkle Seite denken, „die aggressive, die kriminelle“. Das soll der Bus, den die Schüler gestaltet haben, jetzt ändern.
Ab sofort fährt er durch Lurup und die umliegenden Stadtteile, es ist aber auch geplant, ihn auf Linien um die Alster und in die Hafencity einzusetzen. Dass ihr Bus solche prominenten Routen bedienen soll, freut die jungen Künstler besonders. Mit der Arbeit an der rollenden Visitenkarte für Lurup, glaubt Kai Teschner, haben sich die Jugendlichen noch mehr mit ihrem Stadtteil identifiziert. Stolz seien sie – zu Recht – auf ihr Zuhause und ihr Werk. Wie Sergej, der auch nach seinem Schulabschluss nächstes Jahr in Lurup bleiben will. Um von dort aus dann und wann mit seinem Bus eine Rundfahrt durch die City zu unternehmen.

Text: Beatrice Blank
Foto: Benne Ochs

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