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Lampedusa-Flüchtlinge

„Die Nerven liegen blank“

14. Oktober 2013 | Von | Kategorie: Nachrichten

Am Wochenende hat die Polizei 19 Lampedusa-Flüchtlinge kontrolliert. Ein Ultimatum habe die Innenbehörde allerdings nicht gestellt, so Innenbehördensprecher Frank Reschreiter. Unter den Afrikanern in der St. Pauli-Kirche würde sich Angst breit machen, erzählt Pastor Sieghard Wilm im Video-Interview.

Die Innenbehörde stellt den afrikanischen Flüchtlingen kein Ultimatum. Das Hamburger Abendblatt hatte am Montag gemeldet, dass sich die Flüchtlingsgruppe aus Lampedusa bis Mittwoch bei den Behörden melden müsse. Andernfalls würden die Afrikaner zur Fahndung ausgeschrieben. Innenbehördensprecher Frank Reschreiter weist das zurück: „Es gibt kein Ultimatum für die Flüchtlinge.“ Allerdings sei die Behörde bemüht, ein rechtstaatliches Verfahren einzuleiten. Weitere Feststellungen der Personalien hat es nach Angaben der Polizei am Montag nicht gegeben.

Am Wochenende hat die Polizei insgesamt 19 Afrikaner bei Kontrollen in St. Georg und St. Pauli aufgegriffen. Neun von ihnen wurde auf der Wache erkennungsdienstlich behandelt. „Ein Asylverfahren wurde aber nicht eingeleitet“, so Reschreiter. Nach Angaben des Behördensprechers habe man mit den Anwälten der Flüchtlinge vereinbart, dass sie sich Mittwoch an die Ausländerbehörde wenden. „Es muss erst im Einzelfall geprüft werden, ob ein Asylverfahren eingeleitet wird.“

Eine Einzelfallprüfung lehnen die Flüchtlinge allerdings ab. Sie haben Angst vor einer Abschiebung. „Jeder weist uns zurück: Libyen, Italien, Deutschland“, so Flüchtling Andreas, Sprecher der Gruppe in der St. Pauli Kirche, vor einer Woche im Gespräch mit Hinz&Kunzt. Die Befürchtungen der Flüchtlinge sind nicht unbegründet. „Eine dauerhafte Lebens- und Arbeitsperspektive können wir diesen Menschen in Hamburg nicht bieten – das ist rechtlich nicht möglich“, hatte Ksenija Bekeris, sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, bereits Ende Mai erklärt.

Aufgrund der sogenannten Drittstaaten-Regelung müssten die Flüchtlinge nach Italien zurückkehren. „Wir brauchen einen Neuansatz in der Flüchtlingspolitik“, sagt Pastor Sieghard Wilm. Im Video-Interview mit Hinz&Kunzt-Redakteur Benjamin Laufer bezeichnet er den Polizeieinsatz als falsches Signal. Die Kontrollen des Wochenendes hätten große Angst unter den Flüchtlingen verbreitet. „Die Nerven liegen blank.“ Flüchtling Andreas versteht nicht, warum er nicht bleiben darf: „Niemand in der Gruppe ist kriminell, wir wollen hier ein neues Leben anfangen.“

Text: Jonas Füllner
Video und Foto: Benjamin Laufer

6 Kommentare
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  1. Wie kommt der Flüchtling Andreas darauf, dass niemand aus der Gruppe kriminell sei? Alle sind kriminell, denn sie halten sich illegal in Deutschland auf, verstossen gegen § 95 des Aufenthaltsgesetzes. Wer in ein fremdes Land kommt und sich weigert, seine Personalien anzugeben, der verwirkt schon dadurch seinen Anspruch hier zu leben!

  2. Sehr geehrter Herr Winter,

    ihr Kommenar zeugt davon, dass Sie sich absolut nicht mit der Materie und der Situation der 300 Männer, die in Deutschland Asyl suchen beschäftigt haben. Was Sie als kriminell bezeichnen, nenne ich illegalisiert – Kennen Sie den Unterschied? Ich bin mir sicher Sie haben noch kein einziges Wort mit einem der Flüchtlinge gewechselt. Sie waren sicher noch kein einziges Mal in der St.Pauli-Kriche oder einer der anderen mutigen Einrichtungen, die Menschlichkeit walten lassen. Sie können nur deshalb so reden, weil Sie sich nicht mir ihrem weiß-Sein auseinandersetzen. Dass Sie so reden können liegt nur daran, dass Sie ohne eigenes zutun in einem priveligiertem Land geboren sind, welches sich im Kontext einer Ausbeutungsgeschichte bewegt, aktuelle Kriege mit befeuert und fleißig Waffen in Krisengebiete liefert. Fangen Sie an zu denken Herr Winter, bevor Sie etwas schreiben. Und fangen Sie an sich mit den Gesetzen (Die Optionen für ein Bleiberecht eröffnen), Deutschlands Rolle im Kontext Flucht und vor allem mit den Menschen vor Ort auseinanderzusetzen! Dann kommen Sie vielleicht in die Lage die Situation anders zu reflektieren.

