Leblos in seinem verschneiten Zelt haben Straßensozialarbeiter:innen einen Obdachlosen aufgefunden. Es ist der zweite Tote auf Hamburgs Straßen innerhalb einer Woche.
Leblos in seinem verschneiten Zelt haben Straßensozialarbeiter:innen einen Obdachlosen aufgefunden. Es ist der zweite Tote auf Hamburgs Straßen innerhalb einer Woche.
Straßensozialarbeiter:innen der Diakonie machten auf ihrem Rundgang heute am Dienstag gegen 11 Uhr eine schreckliche Entdeckung. Auf der Lombardsbrücke befand sich in einem verschneiten Zelt ein lebloser Obdachloser. Die zur Hilfe gerufenen Rettungskräfte konnten nur noch den Tod des 59-jährigen Deutschen feststellt. Nach Angaben der Polizei liegen keine Hinweise auf Fremdeinwirkungen vor. Die Ermittlungen zur Todesursache dauern an.
„Wir kannten den Verstorbenen bereits seit einiger Zeit und sind bestürzt. Wir haben ihm regelmäßig Unterstützung angeboten“, sagt Teresa Jakobs, Straßensozialarbeiterin der Diakonie in Hamburg. „Aufgrund seiner persönlichen Situation konnte und wollte er zum aktuellen Zeitpunkt keine weiterführenden Angebote des Hilfesystems annehmen. Das müssen wir akzeptieren.“
Es ist der zweite Todesfall innerhalb weniger Tage. Vergangenen Mittwoch starb ein ins Universitätskrankenhaus Eppendorf eingelieferter Obdachloser. Ein kältebedingter Tod des 48-Jährigen könne nicht ausgeschlossen werden, sagt die Polizei. Die Ermittlungen dazu dauern ebenfalls noch an.
Im Schneechaos am zurückliegenden Wochenende suchten Straßensozialarbeiter:innen verstärkt Obdachlose auf. Man habe vermehrt Kontrollfahrten durchgeführt, sich nach dem Wohlbefinden von Obdachlosen erkundigt und ihnen Angebote für Wärme- und Notunterkünfte aufgezeigt, teilt auch die Polizei-Pressestelle mit. Inzwischen nutzen so viele Obdachlose die jetzt komplett ausgelasteten städtischen Unterkünfte, wie seit Jahren nicht mehr. Es wurden bereits zusätzliche Betten aufgestellt.
Es gibt aber immer noch viele Obdachlose, die die Großunterkünfte der Stadt meiden. Immer wieder berichten Obdachlose und Sozialarbeitende gegenüber Hinz&Kunzt, dass sich Obdachlose dort nicht sicher fühlen und keine Ruhe fänden. Immerhin bei dem zweiten Punkt hat sich die Stadt bewegt und ermöglicht den Obdachlosen seit mehreren Tagen, dass sie auch tagsüber in den Unterkünften verweilen dürfen. Doch seit Montag blickt man dort von Tag zu Tag.
„Es wäre aus unserer Sicht richtig, wenn das Winternotprogramm weiter tagsüber für obdachlose Menschen geöffnet bleibt“, sagt Malte Habscheidt, Pressesprecher der Diakonie. „Das Tauwetter und die überfrierende Nässe – und überhaupt diese Kälte, vor der jeder, der kann, sich in die warmen vier Wände flüchtet – sind für die oft ohnehin geschwächten obdachlosen Menschen eine Gefahr.“
