Bildungsgutschein

Rein in den Verein

Der Bildungsgutschein soll Kindern aus einkommensschwachen Familien erlauben, ein Instrument zu lernen oder in einem Sportverein aktiv zu sein. Klappt das? Wir haben Schüler des Niels-Stensen-Gymnasiums in Harburg auf Recherche geschickt.

Schülerreporter (v. li.) Sarah Kucharski, Michael Mlotek, Jana Wentzel, Finn-Jordan Max, Jessica Heinelt
Schülerreporter mit Durchblick: (v. li.) Sarah Kucharski, Michael Mlotek, Jana Wentzel, Finn-Jordan Max und Jessica Heinelt.

Nachgefragt beim Alster-Ruderverein (ARV)

Wie weit kommt man mit zehn Euro? Das ist nämlich genau der Betrag, den das Bildungspaket beinhaltet. Wir haben herausgefunden, dass nicht jeder Verein dieses Bildungspaket annimmt, man aber zum Beispiel bereit ist, ein Kind, das nicht zahlen kann, für ein paar Jahre kostenlos mitmachen zu lassen. So ist es auch beim Alster-Ruderverein (ARV), bei dem wir anfragten und drei junge Männer zum Gespräch trafen.

Pünktlich um drei Uhr sind wir im Club an der Saarlandstraße. Aber erst zwanzig Minuten und drei Runden Boule mit Steinen später fährt ein junger Mann mit lockigen Haaren vor. Es ist Niels Meyer, der Jugendtrainer des ARV. Als dann auch noch Birger Hergst und Ziad Zorgati, zwei Jugendvertreter, ankommen, beginnen wir sie mit Fragen zu löchern: ,,Nehmen Sie überhaupt das Bildungspaket an?“, ist unsere erste Frage, die gleich mit „Ja“ beantwortet wird. Denn der ARV bekommt seit Einführung des Bildungspakets die Gebühren für die Mitgliedschaft von Kindern erstattet, deren Eltern aus unterschiedlichen Gründen nicht bereit oder in der Lage sind zu bezahlen. ‚‚So kann man, bis man 27 Jahre alt ist, kostenlos am Kurs teilnehmen“, erklärt Birger Hergst der sozusagen als Vorsitzender ehrenamtlich für den ARV arbeitet. ,,Wir alle arbeiten ehrenamtlich im Verein mit“, fügt Birger hinzu. ,,Wir wollen die Jugendlichen an diesen Sport binden“, erläutert Niels.

Mehr gibt es zum Bildungspaket auch nicht zu sagen, aber über den Sport Rudern an sich wird uns dann begeistert erzählt. Nebenbei kommen ein paar ungeduldige Kinder herein, die es wohl kaum erwarten können, wieder ins Wasser zu kommen. So kommen wir zu der Frage, was denn das Besondere, Tolle an diesem Sport sei. Warum ausgerechnet Rudern? ,,Weil es ´the best sport in the world´ ist“, entgegnet Niels mit bestimmtem Gesichtsausdruck. Ganz anders sieht die Antwort von Ziad aus, mit seinem Zitat von New Wave: „Athleten Rudern, die anderen spielen nur Spiele“. Er erzählt uns außerdem, dass es ein ganz besonderer Sport sei, da beim Rudern alle Alltagsgedanken für eine Weile „über Bord“ gehen würden. „Das fühlt sich an, als ob man fliegt“, meint er und fügt hinzu: „Und da würde mir jeder Ruderer zustimmen“. Ein schöner Gedanke – sicher auch besonders im Hinblick auf Kinder, die durch finanzielle Sorgen ihrer Eltern viel Kummer in ihrem Alltag erfahren.

Und wie kann man im Winter rudern? Gar nicht, erfahren wir. „Dieser Nachteil wird aber damit ausgeglichen, dass wir mal schwimmen gehen oder uns gemeinsam Filme angucken“, erklärt uns Niels. „Das ist das, was diesen Sport auch so ausmacht: Du musst nicht zu jedem Training kommen, wenn du mal keinen Bock hast. Dir muss gefallen, dass dieser Sport über das Rudern allein hinaus geht“. Es geht also um das Gemeinschaftserlebnis. Und dabei sind die Voraussetzungen für diesen Sport niedrig: „ Man muss schwimmen können und sollte Spaß mitbringen“. Klingt einfach oder? Allerdings ziehen wir einen Punkt ab: Um das bronzene Schwimmabzeichen zu bekommen, muss man zahlen. Wenn man das Geld dafür aber nicht hat?

Gegen Ende werden wir noch informiert, dass man beinahe jedes Wochenende an einem Wettkampf teilnehmen kann. „Der dauert dann meist zwei Tage, und für die Versorgung verlangen wir nur zehn Euro“, erzählt uns Niels. Zehn Euro ist übrigens auch der Monatsbeitrag für den Ruderclub. Wir haben herausgefunden, dass der ARV bereit ist, Mitglieder aufzunehmen, die nicht genug Geld haben – kostenlos. Wir sind der Meinung, dass dies ein empfehlenswertes Angebot ist, das man in Anspruch nehmen sollte. Wir bedanken uns für das Interview und wünschen weiterhin viel Spaß am Rudern – bald auch Euch?

