Ohlsdorfer Friedensfest

Gedenken nicht den Nazis überlassen

Im Juli jährt sich der Hamburger Feuersturm zum 69. Mal. Das Bündnis Ohlsdorfer Friedenfest gedenkt den Opfern mit vielen Veranstaltungen. Und wehrt sich so gegen die Vereinnahmung der Gedenktage von Rechts.

Nie wieder Krieg und Faschismus: Jugendliche Teilnehmer beim Ohlsdorfer Friedensfest 2011.

Zehn Hamburger Initiativen, unter anderem das Hamburger Bündnis gegen Rechts und der Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge, rufen vom 21. Juli bis 5. August zum Gedenken an die Opfer des Bombenkrieges und des Nationalsozialismus auf. „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“, diese unmissverständliche Botschaft muss aus dem Zweiten Weltkrieg gezogen werden, so die Organisatoren des Bündnis Ohlsdorfer Friedensfest.

Ziel ist es auch, zu verhindern, dass Rechte den Jahrestag der Bombardierung Hamburgs für ihre Zwecke instrumentalisieren. Nazis hatten in der Vergangenheit mit Kundgebungen auf dem Friedhof exklusiv der „Opfer des alliierten Bombenterrors“ gedacht, vermeintliche Kriegshelden geehrt und Opfer verunglimpft. Petra Schondey vom Bündnis: „Den Raum müssen wir denen nehmen.“  Als Veranstalter können sie das Hausrecht durchsetzen. Das heißt: Nazis müssen draußen bleiben.

Bei der Auftaktveranstaltung am 21. Juli um 18 Uhr stellt das Bündnis seine Ziele und das Programm vor.  Nach Anbruch der Dunkelheit gegen 21.30 Uhr laden Teilnehmer des Internationalen Jugendcamps zu einer Kunstperformance mit Text-Projektionen ein.

Der 22. Juli steht im Zeichen der Erinnerung an Hamburger Widerstandskämpferinnen: Weggefährten erinnern etwa an die in diesem Jahr mit 101 Jahren gestorbene Elsa Werner. Die jüdische Hamburgerin wurde von den Nazis verfolgt, ihr Mann ermordet. Werner war bis zuletzt im Auschwitz-Kommitee engagiert, das sie 1953 mitgegründet hatte. Petra Schondey: „Wir werden ein Rosengesteck an ihrem Grab niederlegen. Rosen waren ihre Lieblingsblumen.“

Einen Bogen in die Gegenwart schlagen will ein offener Theater-Workshop am 28. Juli.  „Was geht mich der Krieg von gestern an?“, lautet die provokante Frage, die Teilnehmer des deutsch-französischen Jugendcamps stellen. Die 24 Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren haben sich in den vergangenen Tagen bereits mit Biographien von Kriegstoten beschäftigt. Über „Deserteure und ihre Biographien“ kann man sich am 29. Juli um 14 Uhr informieren: bei einer Fahrradrundfahrt über den Friedhof.  Zudem stehen bis zum 5. August Filmvorführungen, Gottesdienste, Diskussionen und Lesungen auf dem Programm vom Ohlsdorfer Friedensfest.

Text: Simone Deckner
Foto: Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge

 

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