Studie

Mieten machen Familien arm

Wenn sie ihre Miete überwiesen haben, bleibt Familien in vielen deutschen Städten weniger als der Hartz-IV-Regelsatz. Das hat eine Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung ergeben. Auch in Hamburg ist das so.

Wohnen macht arm. Das legt eine neue Studie der empirica AG im Auftrag der Bertelsmannstiftung nahe. Demnach haben einkommensschwache Familien in vielen Städten weniger als das Existenzminimum zur Verfügung, nachdem sie ihre Miete bezahlt haben. „Familien aus der unteren Mittelschicht und oberen Unterschicht geraten in Städten mit angespanntem Wohnungsmarkt finanziell stark unter Druck. Armut muss in Deutschland stärker regional erfasst und bekämpft werden“, kommentiert Stiftungsvorstand Jörg Dräger.

Denn die Studie zeigt: Wie stark die Miete das Budget belastet, ist in den 100 größten deutschen Städten ganz unterschiedlich. Die empirica AG geht von einer vierköpfigen Familie aus, die auf 75 Quadratmeter lebt beziehungsweise leben will und weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens in ihrer Stadt zur Verfügung hat. Damit gilt sie als einkommensschwach. In der Studie wird untersucht, wie diese Familien auf dem Wohnungsmarkt dastehen, wie viele der Wohnungen für sie geeignet sind und wie viele sie sich mit bis zu 30 Prozent ihres EInkommens (das ist der deutsche Durchschnittswert) leisten könnten.

In Hamburg sind laut Studie 34 Prozent der Wohnungen für eine vierköpfige Familie geeignet. Einkommensschwache, das heißt in Hamburg Familien, die bis zu 1918 Euro zur Verfügung haben können sich nur zwei Prozent der Wohnungen leisten. Tatsächlich geben sie statt 30 Prozent durchschnittlich 42 Prozent ihres Einkommens für die Miete aus. Was bleibt – rund 1100 Euro – liegt sechs Prozent unter dem Budget, das eine Familie zur Verfügung hat, die von Hartz IV lebt.

Am angespanntesten ist der Wohnungsmarkt in dieser Hinsicht in Frankfurt am Main. Hier gibt es besonders wenige Wohnungen, die sich Familien leisten könnten. Sie geben letztlich mehr als die Hälfte ihres Budgets für Wohnkosten aus. Was ihnen zum Leben bleibt liegt laut der Studie 37 Prozent unter dem Hartz-IV-Satz. Ganz anders sieht es in Iserlohn. Nirgendwo ist die Wohnungssituation für ärmere Familien so entspannt wie hier: Sie haben eine größere Auswahl und geben durchschnittlich nur 20 Prozent ihres Einkommens für Miete und Nebenkosten aus. Übrig bleiben 53 Prozent mehr als eine Familie, die Hartz IV bezieht, zur Verfügung hat.

Der Trend ist allerdings ein anderer als in Iserlohn: In mehr als der Hälfte der 100 größten Städte, nämlich in 60 von 100 größten Städte haushalten Familien mit geringem Einkommen nach Abzug der Miete unter dem Hartz-IV-Satz. BEB

Die Studie „Wohnungsangebot für arme Familien in Großstädten“ und die Profile der einzelnen Städte gibt es zum Download unter www.keck-atlas.de

3 Kommentare zu “Mieten machen Familien arm

  1. Es ist fast mehr als 20 Jahre her, das ich in einem Dreischichtsbetrieb gearbeitet habe !! Auch ich hatte ein vier köpfige Familie !! In der Familie war ich der Alleinverdiener, also mußte wir alle mit dem Geld auskommen, was ich allein mit nach hause brachte !! Ich verdiente damals mehr als 2100,00 Netto, also unter dem Sozialhilfesatz !! Also mußte ich, oder meine damalige Frau immer zum Amt und unser fehlendes Geld ab holen, da mit wir über die Runden kommen !! Wenn ich hier jetzt diese Studie zu Grunde lege, hat sich in den letzten 20 Jahre kaum etwas verändert !!
    Deshalb muß ich die Frage stellen: „Wie so reden alle vom Mindestlohn ?? “ Denn der reicht ja auch nicht, wenn man hier die 8,50 € zu Grunde legt !! Es ist doch alles ein politischer Lug und Betrug, der in diesem Lande herrscht !! Dann sollen auch noch alle bis zum 67 Lebensjahr die Leute arbeiten, die eigendlich gar nicht mehr arbeiten können !! Wer sich solche Politik gefallen läßt, den ist nicht mehr zu helfen !! Alle 6 Millionen Bundesbürger, die von Sozialleistungen abhängig sind, das sind die Armen von heute und Morgen !! Das die Wirtschaft und die Politik nicht da gegen vor gehen, muß uns nicht wundern, denn zu Hause ist es noch so lange schön, bis Frau-Mann kein zu Hause mehr hat !! Ich frage mich schon seit Jahren, wie so alle sich das so gefallen lassen ??

    Erich Heeder – HINZ&KUNZT-Verkäufer

  2. Wenn cih sage: „so sind halt die Zeiten aktuell“ soll das keine resignation darstellen, aber es wird auch nicht einfacher und auf die Strasse gehen und demonstrieren war auch schonmal erfolgreicher. Ohne knausrig zu wirken: Aber einfach mal mit dem Geld haushalten und dabei aber alle Möglichkeiten der Unterstützung suchen. Mir hat es auch geholfen, ein Haushaltsbuch zu führen und die Nebenkosten genau aufzusplitten und nachzurechnen. Da kann man schon ne Menge gut machen!

  3. Ich kann kaum glauben, dass der Wohnungsmarkt in Frankfurt schlimmer sein kann als derzeit in Berlin innerhalb des S-Bahn-Rings. Die ärmste Metropole der Republik, und ihre Immobilien verschachert sie meistbietend an Filmstars und Yuppies.

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