Lampedusa-Flüchtlinge : „Die Nerven liegen blank“

Am Wochenende hat die Polizei 19 Lampedusa-Flüchtlinge kontrolliert. Ein Ultimatum habe die Innenbehörde allerdings nicht gestellt, so Innenbehördensprecher Frank Reschreiter. Unter den Afrikanern in der St. Pauli-Kirche würde sich Angst breit machen, erzählt Pastor Sieghard Wilm im Video-Interview.

Die Innenbehörde stellt den afrikanischen Flüchtlingen kein Ultimatum. Das Hamburger Abendblatt hatte am Montag gemeldet, dass sich die Flüchtlingsgruppe aus Lampedusa bis Mittwoch bei den Behörden melden müsse. Andernfalls würden die Afrikaner zur Fahndung ausgeschrieben. Innenbehördensprecher Frank Reschreiter weist das zurück: „Es gibt kein Ultimatum für die Flüchtlinge.“ Allerdings sei die Behörde bemüht, ein rechtstaatliches Verfahren einzuleiten. Weitere Feststellungen der Personalien hat es nach Angaben der Polizei am Montag nicht gegeben.

Am Wochenende hat die Polizei insgesamt 19 Afrikaner bei Kontrollen in St. Georg und St. Pauli aufgegriffen. Neun von ihnen wurde auf der Wache erkennungsdienstlich behandelt. „Ein Asylverfahren wurde aber nicht eingeleitet“, so Reschreiter. Nach Angaben des Behördensprechers habe man mit den Anwälten der Flüchtlinge vereinbart, dass sie sich Mittwoch an die Ausländerbehörde wenden. „Es muss erst im Einzelfall geprüft werden, ob ein Asylverfahren eingeleitet wird.“

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Eine Einzelfallprüfung lehnen die Flüchtlinge allerdings ab. Sie haben Angst vor einer Abschiebung. „Jeder weist uns zurück: Libyen, Italien, Deutschland“, so Flüchtling Andreas, Sprecher der Gruppe in der St. Pauli Kirche, vor einer Woche im Gespräch mit Hinz&Kunzt. Die Befürchtungen der Flüchtlinge sind nicht unbegründet. „Eine dauerhafte Lebens- und Arbeitsperspektive können wir diesen Menschen in Hamburg nicht bieten – das ist rechtlich nicht möglich“, hatte Ksenija Bekeris, sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, bereits Ende Mai erklärt.

Aufgrund der sogenannten Drittstaaten-Regelung müssten die Flüchtlinge nach Italien zurückkehren. „Wir brauchen einen Neuansatz in der Flüchtlingspolitik“, sagt Pastor Sieghard Wilm. Im Video-Interview mit Hinz&Kunzt-Redakteur Benjamin Laufer bezeichnet er den Polizeieinsatz als falsches Signal. Die Kontrollen des Wochenendes hätten große Angst unter den Flüchtlingen verbreitet. „Die Nerven liegen blank.“ Flüchtling Andreas versteht nicht, warum er nicht bleiben darf: „Niemand in der Gruppe ist kriminell, wir wollen hier ein neues Leben anfangen.“

Text: Jonas Füllner
Video und Foto: Benjamin Laufer

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