Winternotprogramm beendet

Zurück auf die Straße

Das Winternotprogramm der Stadt ist beendet. Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot fordert, ganzjährig angemessen Unterkünfte bereitzustellen. Denn fast alle Bewohner der Notunterkunft in der Spaldingstraße müssen von jetzt an wieder draußen schlafen.

Protest gegen Wohnungslosigkeit am Montag morgen auf der Spaldingstraße.

Mit gesenkten Köpfen, mit Koffern, Tüten und Taschen beladen ziehen die Bewohner der Winternotprogramms in der Spaldingstraße aus. Das Ziel bei fast allen: unbekannt. Denn wer es bisher nicht aus der Notschlafstelle in eine andere Unterkunft geschafft hat, hat auch jetzt, wo das Winternotprogramm der Stadt beendet wird, keine Optionen.

Viele sind irritiert von der Gruppe, die sich da auf dem Bürgersteig versammelt hat. Mit einem 20 Meter langen Banner positionierte sich das Hamburger Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot auf der Spaldingstraße. Mindestens „1029 Wohnungen für Obdachlose“, fordert das Bündnis aus Trägern der Wohnungslosenhilfe, darunter Hinz&Kunzt. Denn so viele Obdachlose hat die Stadt bereits 2009 gezählt. Das „Hamburger Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot“ fordert, dass für alle obdachlosen Menschen „unabhängig von Herkunft und Status ganzjährig“ angemessene Unterkünfte zur Verfügung stehen sollen. Zudem sollen die Bedingungen in den Unterkünften verbessert werden, etwa mit mehr Einzelzimmern in insgesamt kleineren Einrichtungen. „Eine Brücke ist kein Zuhause“ steht auf dem Banner des Bündnisses.

Maria und Piotr wissen nicht, wo sie die kommende Nacht verbringen sollen.

Doch die Realität ist: Mehr als die Straße haben die Männer und Frauen, die ihre Habseligkeiten aus dem zwölfstöckigen Gebäude schleppen, meist nicht. Seitdem die Unterkunft Anfang November geöffnet wurde, waren die Betten dort – anfangs 160, bald aufgestockt auf 220 – belegt. Von mindestens 1400 Menschen, die sonst nirgendwohin können. Laut Sozialbehörde waren die Einrichtungen des Winternotprogramms im Durchnitt übervoll, nämlich „zu über 100 Prozent ausgelastet“. Dabei sei nur rund ein Viertel der 362 zusätzlichen Schlafplätze von deutschen Obdachlosen genutzt worden. Sozialsenator Scheele sagte: „Die hohe Inanspruchnahme des Winternotprogramms von Menschen aus Osteuropa, die hier eine Arbeit suchten und ohne Bleibe waren, hat uns vor große Herausforderungen gestellt.“ Die neue Anlaufstelle für EU-Bürger in der Spaldingstraße hat laut Behörde 446 Menschen beraten und „dafür gesorgt, dass 185 Menschen vorbereitet in ihr jeweiliges Heimatland zurückkehren konnten“.

Mit zwei Plastiktüten voller Klamotten und tapfer lächelnd kommt Buba aus dem Gebäude. Immerhin: Seine Sachen kann er bei einem Bekannten lassen. Doch ein Bett ist dort nicht frei für ihn. Seit zwei Monaten ist der 37-Jährige in Hamburg, erzählt er. Er kam aus Spanien, wo er als Erntehelfer arbeitete, und hoffte, in Deutschland Arbeit zu finden. Das ist ihm bisher nicht gelungen. Er will bald nach Spanien zurück.

Piotr hatte Arbeit in Deutschland, auf dem Bau. Vor sechs Jahren kam er aus Polen nach Hamburg, um hier Geld zu verdienen. Doch sein Auftraggeber bezahlte ihn nicht. Ihm bliebt nichts anderes übrig, als in der Spaldingstraße unterzukommen. Da müssen er und Freundin Maria nun raus. Wohin gehen sie jetzt? Piotr zuckt mit den Schultern. „Straße“, sagt er nur.

Nach vier Monaten im WInternotprogramm geht harry zurück auf die Straße.

Harry hat vier Monate in der Spaldingstraße übernachtet. Er schlägt sich als Hilfsarbeiter durch. „Ich bekomme weder Arbeitslosenhilfe noch Sozialhilfe“, sagt der gebürtige Pole. Und ab heute Abend hat er auch kein Dach mehr über dem Kopf. Ob er eine neue Unterkunft gefunden hat? „Ich habe die Welt gefunden“, sagt er und breitet seine wuchtigen Arme aus. Er wird sich später auf der Straße eine Bleibe suchen. Was bleibt ihm anderes übrig.

Text: BEB/BELA
Ftos: BEB/BELA, Mauricio Bustamante

Im Aktionsbündnis engagieren sich die Hamburger Träger der Wohnungslosenhilfe:
Ambulante Hilfe Hamburg e.V., basis & woge e.V., Bodelschwingh- Haus, Diakonie + Bildung im Ev.-Luth. Kirchenkreis Hamburg Ost Caritasverband für Hamburg e.V., Diakonisches Werk Hamburg, Diakonisches Werk Hamburg -West/ Südholstein, Die Heilsarmee, Herz- As gGmbH, Hinz & Kunzt, Hude, Integrationshilfen e.V., Jugendhilfe e.V., Kemenate Frauen Wohnen e.V., MW Malteser Nordlicht, Mook wat e.V., Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Hamburg-Altona, Verein für Soziale Hilfe e.V.

 

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