Sea-Watch 4 : Kirchliche Rettungsmission auf dem Mittelmeer

Für den Start der Rettungsmission sammelte der kirchliche Trägerverein Gemeinsam Retten e.V. mehr als eine Millionen Euro Spenden. Foto: Sea-Watch / Chris Grodotzki

Deutsche Seenotretter*innen geben nicht auf. Nachdem italienische Behörde das Rettungsschiff Sea-Watch 3 festgesetzt haben, bricht jetzt ein weiteres Rettungsschiff dank der Unterstützung der Evangelische Kirche zu einer neuen Mission auf.

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Vor knapp einem Jahr sorgte eine Meldung der Evangelische Kirche bundesweit für Aufsehen: Der Kirchentag 2019 beschloss, ein Rettungsschiff für Geflüchtete zu entsenden. Gut ein Jahr dauerten die Vorbereitungen. Jetzt startet in wenigen Tagen die erste Hilfsmission aus Deutschland für Geflüchtete in Seenot, die fast ausschließlich aus kirchlichen Spenden finanziert wurde.

Hilfe auf dem Mittelmeer ist dringend geboten

Auch fünf Jahre nach der sogenannten Flüchtlingskrise sterben Menschen auf dem Weg nach Europa. Deswegen bildete sich für die erneute Rettungsmission ein breites Bündnis. Während die Kirche die finanziellen Kosten übernimmt, unterstützen Ärzte ohne Grenzen die medizinische Notfallversorgung an Bord. Bis mindestens Ende des Jahres begleitet ein Team der Organisation die neuen Sea-Watch 4 auf See.

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„Die Sea-Watch 4 und das dahinterstehende breite Bündnis sind die deutliche Antwort der Zivilgesellschaft auf die rassistische Politik der EU, die Menschen ertrinken lässt, damit sie europäisches Festland nicht erreichen“, sagt Philipp Hahn, Einsatzleiter der Sea-Watch 4. Vor etwa vier Wochen hatte das alte Team der Sea-Watch 3 mehr als 90 Menschen von einem Schlauchboot in Seenot gerettet. Wenig später setzten jedoch italienische Behörde das Schiff wegen Sicherheitsmängeln fest. Die Seenotretter*innen halten die Begründung für vorgeschoben.

Fest steht: Während in den vergangenen Monaten Tausende versuchten aus Libyen zu fliehen, verweigerten Malta und Italien Menschen in Seenot die Rettung und schlossen ihre Häfen für Hilfsschiffe. „Erst vergangene Woche wurden drei Jugendliche erschossen, direkt nachdem sie nach Libyen zurückgezwungen wurden“, sagt Oliver Behn, Leiter der Projektabteilung von Ärzte ohne Grenzen in Amsterdam. „Unser Team hat zwei weitere Verletzte mit Schusswunden ins Krankenhaus gebracht.“

Trotz alledem glauben die Helfer*innen weiterhin daran, dass ihr Einsatz einen Stimmungsumschwung in Europa bewirken kann. „Ich hoffe darauf, dass unser Engagement in naher Zukunft nicht mehr gebraucht wird, weil die europäischen Staaten ihrer Verantwortung und ihren rechtlichen Verpflichtungen nachkommen und es eine staatliche Seenotrettung gibt”, sagt Sandra Bils vom Team der Sea-Watch 4.

Autor*in
Jonas Füllner
Jonas Füllner
Studium der Germanistik und Sozialwissenschaft an der Universität Hamburg. Seit 2013 bei Hinz&Kunzt - erst als Volontär und inzwischen als angestellter Redakteur.

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