Liz Murray: Von der Straße an die Elite-Uni

Liz Murray als Harvard-Abolventin
Liz Murray mit Freunden bei ihrer Zeugnisfeier

Die Amerikanerin Liz Murray war früher obdachlos. Heute hilft sie in ihrer Coaching-Agentur in New York anderen Menschen, ihr Leben zu meistern. Am 24. Mai liest sie im Amerikazentrum aus ihrer Biographie.

„Als der Tag begann“ erzählt die Lebensgeschichte von Liz Murray. Eine Geschichte, die anrührt und Hoffnung macht. Liz wächst unter miserablen Bedingungen auf. Ihre Eltern sind drogenabhängig und mit der Erziehung der beiden Kinder (Liz hat noch eine Schwester) überfordert. Mit 15 Jahren findet sich Liz auf der Straße wieder – ziellos zieht sie mit anderen Jugendlichen durch die Gegend. Zukunftsperspektiven: keine. Als ihre Mutter mit 42 Jahren an den Folgen von AIDS stirbt, bricht die Familie auseinander.

Ein Wendepunkt für die Amerikanerin: „Ich wollte nicht genau so enden“, sagt sie. Also geht das Mädchen, das jahrelang kein Klassenzimmer von innen gesehen hat, wieder zur Schule und schließt diese in nur zwei Jahren mit Bestnoten ab. Ihr Ehrgeiz ist geweckt: Über ein Stipendium der New York Times bekommt sie einen Studienplatz an der Elite-Universität Harvard. 2009 beendet sie ihr Psychologie-Studium. Heute hat Liz Murray eine Coaching-Agentur in New York und hilft anderen Menschen, ihr Leben zu meistern.

„Ich fühlte mich nirgends zugehörig“
Kurz-Interview mit Liz Murray

Hinz&Kunzt: Wann haben Sie sich wieder als Teil der Gesellschaft gefühlt?
Liz Murray: Nachdem ich mich jahrelang als „anders“ und „abgesondert“ von der Gesellschaft empfunden habe, fühlte ich das erste Mal wieder an der High-School, dass ich irgendwo dazugehörte. Da waren Lehrer, die sich für mich interessierten. Außerdem hat mir The Door, eine gemeinnützige Organisation für obdachlose Teenager in New York sehr geholfen. Bevor ich diese Menschen hatte, fühlte ich mich nirgendwo zugehörig. Aber ab dem Moment, wo ich wieder zu Schule ging und jeden Tag lernen konnte, unterstützt von engagierten Lehrern, hat sich mein Selbstwertgefühl Stück für Stück verbessert. Ich ahnte, dass es vielleicht doch noch einen Platz für mich auf dieser Welt geben könnte. Andere mussten erst an mich glauben, damit ich selber an mich glauben konnte.

Hinz&Kunzt: Was können Politik und Gesellschaft tun, um die Situation von Obdachlosen zu verbessern?
Liz Murray: Wenn Du obdachlos bist, ist einfacher Zugang zu sozialen Förderprogrammen das A und O. Jede Anstrengung, den Zugang zu diesen Programmen zu erleichtern, damit die Menschen ihr Leben wieder in die eigene Hand nehmen können, ist eine Investition in die Gesellschaft als Ganzes. Wir brauchen keine Broschüren, wir wollen die Chance noch mal neu zu beginnen, hart arbeiten zu können und wieder ein Teil der Gesellschaft zu werden. Wir brauchen diese Unterstützung, damit wur uns auf den Weg machen können. Das bedeutet ganz konkret: Programme, die Zugang zu Bildung ermöglichen, bezahlbaren Wohnraum, Krankenversicherung und Unterstützung bei der Arbeitsplatzsuche.

Hinz&Kunzt: Glauben Sie, dass Straßenzeitungen sinnvoll sind beim Kampf gegen die Obdachlosigkeit?
Liz Murray: Absolut. Wenn Du auf der Straße lebst, ist jede Möglichkeit, zu arbeiten wertvoll. Der Verkauf von Straßenzeitungen ist dafür ein gutes Beispiel. Ich ermutige jeden, die Zeitungen zu kaufen und die Menschen zu unterstützen, die hart daran arbeiten, sich eine eigene Existenz aufzubauen.

Interview: Sybille Arendt
Text: Simone Deckner

31029108Murray_Als der TagLiz Murray liest aus „Als der Tag begann“
Dienstag, 24. Mai, Amerikazentrum, Am Sandtorkai 48, Beginn: 19 Uhr
Lesung in Englisch, deutsche Texte gelesen von der Schauspielerin Sandra Borgmann.
Moderation: Günter Keil, Chefredakteur des Münchner Straßenmagazins „Biss“
Eintritt: 6 Euro ermäßigt 3 Euro
Anmeldung erwünscht:  info@amerikazentrum.de oder Telefon 70 38 36 88.

Veranstalter: Amerikazentrum Hamburg, Diana Verlag, Buchhandlung Reuter + Klöckner.

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