Armutsbericht : Pandemie lässt Armutsrisiko hochschnellen

Foto: Dmitrij Leltschuk

Die Armut in Deutschland liegt auf einem Höchststand, in Hamburg sind sogar noch mehr Menschen betroffen als im Bundesschnitt. Vor allem bei Rentner:innen und Selbstständigen wächst das Armutsrisiko.

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Armut in Deutschland steigt unablässig, das beobachtet der Paritätische Wohlfahrtsverband seit fünfzehn Jahren: Mittlerweile leben 2 Millionen mehr Menschen in Armut als noch im Jahr 2006. Jeder sechste Mensch in Deutschland, ist heute von Armut betroffen, das zeigt der aktuelle Bericht.

Noch nie ist diese Quote aber so rasant angestiegen wie in den vergangenen zwei Pandemiejahren. Heute sind 13,8 Millionen Menschen, 300.000 mehr als im Vorjahr und 600.000 mehr als vor Corona von Armut betroffen. Die aktuelle Situation, steigende Preise für Mieten, Gas, Lebensmittel, dürfte diese Entwicklung nicht abbrechen lassen.

In Hamburg liegt das Armutsrisiko mit 17,3 Prozent noch höher als im Bundesdurchschnitt, dort sind es 16,7 Prozent. Konkret wächst die Armut in Hamburg unter zwei Gruppen: Bei Rentner:innen, also Menschen über 65 Jahren, lebt heute schon fast jede:r fünfte in Armut. Doch auch Erwerbstätige sind zunehmend betroffen, unter Selbstständigen stieg das Armutsrisiko in Hamburg seit 2006 um 30 Prozent.

Für unsere Juli-Ausgabe haben wir aufgeschrieben, wie sich Altersarmut bekämpfen ließe. Und Ökonom Marcel Fratzscher spricht im Interview von einer „höchst unsozialen Inflation“ – und Maßnahmen, mit denen sich gegensteuern ließe. Jetzt erhältlich bei unseren Verkäufer:innen.

Kristin Alheit, Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Hamburg, fordert in einer aktuellen Pressemitteilung „armutsfeste Hartz-IV-Regelsätze, eine Mindestrente und die Begrenzung von Mieterhöhungen, da die steigenden Mieten immer mehr zum Armutsrisiko werden“. Und sie drängt auf die Einführung der Kindergrundsicherung: Rund zwanzig Prozent der Armen hierzulande sind unter 18 Jahren.

Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens aller Haushalte zur Verfügung hat. Bei Singlehaushalten lag diese Schwelle im vergangenen Jahr bei 1.148 Euro, bei einer Familie mit zwei Kindern bei 2.410 Euro.

Autor:in
Anna-Elisa Jakob
Anna-Elisa Jakob
Ist 1997 geboren, hat Politikwissenschaften in München studiert und ist für den Master in Internationaler Kriminologie nach Hamburg gezogen. Schreibt für Hinz&Kunzt seit 2021.

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