Wo die großen Fische schlafen

Thalia-Stadtnotizen Teil 3: Autor Frank Abt und Dramaturg Benjamin von Blomberg bringen die Hafencity auf die Bühne

(aus Hinz&Kunzt 168/Februar 2007, Jugendausgabe)

In der Reihe „Stadtnotizen“ im Thalia Theater standen bislang die Große Bergstraße in Altona und Finkenwerder auf der Bühne. Am 20. Februar ist die Hafencity dran: „Wo die großen Fische schlafen“. Jedes Mal war die Theaterbar Nachtasyl rappelvoll. Die Macher hinter dieser neuen Art des Theaters sind Frank Abt und Benjamin von Blomberg. Jugendredakteurin Maren Albertsen hat sich mit ihnen getroffen.

„Wir wollen dich hier nicht!“

Straßenkinder fliehen vor Vernachlässigung oder Missbrauch auf die Straße. Dort führen sie ein Leben zwischen Traum und Trauma

(aus Hinz&Kunzt 168/Februar 2007, Jugendausgabe)

Jessy ist 17, seit fünf Jahren Punk: Ihre Haare hat sie selbst gefärbt, die alte Jeans mit Kugelschreiber bekritzelt, an den Schuhen klirren kleine Glöckchen bei jedem Schritt. Um den Hals trägt sie eine Kette mit einem kleinen Totenkopf – ein Geschenk von ihrem Freund Keisake aus Tokio. Sie hat ihn in einem Internetchat kennengelernt, als sie noch aufs Gymnasium ging und davon träumte, irgendwann mal Japanologie zu studieren. Als ihr Leben noch in geordneteren Bahnen verlief.

„Es gibt dein Bagdad nicht mehr“

17 Millionen Flüchtlinge sind nach Schätzungen des Roten Kreuzes auf dem Erdball unterwegs. Einer von ihnen ist der Iraker Abdul-Latif

(aus Hinz&Kunzt 168/Februar 2007, Jugendausgabe)

„Das ist die vierjährige Tochter unserer Nachbarn“, sagt Abdul-Latif und zeigt auf einen der toten Körper auf dem Foto, „sie wurde entführt und ermordet.“ Der 59-Jährige blättert weiter durch den dicken Ordner. Jeden Zeitungsartikel über den Irak hebt der Flüchtling auf, jede Information zur Lage in Bagdad heftet er ab. Auf den Bildern sind Leichen zu sehen, in den Überschriften der Artikel tauchen Wörter wie „Anschlag“, „Massenentführung“ und „Terror“ auf. „Wie soll ich da je nach Hause zurückkehren?“, fragt Abdul-Latif, und das Papier in seinen Händen beginnt zu zittern.

Wie ein Traum

Seit 15 Jahren können Kinder und Jugendliche in der Zirkusschule Mignon Manegenluft schnuppern

(aus Hinz&Kunzt 170/April 2007)

Die 14-jährige Elisabeth Dauer schreitet in die Mitte der Eingangshalle. Früher war in der alten Villa in Iserbrook die Japanische Schule untergebracht. Wo früher vielleicht der Direktor Ansprachen hielt, hängt jetzt ein Ring an einem stabilen Seil von der Decke. Elisabeth greift mit beiden Händen zu, stößt sich vom Marmorboden ab, zieht sich hoch und schlingt ihre Beine um den Ring. Hängt kopfüber, schlängelt sich dann im Rhythmus der Musik nach oben.

Alles Mafia oder was?

(aus Hinz&Kunzt 169/März 2007)

Hysterie in der City: Das Bezirksamt macht Jagd auf osteuropäische Bettler, das Abendblatt wittert organisierte Kriminalität. Leiden müssen darunter auch unbeteiligte Obdachlose

„Auch wir bringen was!“

Schüler einer neunten Hauptschulklasse haben ein Buch geschrieben, um Hauptschülern bei der Jobsuche zu helfen

(aus Hinz&Kunzt 169/März 2007)

„Viele denken, wir Hauptschüler können sowieso nix. Und deshalb haben wir dieses Buch geschrieben.“ Sagt Natalie Adamiec und steckt sich eine Haarsträhne hinters Ohr. Vor ihr liegt ein Buch. Das Buch! Geschrieben von einer neunten Hauptschulklasse aus Lurup. Mit sanfter Unterstützung durch den Job Club Altona. Das Ziel: Hauptschüler helfen Hauptschülern bei der Berufsfindung wie der Lehrstellensuche – und helfen sich zugleich selbst.

„Sesshaft wurde ich nie“

Der Schauspieler und Entertainer Ilja Richter ist privat ein nachdenklicher Mensch, der sich Gedanken macht über Armut, gutes Benehmen und leere Kindergesichter

(aus Hinz&Kunzt 169/März 2007)

Was Armut heißt, hat Ilja Richter in seiner Kindheit am eigenen Leib erlebt. „Ich habe nicht gehungert, aber ich weiß noch ganz genau, wie es war, als ich sechs war. Da lebten wir in Köln-Nippes, und es kam vor, dass es keine Konserve mehr in den Schränken gab, nichts Warmes zu essen, nur noch Brot und Schmalz. Natürlich hatten wir was zu trinken, weil wir ja eine Kneipe hatten. Von Brot und Schmalz wirst du zwar satt, aber du vergisst dieses Gefühl nie, dass nichts da ist.“

Wo, bitte, geht’s ins Ghetto?

Barmbek-Süd ist schön. Trotzdem fördert der Senat das Quartier. Grund ist nicht die Armut im Stadtteil, sondern ein Neubauprojekt

(aus Hinz&Kunzt 170/April 2007)

Eine ganze Kinderwagenflotte parkt vor der Tür des Kinder- und Familienzentrums (KiFaZ). Drinnen gibt es Mutter-Kind-Frühstück für 50 Cent. „Früher“, erinnert sich KiFaZ-Leiter Helmut Szepansky, „früher gab es hier schon Konfliktpotenzial.“ Früher, das ist bevor Barmbek-Süd, genauer gesagt das Quartier Dehnhaide, 1999 Teil der aktiven Stadtteilentwicklung wurde. „Vorher kam es schon vor, dass ein Alkoholabhängiger plötzlich bei uns im Familienzentrum stand und um etwas zu essen bat – schließlich hatten wir gedeckte Tische.“

Neues aus der Niedriglohnzone

Ein Rentner überführte Limousinen – und muss vor Gericht um sein Geld streiten

(aus Hinz&Kunzt 171/Mai 2007)

Vielleicht hätte Georg Koch stutzig werden müssen. Ein Vorgesetzter, der seine Geschäfte in einer Kneipe abwickelt. Ein Arbeitgeber, der keinen Arbeitsvertrag ausstellt. Und ein Lohn, der sich nicht an der Arbeitszeit orientiert, sondern an der Zahl der erledigten „Jobs“. All das hätte sein Misstrauen wecken können. Doch Georg Koch wollte vor allem eines: etwas Geld dazuverdienen zu seiner kleinen Rente.

Neues Leben in der Altstadt

Wie kann der Stadtteil wieder wachsen? Was Bezirksamt und Anwohner-Initiative planen

(aus Hinz&Kunzt 171/Mai 2007)

Altona gehört zu Hamburgs begehrten Bezirken. Jedes Jahr wächst es um rund 800 Bewohner. Der einzige Stadtteil, in dem es kein Wachstum gibt, ist Altona-Altstadt. Ein Grund, warum Bezirksamtschef Hinnerk Fock (FDP) diesen Stadtteil mit dem Senatsprogramm Lebenswerte Stadt ins Rampenlicht setzen will.