Seehafenstraße : Behörde geht gegen Abzock-Vermieter vor

In der Seehafenstraße lässt ein Vermieter seine Häuser verfallen. Foto: Jonas Füllner

Am Dienstag führte die Sozialbehörde in Heimfeld eine Großkontrolle zweier Altbauten durch. Die Behörde vermutet, dass ein Vermieter seit Jahren die Notlage seiner Mieter ausnutzt.

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Nach der Großkontrolle ihrer Mietwohnungen durch die Behörden, ist die Verunsicherung bei einigen Bewohnern groß. „Müssen wir raus?“, fragt Alexandru*. „Wir wissen nicht, wie es weiter geht.“ Der 36-Jährige ist Hinz&Kunzt-Verkäufer. Am Dienstag Vormittag hatte ein Großaufgebot aus Behörden- und Bezirksmitarbeiter seine und zahlreiche weitere Wohnungen in der Seehafenstraße in Heimfeld überprüft. Die Mopo begleitete die Aktion und berichtete über den „Harburger Mietskandal“. Hintergrund der Aktion: Die Sozialbehörde wirft dem Vermieter Abzocke vor.

Der in Lokstedt ansässige Vermieter hat über die Jahre die Wohnungen in beiden Häusern so dicht wie nur irgendwie möglich belegt. Bad und Küche werden gemeinschaftlich genutzt. In einer Drei-Zimmer-Wohnung leben beispielsweise drei vierköpfige Familien. Die Miete für ein Zimmer mit 27 Quadratmetern: 420 Euro kalt, 700 Euro warm. Bezahlt wird nach Hinz&Kunzt-Informationen bar. Rekordmieten, die sonst wohl eher rund um die Alster verlangt werden.

Dabei sind die Häuser nach Hinz&Kunzt-Information in keinem guten Zustand. Vielfach hat sich Schimmel an Wänden gebildet. Und die Mopo berichtet gar von Ratten, Müllbergen und Kakerlaken. Sie würden Ordnung halten, entgegnet Alexandru. Kakerlaken gäbe es in ihrer Wohnung nicht. Sie hätten allerdings Glück, dass sie oben wohnen. Im Erdgeschoss und darüber gäbe es tatsächlich Ratten und Ungeziefer.

Nutzt der Eigentümer die Notlage der Mieter aus?

Der Vorwurf der Sozialbehörde wiegt schwer. Der Vermieter soll die Notlage der Bewohner ausnutzen. Nach Hinz&Kunzt-Informationen leben zahlreiche arme Rumänen, aber auch vereinzelt Deutsche in den beiden Häusern. Es sind Menschen, die auf dem Wohnungsmarkt kaum eine reguläre Wohnung finden.

Die Behörde vermutet, dass Quadratmeterzahlen in Mietverträgen nicht korrekt angegeben werden. Daraus ergeben sich zu hohe Mietzahlungen. Und die werden bei Hilfeempfängern von Jobcenter übernommen. Unter anderem deswegen wurden am Dienstag die Wohnungen überprüft und die Quadratmeter nachgemessen. Der weitergehende Verdacht, dass die Wohnungen wegen fehlender Sanierungsarbeiten möglicherweise unbewohnbar seien, habe sich allerdings nicht erhärtet, erklärt Behördensprecher Marcel Schweitzer gegenüber Hinz&Kunzt.

Wir brauchen eine Wohnung in Harburg und keinen Container– Alexandru

Eigentlich eine beruhigende Nachricht für Alexandru und seine Familie. Sie müssen ihre Wohnung nicht verlassen. Trotzdem ist der junge Rumäne verunsichert. Denn Mitarbeiter von fördern und wohnen hätten seiner Familie zwar Wohncontainer angeboten. Allerdings jenseits der Elbe weit weg im Hamburger Norden. „Aber wie sollen die Kinder dann in die Schule gehen?“, fragt Alexandru. „Wir brauchen eine Wohnung in Harburg und keinen Container.“

Rund 30 Personen nahmen trotzdem bereits am Dienstag das Angebot der Behörde an. Sie wollten schnell raus aus ihrer Wohnung. „Alle Bewohner wurden dahingehend informiert, dass eine alternative Unterbringung möglich sei“, erklärt Schweitzer und widerspricht den Sorgen der verbliebenen Mieter: „Die Behörde hat keine Befristung vorgegeben.“

Wie es grundsätzlich mit den Häusern in der Seehafenstraße weitergeht ist unklar. Der Eigentümer der Häuser war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die Behörde wiederum verweist auf das laufende Verfahren. Es würde aber sicherlich Auflagen für den Vermieter geben. Und Sprecher Marcel Schweitzer kündigt an: „Die Überprüfung war eine erste Aktion. Weitere werden ohne Ankündigung folgen. Es gibt mehrere Gebäude in Hamburg, zu denen den staatlichen Stellen Hinweise vorliegen, die wir überprüfen werden.“

* Name geändert

Über den Autor
Jonas Füllner
Studium der Germanistik und Sozialwissenschaft an der Universität Hamburg. Seit 2013 bei Hinz&Kunzt - erst als Volontär und inzwischen als angestellter Redakteur.

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