Mittelmeer : Kirche will mit eigenem Schiff Flüchtlinge retten

EKD-Vorsitzender Bedford-Strohm bei einem Besuch auf einem Schiff der Bundeswehr, die damals noch Rettungseinsätze fuhr. Foto: epd-bild/Thomas Lohnes

Mit einem breiten gesellschaftlichen Bündnis will die evangelische Kirche ein eigenes Schiff ins Mittelmeer schicken, um dort Flüchtlinge vor dem Ertrinken zu retten. Außerdem stellt die Kirche Forderungen an die Bundesregierung.

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Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will sich mit einer eigenen Rettungsmission im Mittelmeer engagieren und Flüchtlinge vor dem Ertrinken retten. „Wir wollen ein Schiff schicken“, sagte der Ratsvorsitzende der EKD , Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Der Rat wolle einen Verein gründen, in dem Kirchen und andere Organisationen „schnellstmöglich“ ein weiteres Rettungsschiff in das Mittelmeer entsenden sollen. „Solange schutzsuchende Menschen im Mittelmeer ertrinken und staatliches Handeln versagt, werden wir die zivile Seenotrettung nach Kräften unterstützen“, sagte Bedford-Strohm.

Bislang unklar ist, wann genau das Schiff einsatzbereit sein wird. „Das ist ein längerer Prozess, der jetzt zügig angegangen werden soll“, sagte ein EKD-Sprecher auf Hinz&Kunzt-Nachfrage. Zunächst müsse ein geeignetes Schiff gefunden, gekauft und dann umgebaut werden. Angestrebt werde ein Rettungseinsatz ab Frühjahr oder Sommer 2020.

„Schickt selbst ein Schiff in das tödlichste Gewässer der Welt.“– Kirchentagsresolution

Hintergrund des Ratsbeschlusses war eine Resolution, die im Juni auf dem Kirchentag in Bottrop verabschiedet worden war. Darin wurde die Kirche aufgefordert, dem „Scheitern der europäischen Regierungen“ nicht tatenlos zuzusehen: „Schickt selbst ein Schiff in das tödlichste Gewässer der Welt“, heißt es im Text der Resolution, die unter anderem der Europaabgeordnete Sven Giegold (Grüne) eingebracht hatte. „Ein Schiff der Gemeinschaft, der Solidarität und Nächstenliebe. Ein Schiff von uns, von euch, von allen.“ (Resolution als PDF)

Appell an die Bundesregierung

Gemeinsam mit Vertretern von Rettungs- und Hilfsorganisationen hat die Evangelische Kirche nun die Bundesregierung aufgefordert, „unverzüglich einen europaweiten Verteilmechanismus für im Mittelmeer gerettete Geflüchtete in der EU einzurichten und in Libyen willkürlich inhaftierte Menschen in Sicherheit zu bringen.“ Für in Seenot geratene Bootsflüchtlinge müsse es ein geordnetes Verfahren geben, um auf aufnahmebereite EU-Staaten verteilt zu werden. Zuletzt hatte es um Menschen, die von privaten Rettungsorganisationen an Land gebracht wurden, jeweils ein politisches Tauziehen gegeben.

Außerdem forderten die Organisationen, „jede Unterstützung und Ausbildung der sogenannten libyschen Küstenwache“ einzustellen und Rückführungen nach Libyen zu unterlassen. In dem Land seien Flüchtlinge dem dem Risiko systematischer Folter, Versklavung und Gewalt ausgesetzt.

Über den Autor
Benjamin Laufer
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

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