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Todd Strasser liest vom Cybermobbing an der Hafenkante

5. Januar 2011 | Von | Kategorie: 2010: Hinz&Kunzt-Ausgaben 203 – 214, Archiv, Hinz&Kunzt 211/September 2010

Vier Autoren unserer Literaturausgabe lesen im September zugunsten von Hinz&Kunzt. Beim Harbour Front Literaturfestival erleben Sie live: Dietmar Bittrich, Andreas Münzner, Stevan Paul – und US-Schriftsteller Todd Strasser („Die Welle“),  mit dem wir vorab über sein neues Buch gesprochen haben.

(aus Hinz&Kunzt 211/September 2010)

Eigentlich sei das mit der Jugend gar nicht so schwierig, findet Todd Strasser. Auch wenn sich Mode und Musikgeschmack änderten: der Aufruhr der ersten Liebe, die Angst, in der Clique nicht beliebt zu sein, das Infragestellen von Regeln und Verboten – all das bleibe immer gleich.
Todd Strassers Kapital ist, sich daran noch sehr gut erinnern zu können. Mehr als 130 Bücher hat der 60-Jährige veröffentlicht, die meisten für junge Erwachsene, aber auch für Kinder. Der
gebürtige New Yorker, selbst Vater von zwei erwachsenen Kindern, liebt es, in Schulen Vorträge über seine Arbeit zu halten – von den Kindern lerne er genauso viel wie sie von ihm.
Er selbst sei ein miserabler Schüler mit einer Schreibschwäche gewesen, der lange Zeit nicht wusste, was aus ihm werden solle, sagt Strasser. Als 1978 sein erstes Buch von ihm veröffentlicht wurde, gründete er mit dem Honorar eine Glückskeksproduktion, um über die Runden zu kommen.
Sein größter Erfolg wurde 1981 „Die Welle“, ein Roman über ein Experiment, in dem Studenten die Macht der Manipulation erfahren. In seinem neuem Jugendkrimi „Wish u were dead“ erzählt Strasser die Geschichte einer jugendlichen Clique, die in Gefahr gerät, weil sich ein Internetchat durch sogenanntes Cybermobbing verselbstständigt. Cybermobbing ist das Bedrängen und Quälen von Menschen per E-Mail, in Chatrooms oder über das Handy, durch Einzelne oder Gruppen.
Dazu hat Hinz&Kunzt dem US-amerikanischen Autor einige Fragen gestellt.

Hinz&Kunzt:
Warum haben Sie das Thema Cybermobbing gewählt?
Todd Strasser: Weil es heute eindeutig ein Problem für junge Menschen ist. Im vergangenen Jahr hat sich eine junge Frau sogar umgebracht, weil sie im Internet gemobbt wurde.

H&K:
Haben Sie persönlich Erfahrungen mit Cybermobbing gemacht?
Strasser: Ich schreibe über eine große Anzahl verschiedener Themen und werde oft gefragt, ob ich jedes Problem persönlich erlebt habe. Aber Menschen wie ich sind doch vor allem aus dem Grund Schriftsteller, weil wir uns vorstellen können, wie eine bestimmte Erfahrung sein würde. Ich frage mich manchmal, wie viele Leute wohl J.K. Rowling (Autorin der Harry-Potter-Reihe, Anm. der Red.) gefragt haben, ob sie Erfahrungen als junger Zauberer sammeln konnte!
H&K: Wie gehen die Jugendlichen, mit denen Sie sprechen konnten, mit ihrer Mobbing­erfahrung um?
Strasser: Cybermobbing mag ein neues Phänomen sein. Aber andere zu drangsalieren und zu schikanieren ist ja nichts Neues. Teenager reagieren darauf heute genauso wie damals, als ich jung war: Sie schämen sich.

H&K: Was können nach Ihrer Einschätzung Eltern und Schulen tun, um zu helfen?
Strasser: Als hätten Schulen nicht schon genug Verantwortung zu tragen! Ich denke, um Mobbing unter jungen Menschen in den Griff zu kriegen, sollte es – wie bei uns in den Staaten – ein Sensibilitätstraining an Schulen geben.

H&K: Haben Sie Angst, selbst mal Opfer von Cybermobbing zu werden?
Strasser: Nein, aber ich wünschte, dass Schüler mir nicht immer E-Mails schicken würden, damit ich ihre Hausaufgaben mache.

Interview: Misha Leuschen

LiteraKunzt: Montag, 13. September, 20 Uhr, Hauptkirche St. Katharinen, Katharinenkirchhof 1, 12 Euro zugunsten von Hinz&Kunzt, Karten unter www.harbourfront-hamburg.com. Dort können Sie neben Todd Strasser diese vier Könner der Literaturszene hören und sehen:
Der Hamburger Satiriker Dietmar Bittrich erfreute seine Leser schon mit so skurrilen Einfällen wie dem „Gummibärchen-Orakel“, versetzte sie mit deutscher Dichtung in Tiefschlaf („Gute Nacht“) und sinnierte über das „Altersglück“. Der vielfach ausgezeichnete Autor und Übersetzer Andreas Münzner lebt in Hamburg, obwohl er Schweizer ist. Da hilft Vielsprachigkeit: Münzner spricht Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch. Stevan Paul ist hin- und
hergerissen zwischen Kochen und Schreiben. Ersteres hat er gelernt und zur Perfektion gebracht. Seit zehn Jahren schreibt er klug übers Essen und hat einen für den Grimmepreis nominierten kulinarischen Blog geschrieben. Als Autor und als Veranstalter von Lesungen ist Literatur einfach sein Ding: Sven Amtsberg. Für Hinz&Kunzt moderiert er die Benefizlesung.

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