Wilhelmsburg und Hafencity

Kundgebungen erinnern an tote Bauarbeiter

Ein Bauzaun mit angehefteten Fotos von einem Mann, dazu Schriftzüge wie "Rest in Peace Ahmed"
Ein Bauzaun mit angehefteten Fotos von einem Mann, dazu Schriftzüge wie "Rest in Peace Ahmed"
Trauer um Ahmed D., der auf dieser Baustelle in Wilhelmsburg gestorben ist. Das Mehrfamilienhaus (im Hintergrund rechts) ist inzwischen vollständig abgerissen worden. Foto: ujo

Auch mehr als vier Monate nach dem Tod des Ägypters Ahmed D. auf einer Baustelle in Wilhelmsburg ist unklar, warum der junge Mann gestorben ist. Zwei Kundgebungen am Freitag erinnern an die problematischen Strukturen des Baugewerbes.

Es war eine Nachricht, die schockierte: Spaziergängerinnen fanden im Juni die Leiche eines jungen Mannes in einem Waldstück in Rissen – rund 30 Kilometer entfernt von dem Ort, an dem er gestorben sein soll. Auch mehr als vier Monate später ist unklar, wie es zu dem Tod von Ahmed D. auf einer Baustelle in Wilhelmsburg gekommen ist und wer Verantwortung dafür trägt.

Anwohnende in Wilhelmsburg haben dazu eine Theorie: „Ahmed hätte nicht sterben müssen“, schrieben sie in einem Statement, das am Bauzaun der Baustelle hängt, auf der er gearbeitet hat. „Wenn Sicherheitsvorschriften und Arbeitsschutz für diese Baustelle eingehalten worden wären.“ Nachbar:innen gedenken bis heute an das Unglücksopfer: mit Blumen, Fotos und Briefen. Am Freitag fordern zwei Kundgebungen nun Konsequenzen (siehe Infokasten).

Arbeiten in der Grauzone
Ausbeutung auf Baustellen
Arbeiten in der Grauzone
Viele Bauarbeiter kennen ihre Rechte nicht – mit teils drastischen Folgen. Auf Visite auf einer Hamburger Baustelle.

Wieso musste Ahmed D. sterben?

Die Hamburger Staatsanwaltschaft erklärte am Mittwoch auf Hinz&Kunzt-Nachfrage, dass weiterhin wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen zwei Beschuldigte ermittelt werde. „Zum Schutz von Persönlichkeitsrechten“ könnten nähere Auskünfte nicht erteilt werden, erklärte eine Sprecherin.

Die Polizei hatte zuletzt im Juli mitgeteilt, der 27-jährige Ägypter habe bei Abrissarbeiten eines Mehrfamilienhauses in der Fährstraße „schwerste Verletzungen erlitten“ und sei auf der Baustelle verstorben. Unbekannte hätten seinen Leichnam nach Rissen transportiert und dort im Wald abgelegt.

Ob Ahmed D. überhaupt einen Arbeitsvertrag hatte oder wie viele auf dem Bau ohne Papiere gearbeitet hat, ist unklar. Der zuständigen Berufsgenossenschaft Bau liegt bis heute keine Meldung über einen Arbeitsunfall auf der Baustelle in der Fährstraße vor, erklärte eine Sprecherin auf Hinz&Kunzt-Nachfrage.

Kundgebungen fordern „sichere Arbeitsbedingungen für alle“

Mit zwei Kundgebungen erinnern die Gewerkschaft „Freie Arbeiter*innen Union“ und die Initiative „Wilhelmsburg Solidarisch“ an Freitag daran, dass Arbeitsunfälle auf dem Bau durch oft lange Subunternehmerketten begünstigt werden. Die seien, so die Veranstalterinnen in ihrem Aufruf, „tödlich, weil das Risiko von großen Generalunternehmen ausgelagert wird an kleinere Firmen, die einem viel größeren Konkurrenzdruck ausgesetzt sind“. Die Arbeitsbedingungen dort seien oft katastrophal. „Gerade migrantische Arbeiter:innen zahlen hierfür mit schlechterem Lohn, ihrer Gesundheit oder mit ihrem Leben.“

Freitag, 17 Uhr, Fährstraße 42-44, und 20 Uhr U-4-Station Überseequartier am Grasbrookpark

Artikel aus der Ausgabe:
Ausgabe 405

Ein Leben für den Tierschutz

Wie Malte Zierden Tiere aus der Ukraine rettet und wie die „Tiertafel“ armen Menschen hilft, ihre Tiere behalten zu können. Außerdem: Hamburg schiebt immer mehr Obdachlose ab.

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Autor:in
Ulrich Jonas
Ulrich Jonas
Ulrich Jonas schreibt seit vielen Jahren für Hinz&Kunzt - seit 2022 als angestellter Redakteur.

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