Kältewelle : „Viele Obdachlose suchen versteckt in der Stadt Schutz“

Obdachlose haben unter einer Brücke an der Alster ein Zelt aufgebaut. Foto: Mauricio Bustamante

Die Notunterkünfte für Obdachlose bleiben in Hamburg angesichts der Kälte eine weitere Woche ganztägig geöffnet.

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Es bleibt weiter kalt und gefährlich in Hamburg: Auch in den kommenden Tagen werden die Temperaturen selbst tagsüber nicht über den Gefrierpunkt klettern. Den Obdachlosen auf der Straße mache die Kälte zu schaffen, sagt der Straßensozialarbeiter Johan Graßhoff: „Trotzdem gibt es weiterhin viele, die versteckt in der Stadt draußen Schutz suchen und nicht in das Winternotprogramm wollen.“

Ein abschreckender Knackpunkt für viele: Die Unterkünfte bieten eigentlich nur nachts einen Erfrierungsschutz in Mehrbettzimmern. Allerdings gibt es von dieser Regel jetzt eine Ausnahme: Die Sozialbehörde hat auf Kritik von Diakonie und Hinz&Kunzt reagiert und die ganztägige Öffnung der städtischen Notunterkünfte zumindest während der Kältewelle bis kommenden Dienstag verlängert.

Die Unterbringung in Hotels stemmt weiterhin die Zivilgesellschaft: Mithilfe von Spenden beherbergen derzeit alleine Hinz&Kunzt und Diakonie mehr als 120 Menschen in Hotelzimmern und bieten so Schutz vor Kälte und Corona. Ein solches Angebot über die Stadt zu finanzieren, hatte Rot-Grün in der Bürgerschaft zuletzt im Januar abgelehnt.

Hamburg eröffnet Notunterkunft mit 35 Einzelzimmern
Obdachlose
Hamburg eröffnet Notunterkunft mit 35 Einzelzimmern
Für Obdachlose, die das Hamburger Winternotprogramm meiden, eröffnet die Sozialbehörde am Montag eine Notunterkunft mit 35 Plätzen in Einzelzimmern. Hinz&Kunzt: "Weg in die richtige Richtung."

Keine weiteren Obdachlosen verstorben

Am Wochenende blieb das städtische Winternotprogramm für Obdachlose zum ersten Mal rund um die Uhr geöffnet. Sozialarbeiter*innen und ehrenamtliche Helfer*innen vom Kältebus-Team begleiteten unermüdlich Obdachlose in die städtischen Unterkünfte. Auch die Polizei hat Obdachlose auf der Straße angesprochen und auf die Notunterkünfte hingewiesen. Die Bilanz: Deutlich mehr Menschen als sonst nutzen jetzt das Winternotprogramm der Stadt. Inzwischen sind knapp 85 Prozent der Betten belegt. Und nach Angaben der Polizei verstarb am Wochenende kein Obdachloser in der Kälte auf Hamburgs Straßen. Bislang waren in diesem Winter bereits mindestens zwölf Menschen auf der Straße verstorben.

„Ich würde es begrüßen, wenn die Sozialbehörde das Notprogramm jetzt mindestens so lange laufen lassen würde, bis alle die Möglichkeit haben, sich gegen Corona impfen zu lassen“, sagt Hinz&Kunzt-Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer. Regulär endet das Winternotprogramm Ende März. Darüber hinaus müsse sich die Stadt zum Ziel setzen, allen Obdachlosen ein Einzelzimmer anzubieten, so Karrenbauer. Viele Menschen auf der Straße würden das dankend annehmen: Eine neu eröffnete städtische Unterkunft mit 35 Einzelzimmern war bereits nach wenigen Tagen erstmals voll belegt.

Autor*in
Jonas Füllner
Jonas Füllner
Studium der Germanistik und Sozialwissenschaft an der Universität Hamburg. Seit 2013 bei Hinz&Kunzt - erst als Volontär und inzwischen als angestellter Redakteur.

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