Bezirk Mitte : Keine Genehmigung fürs Spendenverteilen?

Bis zu 400 Obdachlose und Arme kommen, wenn „Zwischenstopp Straße“ Spenden verteilt. Foto: Sabine Maßmann.

Will der Bezirk Mitte Obdachlose aus der Innenstadt fern halten? Das vermuten Ehrenamtliche, die regelmäßig in den Langen Mühren Kleiderspenden verteilen. Sie bekommen dafür nämlich bislang keine Genehmigung.

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Sogar ein Frisör ist dabei, der den Obdachlosen und Armen kostenlos die Haare schneidet: Wenn die Helfer vom Verein Hoffnung e.V. vor dem Saturn in der Hamburger Innenstadt Kleiderspenden verteilen, ist an alles gedacht. Rettungssanitäter sorgen für medizinische Versorgung, Ehrenamtliche geben bis zu 300 Portionen Essen aus. „Wir begleiten auch bei Behördengängen, suchen Unterkünfte oder vermitteln Obdachlose in die Krankenstube“, sagt die ehrenamtliche Helferin Sylvia Senger.

Sechs Mal haben die Helfer in der Hamburger Innenstadt so seit dem Sommer vielen Menschen eine Freude bereitet. Inzwischen kommen nach Angaben der Initiatoren mehr als 400 Obdachlose und Arme zu den Terminen. Über eine Facebook-Seite sammeln die Helfer – teilweise selbst wohnungslos – Spenden, die sie dann an Bedürftige in der Innenstadt weitergeben. Bislang duldet der zuständige Bezirk Mitte sie – eine Genehmigung gibt es nicht.

Eine Verfestigung der Obdachlosenszenen wird seitens der Anwohner und Anlieger häufig kritisch gesehen– Bezirksamt Hamburg-Mitte

„Wir wurden eiskalt abgebügelt“

Nun wollte der Verein seine Verteilaktionen beim Bezirksamt anmelden. „Es gibt ja Gesetze in Regeln in Hamburg, an die man sich halten muss“, sagt Senger. Doch statt der erwarteten Genehmigung kam aus dem Fachamt ‚Management des öffentlichen Raums‘ eine ablehnende E-Mail zurück.

Es gebe in der Innenstadt eine Obdachlosenszene, zuletzt seien Familien aus Osteuropa hinzugekommen. „Eine Verfestigung dieser Szenen wird seitens der Anwohner und Anlieger häufig kritisch gesehen“, schreibt ein Bezirksmitarbeiter in der Mail, die Hinz&Kunzt vorliegt. „Insoweit ist die aktuelle Entwicklung gerade am Gerhart-Hauptmann-Platz und den Langen Mühren nicht für Ihr Projekt geeignet.“ Die Helfer waren platt. „Wir wurden eiskalt abgebügelt“, sagt Sylvia Senger.

Bezirksamt: „Das ist keine Ablehnung“

„Das ist nur eine Einschätzung und keine Ablehnung“, beschwichtigt Bezirksamtssprecherin Sorina Weiland gegenüber Hinz&Kunzt. Noch werde der Antrag des Vereins geprüft. Sie weist darauf hin, dass andere Ehrenamtliche ähnliche Angebote für Obdachlose machen. „Es macht wenig Sinn, so viele Hilfsprojekte zu starten. Besser wäre es, man stärkt die vorhandenen.“ Das Ziel des Bezirksamt sei es nun, die Aktivitäten der unterschiedlichen Gruppen besser abzustimmen. Deswegen soll es im neuen Jahr Gespräche mit allen Beteiligten geben.

Sylvia Senger überzeugt das nicht. Mit anderen Gruppen wie den ‚Engeln in den Straßen‚ hätten sich die Helfer bereits abgestimmt. „Bezirksamtsleiter Droßmann möchte die City sauber halten“, glaubt sie.

Über den Autor
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

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