  3. […] dem sei die Homepage von Lampedusa in Hamburg ans Herz gelegt. Artikel gab’s auch bei Hinz & Kunzt und Florableibt, Informationen zu den Veranstaltungen und drumherum gibt’s auf der Lampedusa […]

  4. Lieber Herr Winter,

    wenn hier einer Kriminell ist sind Sie das.
    Sie haben sich mehrerer besonders verabscheuungswürdiger Verbrechen schuldig gemacht. Die Anklage lautet:

    – Verbrechen gegen die (Mit)Menschlichkeit

    – Das Verfassen trolliger klugs******* Kommentare

    Herzlichen Glückwunsch 🙂

  5. @Bernd Winter: Was sind nur Sie für ein kalter und herzloser Mensch? Die Stadt Hamburg hat Anfang der 90er Jahre unzählige Menschen aufgenommen, die weder richtig deutsch sprechen konnten noch je wirklich gearbeitet hatten, die so genannten Ossis. Denen wurde damals „Begrüßungsgeld“ und Bananen nachgeworfen und nun sollen wir in unserer Stadt keinen Platz haben für 300 arme Schweine, die vor echter Not und Armut geflohen sind und nicht nur vor dem Mangel an Südfrüchten?

  6. habe gerade das tolle Interviews mit Pastor Wilm uebersetzt (soweit ich alles richtig gehoert habe) , da es bisher nur wenig auf englisch ueber die Situation der Fliechtlinge zu lesen gibt.

    Q: Since Friday the refugees have been stopped for identity checks by the police, by the internal affairs office here in Hamburg, and now you’re just coming from your service. How is your congregation handling it? What’s the mood like?

    A: Well we have a lot more people now in church, they’ve realized that it’s very important that we refuel in God’s house. We hear the texts differently, fresher, the hymns too, because there is no service without the subject of justice. There’s so much talk in this city about enforcing the law and that there is no other option but to comply with the law. But the church is certainly no lawless space, which it is often accused of being, of thinking it is that; it is a space that gives us freedom to breathe, and to seek justice, and we do that quite a lot together. We are taking a stand in the city, and saying that this shunting station, where the refugees are shoved around from one corner to the next, and what is happening now, which is a scary measure for us, namely picking up refugees off the street and identifying and processing them and then of course deporting them or „repatriating“ them as they say in euphemized German, that’s not effective at all. Ultimately it doesn’t change anything, it solves nothing. It shoves these people who are traumatized around yet again, namely to Italy, even though everyone knows that Italy is overwhelmed. Then they’ll all go somewhere else, again hoping to find mercy somewhere, and we don’t know what’s going to happen. In other words, we need a new approach in refugee policy. We are experiencing the wound of Europe here, which otherwise is only visible on its southern border; we are experiencing that right now in the middle of our city.

    Q: What do you think of what the Senate is doing, is it an escalation that’s going on here right now?

    A: It is an escalation, and we pray for peace in our neighborhood, which isn’t always so easy [smiles], and throughout the whole city, too. Naturally that leads to total polarization in society as well, in discourse, when what we really need is for all democratic forces to stand together. And it’s also about resisting racism. What’s happening now, that in effect there’s an imperative to work with racial profiling, that places incredibly huge expectations on the police, too – the officers in the street are supposed to deal with what the politicians can’t get done. That is a very, very thankless job. And we have to build a society with a welcoming culture and an anti-racist society, and this is just a wrong signal. Unfortunately.

    Q: How are the refugees dealing with the situation? Do they feel safe at all leaving the courtyard, the churchyard now?

    A: Extreme insecurity. Now you have to think three times, „how can I leave the property?“ Sometimes we have to call a taxi to protect people, or we tell people, „hey, go out in a group or mingle with whites“ – yes, that’s how it is – “mix in with white people and then maybe you won’t be attacked, then you won’t be stopped and checked.“ There is fear, nerves are shot, and as a pastor, spiritual care is really an enormous challenge. I just hope that no one makes a rash decision, that no one hurts themselves. That could still happen, it’s all happened before in other cities.

    Q: What do you think is going to happen?

    A: We have to take it day by day, moment by moment. Here we are in a protected space on church grounds, we are sitting next to the higher power. And it’s been announced that this measure is going to continue, so in the days ahead too, people are going to be subjected to identity checks with the goal of fingerprinting them etc. and then ultimately readying them for deportation.

    Q: And in the winter? What are the plans? What’s the situation with the containers you want to set up?

    A: As far as putting up the containers, we submitted the applications, the district of Altona has signaled to us that it will approve them, but the Senate has already announced that in that event, that would then be a criminal action, to set up containers, that would be „aiding and abetting illegal residency“. And I find that really problematic, in other words the attempt to help get through the winter is being presented as a criminal act; aid becomes aiding and abetting illegal residency. Something is displaced there, is it not? The population’s willingness to help per se is cast in an illegal light. That can’t be good, nor can it be good to deal with actors in civil society, with people’s helpfulness like that.

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