Minusgrade, Schnee und Glatteis in Hamburg: Was bedeutet das Winterwetter für die Obdachlosen der Stadt? Wir haben beim Kälte- und beim Mitternachtsbus nachgefragt.
Viele Hamburger:innen freuen sich momentan darüber, ihre Schlitten und Langlaufskier auszufahren. Für Obdachlose bedeutet der Wintereinbruch hingegen eine weitere Belastung. „Den Leuten geht es nicht gut mit dem Wetter. Sie sind sehr erschöpft“, sagt Christina Pillat-Prieß vom Kältebus-Team. Die freiwilligen Helfer:innen sind im Winter normalerweise täglich von 19 bis 24 Uhr unterwegs, um Obdachlose mit dem Nötigsten zu versorgen. „Momentan haben wir aber sehr, sehr viele Anrufe aus dem ganzen Stadtgebiet von Bergedorf bis nach Rissen, von südlich der Elbe bis nach Niendorf und Rahlstedt. Dadurch dauern die Touren oft länger“, sagt Pillat-Prieß.
Auf Wunsch fährt das Team Obdachlose auch ins Winternotprogramm der Stadt. Laut Pillat-Prieß gibt es aber viele Menschen, die eine Nacht auf der Straße den Großunterkünften vorziehen. Diese Menschen würden mit zusätzlichen Decken versorgt. Angesichts der Wetterverhältnisse kommen aber auch die Helfer:innen an ihre Grenzen: „An einem Abend war es so glatt, dass wir nicht losfahren konnten.“
Verlängerte Öffnungszeiten im Winternotprogramm
Der Mitternachtsbus der Diakonie, der ebenfalls jeden Abend unterwegs ist und feste Plätze in der Hamburger Innenstadt anfährt, steht vor ähnlichen Problemen. „Der Bus ist bei der Kälte leider anfällig für Störungen. Wir sind einmal liegen geblieben und konnten die Tour nicht zu Ende fahren. Jetzt ist der Bus aber wieder einsatzbereit“, sagt Projektleiterin Sonja Norgall. Ihr Eindruck ist, dass dieser Tage etwas weniger Menschen am Bus stehen als sonst: „Wir hoffen, das heißt, dass aktuell mehr Menschen den Weg ins Winternotprogramm finden.“
Hilfe für Obdachlose
Der Kältebus ist täglich von 19 bis 24 Uhr unter 0151 65 68 33 68 erreichbar.
Wer tagsüber Obdachlose sieht, die Hilfe brauchen, kann sich Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr an die Bürgerhotline der Stadt wenden: 428 28 5000.
Wichtig: In Notfällen immer den Rettungsdienst unter 112 verständigen.
Laut Betreiber Fördern & Wohnen (F&W) schliefen in den beiden Großunterkünften zuletzt 592 Menschen, die Auslastung habe seit Ende vergangenen Jahres bei etwa 90 Prozent gelegen. Normalerweise müssen die Obdachlosen – außer sie sind besonders krank – die Unterkünfte jeden Tag um 9.30 Uhr verlassen und dürfen erst um 17 Uhr wiederkommen. Angesichts des Wetters hat F&W die Öffnungszeiten in den vergangenen Tagen aber bereits auf 15.30 Uhr bis 11.30 Uhr verlängert. Heute und morgen ist das Winternotprogramm sogar ganztägig geöffnet. Wie es danach weitergeht, ist laut einer F&W-Sprecherin noch offen. Zumindest die verlängerten Öffnungszeiten gelten aber mindestens bis Sonntag.
Aktualisierung
Die Unterkünfte des Winternotprogramms bleiben angesichts der Wetteraussichten mindestens bis zum 12. Januar ganztägig geöffnet. Das hat F&W am Mittwoch gegenüber Hinz&Kunzt bestätigt.
