Saga verkauft Stadtvilla : Spekulation am Billbrookdeich?

Seit einem Jahr steht die alte Stadtvilla im Billbrookdeich leer. Nachbar*innen befürchten, dass dort Luxuswohnungen entstehen. Foto: Dmitrij Leltschuk

2014 überführte der Senat alle städtischen Wohnungen an die Saga. Klare Maßgabe: Keine weitere Privatisierung. Sechs Jahre später stehen einige dieser Wohnungen plötzlich zum Verkauf.

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Wer reichlich gespart hat und raus ins Grüne will, der könnte sich unweit der Boberger Dünen jetzt seinen Traum erfüllen: In Billbrook steht eine Gründerzeitvilla zum Verkauf. Das allerdings hat die Nachbarn auf den Plan gerufen. „Was hier passiert, stinkt nach Spekulation“, sagt Jana, die gleich nebenan in einem Wohnprojekt wohnt.

Eine gewagte These angesichts der Lage: Der Weg ins Grüne führt durch ein Industriegebiet. Zum nächsten Supermarkt läuft man fast zwei Kilometer, und umsäumt wird das Gelände von einem Lkw-Wendeplatz. Kein Wohnparadies. Und trotzdem: Weil die Preise für Eigentumswohnungen allein in den vergangenen fünf Jahren um fast 40 Prozent in die Höhe schossen, werden wohl sogar für solchen Lagen horrende Preise geboten.

Dabei waren sich Jana und ihre Mitbewohner*innen Nadja, Becki und Christoph sicher, dass nebenan niemals Luxuswohnungen entstehen. 2014 überführte die Stadt das Grundstück im Paket mit 900 anderen Wohnungen an die städtische Saga, „um sicherzustellen, dass die Wohnimmobilien … auch in Zukunft nicht an private Eigentümer verkauft werden“, wie es in einer Senatsmitteilung heißt. Sechs Jahre später fühlt man sich bei der Saga daran nicht mehr gebunden. Ein Sprecher erklärt gegenüber Hinz&Kunzt trocken, dass die alte Villa „nicht in das Bestandsportfolio des Unternehmens“ passe.

„Wir wollten bezahlbaren Wohnraum erhalten“– Wohnprojektbewohnerin Nadja

Dass das Haus überhaupt leer steht, liegt laut Nachbarin Nadja wiederum daran, dass die Saga den Mieter*innen attraktive Alternativen bot. Das ist nicht verwerflich. „Uns war daher aber schon länger klar, dass hier peu à peu entmietet wird“, sagt die 36-Jährige. Nachdem die letzte Mieterin auszog, hätten sie sich selbst um einen Kauf bemüht. „Wir wollten bezahlbaren Wohnraum erhalten“, sagt Nadja. Aber die Saga lehnte ab. Man biete zwar für soziale Projekte zu angemessenen Konditionen Raum an, teilt das Unternehmen Hinz&Kunzt mit. Ein entsprechendes Konzept hätte das Wohnprojekt aber nicht vorgelegt. Man gehe daher davon aus, „dass das überwiegende Interesse in der privaten Wohnnutzung liegt“.

Ein Vorwurf mit skurrilen Zügen: Schließlich dürfte erst das jetzt durchgeführte Gebotsverfahren die Preise in die Höhe treiben. Und hohe Kaufpreise führen zu hohen Mieten. Dabei sind günstige Wohnungen rar. Nadja und ihre Mitbewohner*innen hoffen deswegen weiterhin, dass die Saga im Fall der Villa nicht nach dem höchsten Gebot, sondern der besten sozialen Idee bei der Vergabe entscheidet.

Artikel aus der Heft-Ausgabe:
Autor*in
Jonas Füllner
Jonas Füllner
Studium der Germanistik und Sozialwissenschaft an der Universität Hamburg. Seit 2013 bei Hinz&Kunzt - erst als Volontär und inzwischen als angestellter Redakteur.

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