Alma Hoppe

Mit Kabarett die Welt retten

Am Sonntag steigt der 2. Hinz&Kunzt Kabarett-Gipfel in Alma Hoppes Lustspielhaus, unter anderem mit dabei sind Axel Pätz, Franzose Alfons und Herrn Holm. Und die humorvollen Hausherren Nils Loenicker und Jan-Peter Petersen, die wir vorab besucht haben.

Alma Hoppe
Wach, frech und schlagfertig: Nils Loenicker (links) und Jan-Peter Petersen finden seit 30 Jahren in ihrem Lustspielhaus ihr Publikum.

Sie haben BWL und VWL studiert und trotzdem ist etwas Anständiges aus ihnen geworden: Nils Loenicker und Jan-Peter Petersen sind Deutschlands dienstältestes Kabarettduo. Seit 30 Jahren ziehen sie nun schon gemeinsam über die Bühnen und über die Politiker her. Ihr Humor scheint dabei wie eine Anti-Aging-Creme zu wirken: Im Interview wirken die zwei, die in Hamburg jeder als Alma Hoppe kennt, trotz früher Stunde schon recht aufgeräumt. So, und wie kriegt man das nun hin: 30 Jahre lang sein Publikum zu finden? „Och, wir haben ein breites Spektrum“, sagt Petersen trocken. Und Loenicker legt nach: „Um in Fahrradmodellen zu sprechen: Wir sind der Tiefeinsteiger.“

Die Bonmots sitzen auch außerhalb der Bühne. Wundern muss einen das nicht: Schon während des besagten Studiums fingen Loenicker und Petersen an, die Verhältnisse aufs Korn zu nehmen. Seit 1994 haben die zwei in Alma Hoppes Lustspielhaus in Winterhude ihre feste Heimat, sind Hausherren, Intendanten und stehen regelmäßig selbst auf der Bühne. Jedes Jahr denken sie sich ein neues Programm aus. Loenicker: „Ganz häufig geht es um Sachen, die uns selbst berühren.“ Private Verwerfungen gehören ebenso dazu wie die Euro-Krise, Steuerungerechtigkeit oder ganz aktuell, die Wohnungsnot. Zur Zeit des Interviews befindet sich das Duo gerade in der heißen Phase zum neuen Programm: „Männer in den besten Wechseljahren“. Thema: die Midlife-Crisis. „Da spielen wir uns wirklich selbst“, sagt Petersen, auch wenn sie einen Schönheitschirurgen und einen Ghostwriter darstellen.

Gibt es überhaupt Tabus für die beiden Kabarettisten? „Wir dürfen alles“, behauptet zumindest ihr aktuelles „Best-of-Programm. Natürlich aber gäbe es sensible Themen, ­sagen sie. Über Hitler-Witze konnten sie etwa noch nie so recht lachen. Auch bei Scherzen über Behinderte bewege man sich auf dünnem Eis: „Die Behinderten selbst finden das oft super, aber die anderen sind meistens verunsichert“, sagt Loenicker. ­Obdachlosigkeit gehört hingegen nicht zu den Themen, die das Duo mit der Kneifzange anfasst. Sie hatten da mal diesen Parkbank-Sketch. „Der endet damit, dass der Obdachlose den reichen Schnösel vertreibt, der es sich auf seiner Bank allzu bequem gemacht hat – wegen Eigenbedarfs“, sagt Petersen. Generell gehe es darum, dass die Haltung hinter dem Scherz sichtbar wird. Petersen: „Kabarett ist ja auch nicht dazu da, Antworten auf Fragen zu geben, die in anderen gesellschaft­lichen Bereichen nicht geliefert werden, sondern Themen ­anzureißen und interessant zu machen. Ansonsten ist es Unterhaltung.“

Gute Unterhaltung wird es auch beim 2. Hinz&Kunzt-Kabarett-Gipfel geben. Die Zusammenarbeit hat ein guter Freund angestoßen: Axel Pätz. Er trommelte im vergangenen Jahr das erste Mal Kollegen wie Heinz Schroth und Kerim Pamuk zusammen. Der Nachmittag war ein voller Erfolg. Nur konsequent, dass er in diesem Jahr seine Fortsetzung findet. Mit von der Partie sind in diesem Jahr Franzose Alfons und sein gefürchtetes Puschelmikro, der Polizist Herr Holm, der virtuose Akkordeonist Frank Grischek sowie das Slam-Kabarett Marie Theres Schwinn & Lars Kokemüller. Moderator am Klavier: Axel Pätz. Und auch die Hausherren geben selbstredend wieder ihren Senf dazu. Wenn es um eine gute Sache geht, sind sie mit dabei. Loenicker: „Unser Motto: Wir können nicht die Welt retten, aber wir können in Hamburg vor unserer Tür etwas tun.“

2. Hinz&Kunzt-Kabarett-Gipfel in Alma Hoppes Lustspielhaus, 2.6., 14.30 Uhr, Ludolfstr. 53, Eintritt: 18–22 Euro, Tickets unter 040/55 56 55 56 oder www.alma-hoppe.de

Text: Simone Deckner
Foto: Dmitrij Leltschuk

2 Kommentare zu “Mit Kabarett die Welt retten

  1. „Mit Kabarett die Welt retten“ H&K v. 30.5.13
    (…) Es gab das Kabarett „Mon Marthe“ schon, bevor man Alma Hoppe kannte. (…) Ich als Gründerin, Namensgeberin und Betreiberein dieser Bühne von 1974 bis 31.12.2001, die noch nie in einem Keller war, habe es satt, wie immer wieder mit meiner Lebensleistung umgegangen wird. Ich trug die Verantwortung, zahlte die Miete und alle Kosten und hatte die Konzession für den Betrieb. Nur weil ich ALMA HOPPE in deren Anfangszeit bei mir hin und wieder auftreten ließ, sie auch eine kurze Zeit die Möglichkeit hatten, das Programm als Haustruppe meines Kabarett-Theaters eigenverantwortlich zu gestalten, gehörte denen zu keiner Zeit irgendetwas. (…) Lesen Sie gerne in meiner Website, die allerdings noch unvollständig ist, aber mir kommt immer so viel Leben dazwischen.
    http://kabarett-mon-marthe.over-blog.de/
    Marthe Friedrichs

  2. Sehr geehrte Frau Friedrichs, Simone Deckner hier, Autorin des von Ihnen kritisierten Beitrages in der Mai-Ausgabe von Hinz&Kunzt 2013. Offensichtlich hat Sie der Artikel sehr verärgert. Das tut mir Leid.
    In keinster Weise sollte ihre Lebensleistung geschmälert wären. Wir haben die Ungenauigkeit im Text korrigiert.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Simone Deckner

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