#einfachwohnen : Bündnis fordert 50 Prozent Sozialwohnungen auf dem Grasbrook

#einfachwohnen
Landespastor Dirk Ahrens, Sprecher der Kampagne "#einfachwohnen", präsentiert auf dem Grasbrook konkrete Vorschläge gegen Wohnungsnot. Foto: Christiane Wolter

Die Wohnungsnot in Hamburg könnte schnell und einfach gelindert werden. Mit einer Aktion auf dem Kleinen Grasbrook hat die Kampagne #einfachwohnen am Dienstag aufgezeigt, was die Politik dafür tun müsste.

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„Geht sofort. Ohne Bagger und Bebauungsplan. Muss man nur wollen.“ So steht es auf dem Plakat, das die Aktiven von „#einfachwohnen“ am Nordufer des Kleinen Grasbrooks aufspannten. Die Kampagne von Diakonie, Caritas, Mieter helfen Mietern und Stattbau soll auf die grassierende Wohnungsnot aufmerksam machen und die Politik in die Pflicht nehmen, etwas dagegen zu tun. Aber will die Stadt das, Menschen in Wohnungsnot stärker in den Blick nehmen?

Die Statistiken, die die Aktiven ins Feld führen, lassen daran zweifeln: Seit Jahren steigt die Zahl der Menschen, die dringend eine eigene Wohnung suchen, aber keine finden. Vor zehn Jahren hätten sich noch 3000 bis 4000 Hamburger Haushalte in dieser Notlage befunden, erklären die Macher*innen der KampagneIm Jahr 2018 seien schon 12.000 Haushalte betroffen gewesen.

Menschen in Wohnungsnot auf dem Grasbrook berücksichtigen

„Wen die Stadt als Wohnungsnotfall einstuft, der ist auf Hilfe angewiesen“, erklärte der Landespastor Dirk Ahrens, Sprecher der Kampagne, bei der Aktion am Dienstagmorgen. „Doch die Wohnungspolitik des Senats stellt diese Menschen seit Jahren ans Ende der Warteschlange. Das muss sich dringend ändern.“

Auf dem Kleinen Grasbrook böte sich die ideale Gelegenheit, argumentieren die Aktiven von „#einfachwohnen“: Hier könnte der Senat Menschen mit dringendem Bedarf beim von Anfang an berücksichtigen und der zunehmenden Wohnungsnot effektiv entgegenwirken. „Ginge es auf dem Kleinen Grasbrook nach unseren Wünschen, dann würde die Hälfte der geplanten 3000 Wohnungen öffentlich gefördert – und die Hälfte davon speziell für Menschen in Wohnungsnot gebaut“, erklärt Diakonie-Chef Ahrens.

„Es gibt soziale Investoren, die sofort für Menschen in Wohnungsnot bauen können.“– Landespastor Dirk Ahrens, Kampagnensprecher

Das städtebauliche Konzept für den neuen Stadtteil Grasbrook ist noch in Arbeit, die ersten Bauarbeiten sollen frühestens 2020 beginnen. Bisher hat die Stadtentwicklungsbehörde den bekannten „Drittelmix“ vorgesehen, ein Drittel der Wohnungen sollen demnach öffentlich gefördert werden. Nach Ansicht der Aktiven von „#einfachwohnen“ könnten es deutlich mehr sein. „Es gibt soziale Investoren, die sofort für Menschen in Wohnungsnot bauen können“, sagt Dirk Ahrens. „Wir verstehen nicht, warum die Stadt dieses Angebot nicht aufgreift.“

Nicht nur auf dem Kleinen Grasbrook könnte die Stadt schnell und effektiv Wohnungsnot begrenzen, sagen die Kampagnenführer*innen. Würde das städtische Wohnungsunternehmen SAGA die Hälfte ihrer Neuvermietungen Menschen in Wohnungsnot zur Verfügung stellen, wären damit jährlich rund 2000 Wohneinheiten für die Zielgruppe gewonnen – viermal mehr, als die Fraktionsvorsitzenden von SPD und Grünen bei einer Diskussionsveranstaltung der Kampagne im Januar in Aussicht stellten.

Sozialwohnungen nur für Bedürftige

Zudem plädieren die Aktiven von „#einfachwohnen“ dafür, die sogenannte Freistellung von 7000 Sozialwohnungen im Laufe des Jahres zu stoppen. Gemeint sind damit Wohnungen in Steilshoop, Mümmelmannsberg, Wilhelmsburg und Neuallermöhe, die zwar als Sozialwohnungen mit Zuschüssen aus der Steuerkasse gebaut wurden, aber inzwischen auch an Besserverdienende vermietet werden dürfen. Würde diese Regelung rückgängig gemacht, könnten jährlich rund 500 zusätzliche Wohneinheiten für Menschen in prekären Lagen entstehen, sagen die Kampagnenmacher*innen mit Verweis auf Hochrechnungen der Stadtentwicklungsbehörde.

Über den Autor
Annabel Trautwein
Annabel Trautwein
Annabel Trautwein schreibt als freie Redakteurin für Politik, Gesellschaft und Kultur bei Hinz&Kunzt - am liebsten über Menschen, die für sich und andere neue Chancen schaffen.

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