Immer mehr Menschen in Wohnungsnot : Diakonie fordert Neustart vom Senat

Vergangenes Jahr wurden in Hamburg nur 7895 neue Wohnungen gebaut. Exakt 5,3 Prozent der Wohnungen wurden speziell für Menschen mit Dringlichkeitsschein errichtet. Foto: Actionpress / Christina Czybik

In Hamburg leben etwa 13.000 Haushalte viel zu beengt, in einer Unterkunft oder gar auf der Straße. Die Diakonie fordert den Senat auf, mehr Wohnungen für diese Menschen bereitzustellen.

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Hamburg schafft es weiterhin nicht, Menschen in Not angemessen mit Wohnraum zu versorgen. Darauf hat das Hamburger Bündnis für eine soziale Wohnungspolitik hingewiesen. Demnach warten derzeit mindestens 13.000 Haushalte auf eine passende Wohnung – Tendenz steigend. „Die Lage für Wohnungsnotfälle ist und bleibt dramatisch“, sagt Landespastor und Hinz&Kunzt-Herausgeber Dirk Ahrens stellvertretend für das Bündnis. „Und Besserung ist derzeit nicht in Sicht.“

Als vordringlich Wohnungssuchende gelten Wohnungslose, alleinerziehende Frauen, Menschen mit Mietschulden oder mit Assistenzbedarf. Sie sind nicht nur arm, sondern können die Wohnungssuche nicht alleine meistern. Deshalb erhalten sie einen Dringlichkeitsschein, damit ihnen die Ämter eine Wohnung vermitteln. Die Realität ist allerdings, dass in Hamburg aktuell knapp 13.000 solcher Notfälle vergeblich auf eine Wohnung warten.

Ein Grund: Zum wiederholten Mal hat der Senat vergangenes Jahr sein selbstgestecktes Ziel von 300 neuen Wohnungen für diese Personengruppe verpasst: Fertiggestellt wurden nur

101 Sozialwohnungen mit entsprechender Bindung. Hätte nicht die städtische Saga 2021 insgesamt 2.124 Haushalte mit einer Wohnung aus ihrem Bestand versorgt, läge die Zahl der Haushalte in Wohnungsnot inzwischen sogar bei 15.000.

„Uns macht große Sorgen, dass nicht nur die geplanten Zahlen neuer Wohnungen für Notfälle nicht erreicht werden. Sondern dass auch der Gesamtbestand an Wohnungen, der für diese Notfälle zur Verfügung steht, ständig schrumpft“, sagt Michael Edele von der dem Bündnis zugehörigen Behrens-Stiftung, die in den vergangenen Jahren rund 300 Wohnungsnotfälle mit Wohnraum versorgt hat.

Bündnis für eine neue soziale Wohnungspolitik

Von 2015 bis heute stieg die Zahl der sogenannten vordringlich Wohnungssuchenden von knapp 8000 auf inzwischen etwa 13.000. So kann es nicht weiter gehen, finden Diakonie, Mieter helfen Mietern, Stattbau und die Behrens-Stiftung. Sie haben sich zum „Hamburger Bündnis für eine neue soziale Wohnungspolitik“ zusammengeschlossen. Im September 2019 widmeten wir dem Thema einen Schwerpunkt. Zum Inhalt.

2021 wurden in Hamburg nur noch 1895 neue Sozialwohnungen gebaut – so wenige wie seit acht Jahren nicht mehr. Hinzu kommt: Nur etwa fünf Prozent dieser Wohnungen sind für Menschen mit Dringlichkeitsschein vorgesehen. Angesichts der rund 13.000 Haushalte, die dringend auf Hilfe warten, viel zu wenige, klagt Bündnissprecher Ahrens: „Daher ist es aus unserer Sicht an der Zeit, dass neben wohlklingenden, aber nicht verbindlichen Worten auch klare und starke Vorgaben gemacht werden, die tatsächlich die Versorgung von Wohnungsnotfällen im Bestand und beim Neubau schnell verbessern.“ Seine Forderung: Jede zweite neue Sozialwohnung solle für Menschen mit Dringlichkeitsschein bereitgestellt werden. Außerdem solle der Anteil der Sozialwohnungen bei Neubauprojekten von einem Drittel auf 50 Prozent angehoben werden. Ahrens: „Wir brauchen jetzt einen echten Neustart.“

Autor:in
Jonas Füllner
Jonas Füllner
Studium der Germanistik und Sozialwissenschaft an der Universität Hamburg. Seit 2013 bei Hinz&Kunzt - erst als Volontär und inzwischen als angestellter Redakteur.

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