Bis einschließlich 9. Februar dürfen Obdachlose auch tagsüber in den Notunterkünften der Stadt bleiben. Eine generelle 24-Stunden-Öffnung lehnt der Senat aber weiterhin ab, so Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer (SPD) im Sozialausschuss der Bürgerschaft.
Der rot-grüne Senat schließt eine generelle Tagesöffnung der Notunterkünfte zum besseren Schutz von Obdachlosen weiterhin aus. „Es gibt keine entsprechenden Pläne“, erklärte Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer (SPD) am Dienstagabend im Sozialausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft auf CDU-Nachfrage. Mindestens sechs Obdachlose sind dieses Jahr bereits auf Hamburgs Straßen gestorben – zwei von ihnen in einem Umkreis von nur 1500 Metern von einer städtischen Notunterkunft.
Gestern hatte die Sozialbehörde angesichts der klirrenden Kälte mitgeteilt, dass Obdachlose die Unterkünfte bis einschließlich kommenden Montag nicht verlassen müssen. „Wir öffnen das Winternotprogramm tagsüber, wenn es Bedarf gibt“, erklärte Schlotzhauer dazu. Ansonsten gebe es die Tagesaufenthaltsstätten. Sozialverbände und Hinz&Kunzt fordern seit vielen Jahren immer wieder, die Notunterkünfte rund um die Uhr offen zu halten, damit obdachlose Menschen dort Schutz vor der Witterung finden und zur Ruhe kommen können. Eine politische Mehrheit für diese Forderung gibt es aber weiterhin nicht.
Die beiden Großunterkünfte des Winternotprogramms sind infolge des extrem kalten Januars erstmals seit Jahren überbelegt – zusätzliche Betten mussten aufgestellt werden: In der Nacht vom 1. auf den 2. Februar schliefen dort 722 Menschen, weitere 41 suchten in der sogenannten Wärmestube Schutz (aktuellere Zahlen liegen nicht vor, Red.). „Wir haben aber immer noch Luft durch zusätzliche Zimmer und Nachverdichtung“, erklärte ein Vertreter der Sozialbehörde den Ausschussmitgliedern. In Bezug auf Betroffenenberichte sagte die Senatorin: „Das Winternotprogramm ist unglücklicherweise mit vielen Vorurteilen behaftet.“ Es gebe aber seitens der Nutzer:innen „keine Beschwerdelage“, die über das übliche Maß hinausgehe.
Korrektur: In einer alten Fassung hatten wir geschrieben, dass es im Winternotprogramm sogar noch freie Plätze für Obdachlose mit Hunden gebe. Das ist nicht korrekt. Lediglich im Pik As können Obdachlose mit Hunden nächtigen, sofern Platz ist.
