Navigation
Kontakt

CDU-Vorschlag

Pferdefleisch-Lasagne für Arme

22. Februar 2013 | Von | Kategorie: Nachrichten

Ein CDU-Politiker schlägt vor, die aussortierte Pferdefleisch-Lasagne an die Tafeln und damit an Arme zu geben. Die halten den Vorstoß für entwürdigend: Arme seien keine Verbraucher zweiter Klasse. Der Politiker fühlt sich missverstanden.

pferd_symbol

In zahlreichen Fertigprodukten wurde Pferdefleisch gefunden, obwohl Rindfleisch drin sein sollte. Foto: Thomas Gigold.

Wohin mit den ganzen Lebensmitteln, die wegen des Pferdefleisch-Skandals aus den Regalen der Supermärkte verschwunden sind? Der CDU-Bundestagsabgeordnete Hartwig Fischer hat eine Idee: Er will sie Einrichtungen wie den Tafeln zukommen lassen, damit Arme sie verspeisen können. „Ich appelliere an die Branche, die eingezogen Lebensmittel nicht aus vorauseilendem Gehorsam und Panikmache zu vernichten“, sagte der Politiker.

Dafür muss er viel Kritik einstecken. „Es kann nicht sein, dass Lebensmittel, die die Mehrzahl der Verbraucher ablehnt, als ‚gut genug für Bedürftige‘ eingestuft werden“, sagte der Vorsitzende des Bunds Deutscher Tafeln, Gerd Häuser. Das sei entwürdigend: „Bedürftige Menschen sind keine Verbraucher zweiter Klasse.“ Im Bundestag kritisierte am Freitag die Linkspartei den Vorstoß. Die CDU mache arme Menschen zu Müllschluckern, sagte deren Verbraucherpolitikerin Karin Binder. Das Erwerbslosenforum Deutschland kürte den CDU-Mann sogar zum „Dummschwätzer des Tages“. Sprecher Martin Behrsing sagte in Bonn: „Das sagt viel aus, welches verquere Menschenbild der CDU-Politiker von armen Menschen hat.“

Fischer fühlt sich von seinen Kritikern missverstanden. Es handele sich bei den Lebensmitteln um gute Produkte, die lediglich falsch etikettiert seien. „Es kann nicht sein, dass wir hochwertige Lebensmittel einfach wegwerfen“, sagte er zu Hinz&Kunzt. Bevor sie den Tafeln angeboten würden, sollten sie korrekt etikettiert werden. „Jeder entscheidet freiwillig, ob er das essen möchte, oder nicht.“ Die Produkte mit den neuen Etiketten wieder in den Handel zu geben, hält er für keine gute Idee: „Oder möchten Sie, dass die für den Pferdefleisch-Skandal Verantwortlichen damit auch noch Geld verdienen?“

Neue Etiketten auf die Verpackungen zu kleben, reicht aber nicht aus. Das betont auch das Bundesverbraucherministerium: „Der Lebensmittelunternehmer muss auch dafür Sorge tragen, dass der Inhalt einwandfrei ist, nachweislich frei von jedweden Rückständen und dass in jedem einzelnen Fall lückenlos geklärt ist, woher alle einzelnen Zutaten stammen“, sagte Ministeriumssprecher Holger Eichele. Ganz so einfach, wie Fischer sich das vorstellt, ist es also nicht: Der Ursprung des Pferdefleischs ist in vielen Fällen noch nicht aufgeklärt.

Dennoch hat Fischer auch positive Rückmeldungen bekommen – zum Beispiel von der Berliner Tafel. Ein Sprecher bestätigte das auf Nachfrage: „Wenn die Lebensmittel geprüft und für unbedenklich erklärt wurden, würden wir sie nehmen.“

Text: Benjamin Laufer
Foto: Thomas Gigold

Schreibe einen Kommentar