Kommentar zur Bundestagswahl : Es ist ein Kreuz

Verkäufer Uwe nahm an unserer Hinz&Kunzt-Testwahl teil. Was Hinz&Künztler wählen würden, können Sie in der aktuellen Ausgabe lesen. Foto: Mauricio Bustamante

Wer arm ist, geht seltener zur Wahl. Die Kampagne „Strassenwahl“ versuchte daher in den vergangenen Wochen Obdachlose zur Teilnahme an der Bundestagswahl zu motivieren. Ein Kommentar von Hinz&Kunzt-Redakteurin Simone Deckner.

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61,7 Prozent der Bundesbürger finden Deutschland sozial ungerecht. Uff, die Zahl muss man erst mal sacken lassen. Gefragt hatte die Diakonie zur Bundestagswahl. Deren Präsident Ulrich Lilie findet das Ergebnis „nicht überraschend“. Es brauche „mehr politisches Engagement, um Deutschland sozial gerechter zu machen“. Klingt gut, aber ob sich die 61,7 Prozent einig sind, wie ein sozial gerechtes Land aussehen soll?

Klar ist: Viele Menschen sind wütend, haben Angst. Wütend etwa über einen Hartz-IV-Satz, der zum Leben nicht reicht. Angst, trotz jahrelanger Arbeit später von der Rente nicht leben zu können.

Was kann man tun? Wählen gehen! Mitbestimmen! Wer wissen will, welche Partei der eigenen Meinung am nächsten steht, kann dies per „Sozial-O-Mat“ abgleichen. Mit Glück ist man hinterher sogar schlauer. Schlau ist auch, was die Tafeln fordern: Sie wollen Armutsbeauftragte einsetzen. Diese sollen sich künftig in Bund und Ländern um die Belange von sozial abgehängten Menschen kümmern. Übrigens: Zur Wahl 2013 hatten sich in Hamburg 57 Menschen ohne festen Wohnsitz wieder ins Wählerverzeichnis aufnehmen lassen. Weil sie unbedingt ihr Wahlrecht ausüben wollten – trotz ihrer Obdachlosigkeit. Frei wählen zu können ist ein Privileg. Daran sollten wir denken, wenn wir das nächste Mal über das Kreuz mit dem Kreuz fluchen.

Über den Autor
Simone Deckner
Simone Deckner ist freie Journalistin mit den Schwerpunkten Kultur, Gesellschaft und Soziales. Seit 2011 arbeitet sie bei Hinz&Kunzt: sowohl online als auch fürs Heft.

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