Kinderbuch

Oma, die Miethaie und ich

In ihrem Kinderbuch erzählt Tanya Lieske von Salila und ihrer ­Oma Henriette, die aus ihrer Wohnung im ­Düsseldorfer Stadtteil Bilk ausziehen sollen. Der Miethai wohnt in Hamburg.

(aus Hinz&Kunzt 250/Dezember 2013)

„Ein Kinderbuch muss gut enden, nichts anderes kommt in die Welt“,  sagt Autorin  Tanya Lieske.
„Ein Kinderbuch muss gut enden, nichts anderes kommt in die Welt“, sagt Autorin
Tanya Lieske.

Das mit der abgerissenen Treppe kennt Tanya Lieske aus eigener Erfahrung. Also: Du willst schnell runter, die Zeitung holen – und die Treppe im Treppenhaus fehlt. Ist einfach weg. Okay: Es ist länger her, dass ihr das passiert ist. „Das Haus, in dem wir wohnten, wurde verkauft, und der neue Besitzer hat sich nicht viel Mühe gemacht mit uns Studenten, sondern die Treppe weggerissen, als er das Haus renovierte“, erzählt die Wahl-Düsseldorferin. Nun taucht diese Szene wieder auf: in ihrem Kinderbuch mit dem Titel „Oma, die Miethaie und ich“. Denn eines Tages sind da Bauarbeiter in Omas Treppenhaus, die die Treppenstufen einfach abreißen.

Die Hauptperson Salila ist zehn Jahre alt. Sie zeichnet gerne Mangas, isst gern Supermüsli, mag aber auch Ketchup. Sie lebt bei ihrer Oma Henriette, die einfach alles kann. Kochen, backen, lustig sein, und vor allem kann sie alles reparieren: Staubsauger, Kaffeemaschinen, Fußballkicker. So wohnen die beiden für 180 Euro Miete glücklich im Düsseldorfer Stadtteil Bilk. Im Fernsehen wird Bilk plötzlich als prima geeignet für Singles gepriesen. Die ersten Nachbarn ziehen aus, Handwerker kommen, und ihre Wohnung hängt plötzlich zur Ansicht im Schaukasten eines Immobilienbüros. Da sei ein Miethai am Werk, erklärt die Oma ihrer Enkelin, und Miethaie bräuchten Geld wie andere die Luft zum Atmen. Die Briefe des Miethais kommen aus Hamburg: Schwanenwik, Hausnummer 38. Hier sitzt in Wirklichkeit das Literaturhaus. Autorin Tanya Lieske ist dort oft als Moderatorin tätig, wenn englischsprachige Autoren wiederum ihre Bücher vorstellen.

In der Geschichte muss Salila entdecken, dass ihre Oma doch nicht alles kann. Sie müssen sich beide etwas einfallen lassen, damit sie in ihrer Wohnung bleiben können.
Es ist ein sehr warmherziges Buch, mit einem positiven Ende. Einige Schriftstellerkollegen hätten gemäkelt, erzählt Tanya Lieske: Man könne das Buch doch nicht so gut enden lassen! Die Autorin sieht das komplett anders: „Ein Kinderbuch muss gut enden, nichts anderes kommt in die Welt.“

Text: Frank Keil
Foto: Peter Lauer

„Oma, die Miethaie und ich“, Beltz&Gelberg, 208 Seiten, 12,95 Euro

Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *