Wilhelmsburg : Wald oder Wohnung?

Gegen die geplante Rodung regt sich in Wilhelmsburg Protest. Foto: Miguel Ferraz

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Hamburg braucht Platz für neue Wohnungen. Hamburg braucht aber auch sein Grün, erst recht in Zeiten des Klimawandels. Ein Fall in Wilhelmsburg zeigt, wieso es deshalb kracht.

Eine seit Jahrzehnten ungenutzte Brache im Norden von Wilhelmsburg, eine zufällige Ansammlung von Sträuchern und Bäumen – die kann doch weg, oder? Das Spreehafenviertel soll hier entstehen, mit 1100 Wohnungen. Häuser für Baugemeinschaften sind geplant, auch dringend benötigte Sozialwohnungen. Hamburg wächst und braucht mehr Platz für Wohnraum – den die IBA, ein Tochterunternehmen der Stadt, hier schaffen will.

Wer sollte dagegen etwas haben angesichts extrem ­steigender Mieten und herrschender Wohnungsnot?

Matthias vom Heede und Regina ­Leidiger zum Beispiel. Ihre Initiative „Waldretter“ will das Bauprojekt verhindern. Die Waldretter wollen, dass der Wald, der hier seit der Sturmflut von 1962 gewachsen ist, genauso wild bleibt, wie er ist. „Wir können uns hier ­angucken, wie Natur sich entwickelt, wenn wir uns mal raushalten“, sagt Leidiger und zählt die Bäume auf, die hier wachsen: Pappeln, Weiden, Eschen, Birken. Die Wilhelmsburger Kita-Kinder könnten hier wirkliche Natur erleben. Ganz besonders ist das in Hamburg.

Zählten allein Umwelt- und Klimaschutz, müsste der „Wilde Wald“ erhalten bleiben. Die Bedeutung von Grün- und Waldflächen in einer Großstadt ist, insbesondere mit Blick auf den Klimawandel und die zu erwartenden Hitzewellen, nicht zu unterschätzen. Die Pflanzen spenden Schatten und verhindern so, dass der Boden sich aufheizt. Auch die Verdunstung an ihren Blättern trägt zur Abkühlung bei. Man spürt das sofort, wenn man an einem 30 Grad heißen Tag in den Wilhelmsburger Wald eintaucht.

Es ist nicht so, dass es dafür im Hamburger Senat keine Einsicht geben würde. Zum Beispiel steht in dessen Klimaplan aus dem Jahr 2015: „Auch wegen ihrer positiven stadtklimatischen Wirkungen sind die vorhandenen Waldflächen in Hamburg unbedingt zu erhalten.“ Seien Baumfällungen „unvermeidbar“, sind Ausgleichsmaßnahmen vorgesehen. Im ­Falle des Wilhelmsburger Wilden Walds soll hinter Buchholz in der Nordheide ein neuer Wald gepflanzt werden. Wie das dem Hamburger Stadtklima helfen soll, bleibt ein Geheimnis der Behörden.

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Artikel aus der Ausgabe:

wild wilder Wald

Warum Wälder in der Stadt unverzichtbar sind, wo man trotzdem noch Wohnungen bauen kann und wieso der Sachsenwald zwielichtige Gestalten anzieht. Außerdem: Armutsbetroffene protestieren und Bildungsforscher Aladin El Mafaalani erklärt, was Armut mit Kindern macht.

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Autor:in
Benjamin Buchholz
Benjamin Buchholz
Früher Laufer, heute Buchholz. Seit 2012 bei Hinz&Kunzt. Redakteur und CvD Digitales.

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