Aufgeschrieben von: Jessica Heinelt, Jordan Max, Jana Wentzel, Sarah Kucharski und Michael Mlotek

Spiel, Satz und Sieg für die Schüler (v.li.) Charlotte Biel, Anneke Riedler, Leopold Harms und Patricia Plaumann
Spiel, Satz und Sieg für die Schüler des Niels-Stensen-Gymnasiums Harburg: (v.li.) Charlotte Biel, Anneke Riedler, Leopold Harms und Patricia Plaumann.

Nachgefragt beim SV Grün-Weiß Harburg (GWH)

Zuerst werden uns Gummibärchen angeboten! Denis Mangkod steht groß und hochgewachsen mitten im Vereinshaus des Vereins „SV Grün-Weiß Harburg von 1920 e.V.“ (GWH) und lächelt freundlich. Der 30-jährige ist hier seit zwei Jahren Geschäftsführer, er hat viel mit Papierkram zu tun. Außerdem ist auch Jugendwart, macht also die Jugendarbeit und er vertritt die Jugendlichen gegenüber den Erwachsenen.

Denis Mangkod findet das Bildungspaket eine gute Idee, sein Verein möchte allen den Weg zum Sport offen halten. Allerdings gibt es das Bildungspaket noch nicht in seinem Verein, weil der erst seit kurzem einen neuen Vorstand aus mehr jüngeren Leuten hat, die sich noch einarbeiten müssen. Der GWH möchte besonders den Breitensportsektor mit einbeziehen und hat daher das Projekt „Kids in die Clubs“ gegründet: „Die Idee von „Kids in die Clubs“ ist, dass Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien ein Jahr kostenlos Sport machen können“, erklärt er uns. „Wer nicht genug verdient, um seinem Kind die Mitgliedschaft in einem Hamburger Sportverein möglich zu machen, kann bei der Hamburgersportjugend (HSJ) einen Antrag auf Übernahme der Kosten stellen, das regelt im Allgemeinen der Sportverein des Kindes“, sagt er noch.

Nach einem Jahr kann der Antrag noch einmal verlängert werden. Für Mannschaftskassen wird der Beitrag für den betroffenen Spieler erlassen oder er wird für die anderen Mannschaftsmitglieder höher angelegt, so dass sich die Kosten ausgleichen. Der GWH muss nicht viel mitfinanzieren, da die Hamburger Sportjugend den Mitgliedsbeitrag bezahlt, erzählt Denis Mangkod. Dies Geld wiederum kommt von der Stadt.

Der Verein möchte Aktivitäten und Aktionen durchführen, die andere Vereine nicht anbieten können. Mit rund 2000 Mitgliedern ist GWH ein recht überschaubarer Verein, der sich auch viel im Stadtteil engagiert: so wurde neulich ein Blutspendetag organisiert und es gibt öfter einen Flohmarkt. Für Mannschaftskassen wird der Beitrag für den betroffenen Spieler erlassen oder er wird für  die anderen Mannschaftsmitglieder  höher angelegt, sodass sich die Kosten ausgleichen. GWH muss nicht viel mitfinanzieren, da die Hamburger Sportjugend(HSJ) den Mitgliedsbeitrag bezahlt. Das Geld für die Mitgliedsbeiträge stellt der Senat. Der Verein möchte Sportaktivitäten und Aktionen  anbieten, die andere Vereine nicht anbieten können.

Aufgeschrieben von: Charlotte Biel, Anneke Riedler, Leopold Harms und Patricia Plaumann

Fotos: Benne Ochs

Der Bildungsgutschein für Kinder
120 Euro im Jahr, also 10 Euro monatlich, stellt der Staat mit dem Bildungsgutschein für Kinder bereit. Damit soll ihnen die Teilnahme an sportlichen oder musikalischen Aktivitäten ermöglicht werden, darüber hinaus gibt es Zuschüsse für Nachhilfe, Schulessen und zum Essen und Ausflüge. Nach Schätzungen sind rund 2,5 Millionen Kinder von Geringverdienern und Hartz-IV-Beziehern anspruchsberechtigt. Laut Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), der Initiatorin des Bildungsgutscheins für Kinder, haben aber erst 25 % der  Berechtigten einen Antrag gestellt. Das Verfahren soll nun vereinfacht werden. Weitere Informationen zum Thema gibt es beim Bundesministerum für Bildung, Arbeit und Soziales.

Weitere Berichte über den Bildungsgutschein für Kinder lesen Sie in der Oktober-Ausgabe von Hinz&Kunzt oder online: Zehn Euro gesucht.

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