Straßenverkäufer weltweit

Die inspirierendsten Arbeitskräfte der Welt

Internationale Woche der Straßenverkäufer, Tag 4: Sie haben Schlimmes gesehen und selbst erlebt, ihnen fehlte jegliche Perspektive und der Kontakt zu Menschen, die es gut mit ihnen meinen – bis sie begannen, sich als Straßenzeitungsverkäufer etwas Geld zu verdienen und ihr Leben neu in die Hand zu nehmen. Vier Verkäufer aus vier Kontinenten erzählen von ihrem Neustart.

vendor_images_2013-themaFür viele Menschen, die in Armut leben oder obdachlos sind, kann der Verkauf von Straßenzeitungen ein Rettungsanker und ein Sprungbrett darstellen, um Größeres zu erreichen. Unabhängig davon, ob sie auf den Straßen von Glasgow, Kapstadt, Melbourne oder Mailand sind: jeder einzelne Straßenzeitungsverkäufer ist Teil einer globalen Familie, die den Wunsch teilt, der Armut zu entkommen. Mehr als 14.00 Verkäufer arbeiten auf dieses Ziel hin, indem sie ihre örtliche Straßenzeitung verkaufen. Das International Network of Street Papers (INSP) vereinigt mehr als 120 dieser Publikationen in über 600 Groß- und Kleinstädten auf der ganzen Welt. Von seinem Hauptsitz in Schottland aus hilft INSP seinen Mitgliedern, indem es sie bei der Gründung und mit dem Editieren, im Personal- und Verkaufstraining, bei der Finanzierung und mit Netzwerken und Kampagnen unterstützt, um auf deren Arbeit aufmerksam zu machen.

Geschichten von Verkäufern zeugen von der Stärke und dem Erfolg der Straßenzeitungsidee

„Ich habe viel Schlimmes auf den Straßen gesehen, aber ich habe auch Leute getroffen, die, so wie ich, ihr Leben ändern wollten“, sagt der brasilianische Verkäufer Nelson Carvalho, dessen Drogenabhängigkeit zu seiner Obdachlosigkeit geführt hat. Für Nelson bedeutete der Verkauf von Aurora du Rua auf den Straßen Salvadors mehr, als sich ein Einkommen zu verdienen: „Ich habe die Möglichkeit, meine Erfahrungen mit anderen zu teilen und ihnen zu zeigen, dass Menschen, die auf der Straße leben Menschen sind wie du und ich.“ Verkäufer wie Nelson sind stolz darauf, die Publikationen zu verkaufen und haben eine vereinigte Leserschaft von 6 Millionen pro Ausgabe erzielt. Er erklärt: „Straßenzeitungen portraitieren Menschen, die auf der Straße leben, mit Würde und Menschlichkeit und ändern die Ansichten der Gesellschaft über sie.“

Seine südafrikanische Kollegin Erica Phillips glaubt auch, dass Straßenzeitungen die Ansichten der Menschen zur Obdachlosigkeit ändern. Sie verkauft seit sieben Jahren The Big Issue South Africa, nachdem sie gezwungen war, ihre Arbeit aufzugeben, als sich ihr Sehvermögen verschlechterte. „Ich habe so viel erreicht und Menschen gefunden, die mich wirklich unterstützt haben. Sie merken, dass ich willensstark bin und eine kontaktfreudige Persönlichkeit habe. Ich habe das Glück, viele Kunden zu haben, die mich nicht nur als Verkäuferin, sondern als Freundin sehen.“ Erica sagt, dass sie ohne die Straßenzeitung niemals ihr eigenes Unternehmen hätte finanzieren können, das sie kürzlich eröffnet hat. „Ich denke sehr ungern darüber nach, wo ich ohne diese Arbeit wäre. Ich hätte wahrscheinlich aufgegeben, aber die Arbeit hat mir dabei geholfen, zu sehen, dass es Hoffnung gibt.“

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Der Verkauf von Street Roots hat Charles Yost, einem Verkäufer in Portland, USA, geholfen, seine Alkoholsucht zu überwinden, die ihn sein ganzes Leben lang begleitet hatte: „Es kam zu dem Punkt, wo ich mich entweder betrunken oder Straßenzeitungen verkauft hätte. Es ist etwas, worauf ich mich freuen kann. Ich spreche mit vielen Menschen. Es bewahrt mich vor der Isolation.“

Der Verkauf der norwegischen Straßenzeitung Megafon hat das Leben von Jonny Larssen komplett verändert, der die Alltagsrealität von Drogen und Gewalt gegen einen würdevollen Beruf eingetauscht hat. „Wenn man als Straßenzeitungsverkäufer arbeitet, muss man Menschen in die Augen sehen, mit ihnen lachen und sich um andere kümmern. Hätten Sie mich vor ein paar Jahren kennen gelernt, dann hätten Sie niemals geglaubt, dass ich das tun könnte.“

Für Tapiwa Chemhere, Verkäufer von The Big Issue Australia, der einem Leben in Gewalt und politischer Unterdrückung in Zimbabwe entflohen ist, sind es die Kunden, die ihn inspirieren: „Wenn sie lächeln und mit mir reden, versüßt mir das den Tag. Ich fühle mich sehr ermutigt. Ich danke all meinen Kunden für ihre Unterstützung.“

Auf der ganzen Welt haben Straßenzeitungen dabei geholfen, mehr als 250000 Leben zum Besseren zu verändern. Da das INSP-Netzwerk sich weiterhin ausdehnt, hoffen wir, dass die Geschichten der Verkäufer andere inspirieren werden, sich der Bewegung anzuschließen. Für alle Verkäufer, die von Straßenzeitungen unterstützt werden, sind es die Leser, die dabei helfen, etwas zu bewirken. Daher, wohin Sie auch gehen auf der Welt: Kaufen Sie Ihre örtliche Straßenzeitung.

Die Veränderung liegt ganz in Ihren Händen.

Text: Laura Smith/www.street-papers.org /INSP
Foto: www.street-papers.org / INSP

Bildschirmfoto 2013-02-05 um 08.57.46Mehr als 14.000 Verkäufer vertreiben 120 Straßenzeitungstitel in 40 Ländern. Mit der Woche der Internationalen Straßenverkäufer (4. Februar bis 10. Februar) feiert  das Netzwerk INSP (International Network of Street Papers) die Straßenzeitungsverkäufer, setzt sich für ihren Unternehmergeist ein und hinterfragt die Wahrnehmung von Armut und Obdachlosigkeit.

Die Woche der Straßenzeitungsverkäufer bei www.hinzundkunzt.de:

Hinz&Künztler Sönke, 46, mit Hündin Lucy

Tag 1:
Video-Porträt
von Hinz&Künztler Sönke
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Der Dalai Lama im Interview exklusiv für die Straßenzeitungen. Mit den Ausgaben verdienten Straßenzeitungsverkäufer im vergangenen Jahr mehr als eine Million Dollar. Foto: INSP

Tag 2:
Straßenzeitungen weltweit
in Zahlen
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Momentaufnahme Vera

Tag 3:
Verkäuferinnenporträt:
Hinz&Künztlerin Vera

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video-bea

Tag 5:
Hinz&Künztler-Video:
Mindestens 1029 Obdachlose leben in Hamburg
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Torsten

Tag 6:
Schüler-Interview:
Wie ist das Leben auf der Straße, Torsten?
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Chaka

Tag 7:
Herzensangelegenheit:
Hinz&Künztler sagen Danke

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