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Stadtpark

Vier Männer am Grill

30. Mai 2014 | Von | Kategorie: Archiv, Hinz&Kunzt 174/August 2007

Hinz&Kunzt-Verkäufer kennen viele Geheimnisse. Zum Beispiel das eines gut gegrillten Rumpsteaks. Die Geschichte eines Nachmittags mit Höhen und Tiefen

(aus Hinz&Kunzt 174/August 2007)

Die Verkäufer Klaus Breyer (liegend), Artur Walencik (am Grill) und Detlef Vollmer (mit Teller) sowie H&K-Volontär Marc-André Rüssau posieren für den Fotografen

Die Verkäufer Klaus Breyer (liegend), Artur Walencik (am Grill) und Detlef Vollmer (mit Teller) sowie H&K-Volontär Marc-André Rüssau posieren für den Fotografen

Das entspannte Foto täuscht. Als es aufgenommen wurde, waren die Nerven längst zum Zerreißen gespannt. Denn Grillen ist eine verdammt ernste Angelegenheit. Alles begann mit der Kohle. Die war beim Einweggrill gleich mit dabei. Spezialkohle, praktisch ist die, braucht keinen Spiritus, einfach Feuerzeug dranhalten, und der Grill brennt. Hinz&Kunzt-Verkäufer Detlef findet das nicht. „Keine richtige Holzkohle“, nölt er. Mit der Billigversion bekomme man vielleicht 20 Minuten lang die richtige Hitze hin.

Die Geschichte ist simpel: Hinz&Kunzt-Verkäufer verraten ihre liebsten Grillrezepte. Zum Nachgrillen. Das nötige Know-how sollen Klaus und Detlef liefern. Beide kochen einmal im Monat für die Hinz&Kunzt-Verkäufer. Gemeinsam essen und dann eine DVD gucken, das ist beliebt. Klaus hatte sogar mal ein eigenes Restaurant,
ging allerdings pleite. Außerdem mit dabei: Artur. Polnische Rezepte für etwas Exotik und Abwechslung am teutonischen Grill.Illustriert werden sollen die Rezepte, so die Idee der Hinz&Kunzt-Redaktion, mit purer Grillidylle. Ein Panoramabild im Stadtpark, mit qualmender Kohle, Zigeunersoße auf der Picknickdecke und saftigen Steaks.

Und da fing der Ärger an. Denn ich hatte nicht darüber nachgedacht, was Kenner für ein gelungenes Grill-Event alles benötigen. Ich wollte es mir leicht machen. Einen Billiggrill kaufen. Anheizen, damit ordentliche Rauchschwaden entstehen, wie sie jeden Sommer im ganzen Land die Gerichte beschäftigen. Und dann hätten wir bei der Würstchenbude um die Ecke fertiges Fleisch gekauft, auf den Grill gelegt und so getan als ob.

„Wir gehen zu meinem Schlachter, der hat alles was wir brauchen“, stellt Klaus vorm Stadtpark klar. Der Hinz&Künztler wohnt in der Gegend. Fleisch nur noch beim Metzger um die Ecke zu kaufen, damit man weiß, was drin ist – nach BSE kann so einen Wunsch wohl niemand mehr ablehnen. Allerdings ist das der Beginn einer längeren Tour durchs Viertel. Weil wir noch zu Edeka müssen, um Kräuterbutter zu kaufen. Die darf laut Detlef nicht fehlen. Als es dann ans Fotografieren geht, werden die drei Männer vom Grill nicht heiterer. „Wir bescheißen damit unsere Kunden“, stellt Detlef klar. So ein Panoramafoto ist nämlich nicht unaufwändig. Es besteht aus mehreren Aufnahmen, die dann am Computer zusammengesetzt werden. Konsequenz: Es entsteht nicht spontan, sondern alle müssen in ihrer Position verharren. „Alles nur gestellt, aber unsere Leser denken, wir hatten ein nettes Grillfest“, sagt Detlef und schüttelt den Kopf.

Dass Klaus der einzig gelernte Koch in der Gruppe ist, ihm also eigentlich die Kochjacke und die Hoheit über den Grill gebühren würde, vergiftet die Stimmung zusätzlich. Überhaupt, es fehlt einiges für einen echten Grillnachmittag im Stadtpark. „Es gehört Schwarzbier übers Steak, so kenn ich das“, sagt Detlef. Das gibt dem Fleisch eine feine Note. Aber in Hinz&Kunzt werden nun mal nur Rezepte abgedruckt, die ohne Alkohol funktionieren – aus Rücksicht auf trockene Alkoholiker. Politisch korrekt, kulinarisch – findet zumindest Detlef – unverantwortlich. Was noch fehlt: Mädchen. Artur verrät fix sein Rezept für einen gelungenen Grillabend: „Ein paar Mädels, ich und meine Bratwurst.“ Der Kalauer hebt die Stimmung kurzfristig.

Parallel zu den Fotos entstehen zwei Steaks. Ich bekomme sie auf den Teller. Ich will was abgeben, ernte Empörung. „Iss mal auf, sonst gibt’s Ärger“, knurrt Detlef.
Ich hab’s dann gegessen. War sehr schmackhaft. Neben uns hat eine Gruppe junger Menschen ihr Lager aufgeschlagen. Bisher hatten sie nur belustigt zu uns rübergeschaut, jetzt löst sich ein Typ, kommt auf uns zu. „Habt ihr Grillanzünder dabei?“, will er wissen. Nee, nicht mal richtige Holzkohle… Womit wir am Anfang wären. Am nächsten Tag beschwert sich Klaus beim Hinz&Kunzt-Geschäftsführer über das schlecht organisierte Grillfest. Es gibt einfach Dinge, mit denen man keinen Schabernack treibt.

Text: Marc-André Rüssau
Foto: Mauricio Bustamante

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