Mindestens 20 Obdachlose sind in diesem Jahr auf Hamburgs Straßen gestorben. Details zu den Todesfällen will die zuständige Behörde nicht nennen.
Kurz vor Beginn des Winternotprogramms für Obdachlose steht fest, dass in diesem Jahr mindestens 20 Menschen auf Hamburgs Straßen gestorben sind. Anfang Oktober ereignete sich der letzte Todesfall: Mitarbeitende einer Hamburger Recyclingfirma fanden einen Obdachlosen tot in einer Müllpresse. Die Polizei ermittelt noch in diesem Fall.
14 weitere Todesfälle ereigneten sich laut Sozialbehörde in den Monaten zuvor ab März 2026. Für die ersten beiden Monate des Jahres gibt es unterschiedliche Angaben. Mitte März hatte die Behörde auf Hinz&Kunzt-Nachfrage noch von sieben Todesfällen „nach vorliegenden Erkenntnissen“ gesprochen. In einer jetzt vorliegenden Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der CDU-Fraktion führt die Behörde nur noch fünf Todesfälle für den Zeitraum auf. Beispielsweise würden Obdachlose, die bei Bekannten übernachten und dort versterben, oder die vor dem Versterben den „Rettungsdienst in Anspruch genommen haben“ jetzt nicht mehr erfasst.
Daten aus den Krankenhäusern will die Sozialbehörde nicht von sich aus abfragen. Die bemerkenswerte Begründung: Wer in ein Krankenhaus eingeliefert wurde, gilt als vom Hilfesystem erfasst. Stirbt also ein obdachloser Mensch kurz nach einer Einlieferung ins Krankenhaus, wird er neuerdings in der Behördenstatistik nicht berücksichtigt.
Auch Angaben zum Alter der Betroffenen und den Umständen ihres Todes wollte die Behörde auf Nachfrage nicht machen. Man plane, Angaben zu den Todesursachen künftig zu veröffentlichen, „allerdings nicht einzelfallbezogen“, erklärte eine Sprecherin.
Im vergangenen Jahr gab der Senat noch deutlich mehr Angaben zu verstorbenen Obdachlosen bekannt: Aus parlamentarischen Anfragen der Linken geht hervor, dass es im vergangenen Jahr 28 Todesfälle auf der Straße und noch einmal ungefähr genauso viele Todesfälle von Obdachlosen im Krankenhaus gab. Mindestens ein Obdachloser starb 2025 demnach an den Folgen einer Unterkühlung in einer Klinik.
Update vom 30. Oktober 2026: Auf Grundlage einer jetzt vorliegenden Senatsantwort auf eine parlamentarische Anfrage der CDU haben wir den Artikel überarbeitet. Ursprünglich hatten wir vermeldet, dass es in diesem Jahr bereits 22 Todesfälle auf der Straße gegeben habe.

