Gewerkschafter über Hotelreinigungsfirmen : „Das Geschäftsmodell baut auf Beschiss auf“

Herbert Grimberg (62) ist Landesbezirksvorsitzender Nord der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Foto: UJO

Lob von der Gewerkschaft NGG für den Hinz&Kunzt-Hotelreport: „Hotels buchen geht jetzt auch fair“, heißt es aus dem Gewerkschaftshaus. Landesvorsitzender Herbert Grimberg erklärt im Interview, wieso Hotels, die die Reinigung ihrer Zimmer an Fremdfirmen vergeben, die schlechtere Wahl sind.

Hinz&Kunzt: Viele Hotelbetreiber vergeben die Reinigung ihrer Zimmer weiterhin an Fremdfirmen, um Geld auf Kosten der Putzkräfte zu sparen.

Herbert Grimberg: Richtig. Das machen die vier Hotelreporte von Hinz&Kunzt und andere Berichte ja deutlich. Wobei: Früher wurde noch offen ausgesprochen, dass die Reinigungskräfte nach der Zahl der Zimmer bezahlt werden, die sie reinigen. Heute heißt es, sie bekämen einen festen Stundenlohn. Doch die erste Frage der Hoteldienstleister an ihre Mitarbeiter ist weiterhin: „Wie viele Zimmer hast du heute gemacht?“ Danach bemisst sich dann der tatsächliche Lohn – der oft unter dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn liegt.

Braucht es bessere Gesetze?

Nein, es braucht mehr Kontrollen des zuständigen Zolls.

Nach unseren Recherchen stoßen die Kontrolleure aber oft an Grenzen, weil die Putzkräfte aus Angst vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes nicht darüber sprechen, dass der Mindestlohn umgangen wird. Geht Ihre Forderung vor diesem Hintergrund nicht ins Leere?

Nein, das Geschäftsmodell muss kaputtgemacht werden, weil es offensichtlich nicht seriös sein kann. Der allgemeinverbindliche Branchen-Mindestlohn für Gebäudereiniger – 10,56 Euro brutto die Stunde –, den Hoteldienstleister ihren Mitarbeitern zahlen müssen, ist höher als der Tariflohn, den Hotels eigenen Zimmermädchen zahlen müssen (in Hamburg derzeit 9,97 Euro brutto die Stunde, Red.). Das kann nur funktionieren, wenn das Geschäftsmodell der Dienstleister auf Beschiss aufbaut.

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Welchen Hotels liegen ihre Reinigungskräfte am Herzen? In unserer August-Ausgabe finden Sie das komplette Ranking. Ab sofort auf Hamburgs Straßen! Zum Inhalt.

Hoteliers klagen gerne darüber, dass sie keine Mitarbeiter für die Reinigung ihrer Zimmer finden und deshalb auf die Dienstleister angewiesen sind …

Personalmangel herrscht im gesamten Hotel- und Gaststättengewerbe. Das hat mit den niedrigen Löhnen zu tun. Bei den Putzkräften geht es aber noch um etwas anderes: Die Hoteldirektoren müssen sich nicht verantwortlich fühlen, wenn die Menschen nicht bei ihnen angestellt sind, sondern bei einem Subunternehmer.

Sehen Sie seit dem letzten Hinz&Kunzt-Hotelreport 2011 Fortschritte?

Die Hotelreinigungsfirmen, die heute am Markt sind, verlangen höhere Preise – was zur Folge hat, dass einige Hotelkonzerne darüber nachdenken, die Zimmerreinigung wieder inzusourcen.

Was kann jede und jeder Einzelne tun, um die Situation der Putzkräfte zu verbessern?

Sie können nachfragen, wie und von wem die Menschen bezahlt werden. Der Hotelreport ist auf jeden Fall eine Entscheidungshilfe: Jeder hat nun die Wahl, mit seiner Buchung faire Arbeitsbedingungen zu unterstützen.

Über den Autor
Ulrich Jonas
Freier Journalist und Hinz&Kunzt-Autor aus Leidenschaft, schreibt seit vielen Jahren über Armutslöhne, Ausbeuter und Ideen für eine solidarische Gesellschaft.

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